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Viel Applaus für SHMF-Konzert in Sonderburg

Viel Applaus für SHMF-Konzert in Sonderburg

Viel Applaus für SHMF-Konzert in Sonderburg

Jens Uwe Jessen
Sonderburg/Sønderborg
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Das Schleswig-Holstein Festival Orchestra unter Leitung Ton Koopmans begeisterte das Publikum im Sonderburger Alsion. Als Solist hinterließ Sergei Nakariakov tiefen Eindruck. Foto: hpblume

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Das erste von zwei Gastspielen des Schleswig-Holstein Musik Festivals 2021 im dänischen Sonderburg begeisterte das Publikum im Konzerthaus Alsion. Sergei Nakariakov hinterließ tiefen Eindruck als Trompeten- und Hornsolist.

In bewährter Zusammenarbeit mit dem Bund Deutscher Nordschleswiger und der Kommune Sonderburg hat das Schleswig-Holstein Musik Festival in diesem Jahr ein weiteres Mal für zwei Konzerte den Spielort Sonderburg gewählt. Das erste Konzert mit dem Schleswig-Holstein Festival Orchestra unter der Leitung des verdienten niederländischen Dirigenten Ton Koopman fand am vergangenen Freitagabend im Konzertsaal Alsion statt. Mit Sitzabstand hatte sich ein begeisterungsfähiges Publikum, hauptsächlich aus Deutschland, eingefunden. Das erlesene Programm beinhaltete Werke zwischen Klassik und Romantik, darunter zwei Konzerte mit dem unter vielen namhaften Dirigenten aufgetretenen russischen Trompeter Sergei Nakariakov.

Der niederländischer Dirigent Ton Koopman hat wie in früheren Jahren im Verlauf des Schleswig-Holstein Musikfestivals mit jungen Musikerinnen und Musikern im Rahmen von Meisterkursen Stücke einstudiert, die – wie in Sonderburg im Konzerthaus Alsion – das Publikum in den Genuss hochkarätiger Konzerte kommen lassen. Foto: hpblume

Sinfonien Mozarts und Schuberts erklangen

Mozart und Schubert waren mit jeweils einer ihrer beliebtesten Sinfonien vertreten, in denen die Grenze zwischen Klassik und Romantik besonders deutlich hervortrat. Einleitend erklang Schuberts 5. Sinfonie in B-Dur, mit der er, nur 19 Jahre alt, ein frühes Meisterwerk schuf.

Die kleine Besetzung mit Streichern, Flöte, zwei Oboen, zwei Fagotten und Hörnern deutet darauf hin, dass Schubert die Sinfonie für ein Laienorchester komponierte. Oft wird der Einfluss von Mozarts sinfonischem Stil hervorgehoben; insbesondere die später an diesem Konzertabend erklungene Sinfonie in g-moll muss Schubert gekannt haben. Bereits das nach einleitenden Bläserakkorden beschwingte Hauptthema des Kopfsatzes atmete mozartsche und haydnsche Frische. Der verwickelte Akkord unmittelbar vor dem Schluss jedoch, wie auch der häufige Dur-Moll-Wechsel, beschworen die Tonsprache der Romantik.

Ton Koopman leitete souverän das aus Nachwuchstalenten bestehende Festival Orchestra im Alsion. Foto: hpblume

Die Holzbläser nahmen lebhaft Anteil am musikalischen Geschehen. Besonders die Flötistin übernahm mit großer Klangschönheit oft das Satzthema. Das sinfonische Geschehen tauchte mitunter auch in schubertsche Schatten, deutlich im mollgetönten Menuetto und geradezu bissig in den abrupten Orchesterschlägen des Finales. Das Publikum applaudierte beeindruckt, auch von der souveränen musikalischen Leitung Ton Koopmans.

Stürmischer Beifall für Sergei Nakariakov

Im weiteren Verlauf des Abends ließ sich der Solist Sergei Nakariakov zunächst mit dem Trompetenkonzert des Mozart-Schülers Johann Nepomuk Hummel hören. Die von Anton Weidinger, der schon Haydns Trompetenkonzert aus der Taufe gehoben hatte, neuentwickelte Klappentrompete eröffnete, nicht mehr eingeschränkt durch die Reihe der Naturtöne, ein weites Feld von Spielmöglichkeiten. Während sich das straffe, marschartige Hauptthema noch auf Dreiklangstöne beschränkte, machten das Seitenthema und die weiteren Sätze in hohem Maße Gebrauch von eng beieinander liegenden Halbtönen. Besonders das abschließende Rondo verlangte ein Höchstmaß an virtuosem Können, dem die Konzertbesucher stürmischen Beifall zollten.

Bei seinem zweiten Auftritt mit Mozarts Hornkonzert D-Dur KV 412/514 zeigte Sergei Nakariakov, dass er auch das Flügelhorn beherrschte. Mozartisch heiter füllte der volle warme Hornklang den Saal. Kunstvoll eingeflochten bereicherten Solopassagen der Konzertmeisterin und ein schöner Dialog zwischen ersten und zweiten Violinen den Orchesterpart.

Bewegende Mozartsinfonie

Zum Abschluss des Programms spielte das Schleswig-Holstein Festival Orchestra die schon angesprochene g-moll-Sinfonie Nr. 40 KV 550 von Wolfgang Amadeus Mozart. Ihr herber, schmerzlicher Charakter, der sich im Menuetto zu eigensinnigem Trotz und im Finale zu chromatisch bewegter Ruhelosigkeit steigerte, zeigt Verwandschaft mit den düsteren Klangbildern in seiner Oper Don Giovanni.

Meisterhafte Kontrapunktik und Intervallsprünge, die sich in der Durchführung des Schlusssatzes vorübergehend zu tonal nicht mehr erkennbarer Härte steigerten, sorgten ebenso wie wunderbar melodische und harmonische Holzbläserpassagen und empfindsam differenzierter Streicherklang für ein ständig mitreißendes Hörerlebnis. Orchester und Dirigent gaben hier ihr Äußerstes, um den permanenten spielerischen Herausforderungen gerecht zu werden. Erst nach bewegten, anhaltenden Beifallsbekundungen konnten die jungen Musiker, alle unter 26 Jahre, ihr Gastspiel beenden.

Mit lebhaftem Applaus bedankte sich das Publikum im Konzerthaus Alsion für das erste Gastspiel des Schleswig-Holstein Musikfestivals 2021 in Dänemark. Foto: hpblume

Weiteres SHMF-Konzert am 7. August in Sonderburg

Ein zweites Schleswig-Holstein Musik Festival-Konzert mit dem Busch-Trio wird am 7. August im Rittersaal des Sonderburger Schlosses stattfinden. Gespielt werden Trios von Schubert und Smetana. Dem darf man erwartungsvoll entgegensehen!

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