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Freiwilliger Einsatz im Frauenhaus

Freiwilliger Einsatz im Frauenhaus

Freiwilliger Einsatz im Frauenhaus

Sonderburg/Sønderborg
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Das Sonderburger Frauenhaus ist eine eigenständige Einrichtung und erhält einen kommunalen Betriebszuschuss. Foto: Sara Wasmund

Rund 38.000 Frauen in Dänemark sind 2018 Opfer häuslicher Gewalt geworden. Im Sonderburger Frauenhaus haben 38 von ihnen Zuflucht gesucht. Da das Haus nur durch die Mithilfe Freiwilliger funktioniert, wirbt die Einrichtung um Mitarbeiter.

„Es ist auch in Dänemark ein großes Thema, Gewalt gegen Frauen. Und es ist ein Problem, das alle Schichten betrifft.“ Karina Lüthje ist Leiterin des Sonderburger Frauenhauses, „Sønderborg Kvinde- og Krisecenter“.

Fünf Plätze für Frauen gibt es am Haus am Agervang. Meistens kommen die Frauen zusammen mit ihren Kindern. 38 Frauen waren es im vergangenen Jahr. Da das Sonderburger Frauenhaus nur acht festangestellte Mitarbeiter hat – die meisten davon nicht in Vollzeit – ist die Einrichtung auf die Mithilfe Freiwilliger angewiesen.

Immerhin gilt es, pro Jahr 1.000 Wachen zu übernehmen. Der Gedanke dahinter: Im Haus soll rund um die Uhr eine Ansprechperson anwesend sein.

Der Aufenthaltsraum kurz nach der Renovierung 2017 Foto: Karin Riggelsen (Archivbild)

Am Abend gibt es Abendessen, an dem man teilnehmen kann und oft wollen die Frauen einfach nur reden – dann kann man als aktive Zuhörerin einen Dienst leisten.

Karina Lüthje

Gerda J. ist eine von ihnen. Seit zwei Jahren setzt sie sich ehrenamtlich für das Frauenhaus ein, übernimmt Nachtschichten oder ist am Wochenende vor Ort, wenn die Angestellten frei haben.

„Es ist ein Privileg, dass man dazu beiträgt, einen Unterschied im Leben anderer zu machen“, sagt die 63-Jährige.

„Ich hatte mir schon lange vorgenommen, mich ehrenamtlich einzusetzen. Nachdem ich aufgehört habe, zu arbeiten, hatte ich endlich die Zeit und die Kraft dafür. Eine Freundin von mir hatte als Freiwillige im Frauenhaus gearbeitet, und dann habe ich auch damit begonnen.“

Alltag im Frauenhaus

Wie sieht er aus, der Alltag im Frauenhaus während einer Schicht? Bei einer Infoveranstaltung hat das Frauenhaus kürzlich Einblicke gegeben. Einfach da sein – das ist das Wichtigste. Die Freiwilligen sollen weder psychologische Lebenshilfe leisten noch Ratschläge geben.

Die Mitarbeiterinnen bedienen Tür und Telefon, „am Abend gibt es Abendessen, an dem man teilnehmen kann und oft wollen die Frauen einfach nur reden – dann kann man als aktive Zuhörerin einen Dienst leisten“, erklärte Karina Lüthje die Aufgaben.

Das Frauenhaus hat derzeit rund 60 freiwillige Mitarbeiterinnen, 40 von ihnen übernehmen Wachschichten am Abend, nachts oder am Wochenende und in den Ferien. „Wir müssen rund 1.000 Schichten besetzen, daher benötigen wir so viel Mithilfe wie möglich“, so die Leiterin.

Das Haus wurde 2017 renoviert und neu eingeweiht. Foto: Karin Riggelsen (Archivbild)

Zwei Schichten pro Monat sollte man als Freiwillige übernehmen, mit einer Abend- und einer Nachtschicht ist der Beitrag beispielsweise geleistet.

Aber ist es nicht gefährlich, in einem Frauenhaus zu arbeiten? Was, wenn ein Mann auf der Suche nach seiner Frau ausrastet? „In all der Zeit habe ich das nicht einmal erlebt“, so Gerda J.

„Dann sagt man eine Standardantwort und legt auf“

Zwar komme es vor, dass ein Mann anruft und nach seiner Frau fragt. „Dann sagt man eine Standardantwort, die wir haben, dass es eine solche Frau hier nicht gibt, und legt auf“, so Karina Lüthje.

Viele der Frauen kämen auch nicht aus der Gegend, sondern seien aus anderen Landesteilen. Haus und Türen sind einbruchssicher und die Türanlage ist mit einer Videoanlage ausgerüstet.

Auch der Garten wurde 2017 neu gestaltet. Foto: Karin Riggelsen (Archivbild)

Was, wenn eine der Frauen rausgeht, wenn der Mann vor der Tür steht und klingelt? „Wir raten dann dringend davon ab – letztendlich sind die Frauen aber für sich selbst verantwortlich und wir können sie nicht gegen ihren Willen aufhalten“, sagt Karina Lüthje, die diese und andere Fragen der elf Frauen beantwortete, die zum Infoabend gekommen waren. Zehn von ihnen meldeten sich am Ende für die freiwillige Arbeit.

Es besteht absolute Verschwiegenheitspflicht

Für alle Freiwilligen besteht absolute Verschwiegenheitspflicht. Das Erlebte – und vor allem das Gehörte – teilt man mit anderen Freiwilligen. Damit jeder einen Rückhalt hat, ist man Teil eines Teams, mit dem man Einsatzzeiten und Erfahrungen bespricht.

Wer im Frauenhaus mitarbeiten will, findet unter www.kvindekrisecenter.dk weitere Informationen dazu.

Das Sonderburger Frauenhaus ist eine eigenständige Einrichtung und erhält einen kommunalen Betriebszuschuss. Foto: Sara Wasmund
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