Bundestagswahl

Protest: Jamaika à la Kiel im Bund?

Protest: Jamaika à la Kiel im Bund?

Protest: Jamaika à la Kiel im Bund?

Peter Lassen
Peter Lassen Hauptredaktion
Berlin/Apenrade
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Foto: Scanpix

BDN-Chef Hinrich Jürgensen sieht klare Protestwahl, bei der die Alternative für Deutschland drittgrößte Kraft im Bundestag geworden ist.

„Eine klare Protestwahl“, so das Fazit des BDN-Hauptvorsitzenden Hinrich Jürgensen nach der Bundestagswahl am vergangenen Sonntag. Nun werde es Aufgabe der neuen Regierung sein, der „Unterschicht “ zu vermitteln, dass auch Politik für sie gemacht werde. Jürgensen sieht das Ergebnis nicht unbedingt als Protest gegen die vielen Flüchtlinge. Viele seien der Auffassung, dass es bisher egal gewesen sei, wen man wählt. Daher der Denkzettel mit der AfD, dessen Größe Jürgensen jedoch überrascht, denn ökonomisch laufe es in Deutschland ansonsten ja gut.

Aber die Bundestagswahl hat einen klaren Sieger: Die AfD wird auf Anhieb drittgrößte Partei. Sowohl die weiterhin mit Abstand größte Partei CDU/CSU als auch der bisherige Groko-Partner SPD verloren massiv. Nach der historischen Schlappe kündigte die SPD ihren Ausstieg an – man geht in die Opposition.

Das will die AfD auch – Spitzenkandidat Alexander Gauland meinte schon kurz nach der ersten Prognose, dass Deutschland durch den Einzug der AfD in den Bundestag endlich wieder eine Opposition bekomme: „Wir werden Merkel jagen, wir werden unser Land und unser Volk zurückholen.“ Die FDP zieht wieder in den Bundestag ein, und zusammen mit den Grünen wird Merkel wohl notgedrungen eine Jamaika-Koalition bilden müssen.

Kieler Vorreiterrolle

Der Hauptvorsitzende des Bundes Deutscher Nordschleswiger, Hinrich Jürgensen, meint, dass eine Jamaika-Koalition nach Kieler Muster machbar wäre: „Gut, dass Kiel da die Vorreiterrolle übernehmen kann. So etwas hat viel mit Persönlichkeiten – mit den beteiligten Personen zu tun. In Kiel klappt das – da ist die Verständigung gut.

Für die deutsche Minderheit sehe ich nicht die großen Veränderungen. Wir arbeiten ja schon gut mit der CDU zusammen und sind immer offen gegenüber einer Zusammenarbeit mit allen.“ Der dänische Innenminister Simon Emil Ammitzbøll (LA) freute sich gestern Abend, „dass Mutti nicht nur der EU, sondern auch Dänemark erhalten bleibt.“

Und der ehemalige Radikale freut sich besonders über den Wiedereinzug der FDP in den Bundestag. Der Sprecher der dänischen Sozialdemokraten, Nicolai Wammen, erklärte, dass das Ergebnis sowohl Merkel als auch der SPD deutlich zeige, dass man vielen nicht die gewünschten Antworten habe geben können – unter aderem in Verbindung damit, dass so viele neu ins Land gekommen seien.
Prorektorin und Ex-Klimaministerin Lykke Friis:

„Klar, dass Verschleißerscheinungen auftreten nach zwölf Jahren. Aber Merkel hat im Zuge der Flüchtlingskrise nicht nur Anhänger verloren, sondern auch andere Wähler hinzugewonnen.“ Der dänische Botschafter in Berlin, Friis Arne Petersen, sprach bei TV2 News von einer dramatischen Wahl, die aber auch großen Chancen bringe. Deutschland könne mit der Jamaikakoalition eine starke Regierung bekommen – und eine starke Opposition.

Ex-Nordschleswiger-Chefredakteur Siegfried Matlok erklärte bei TV 2, dass es nun wichtig sei, dass man der AfD nicht die Rolle der Opposition überlasse. Die müsse die SPD übernehmen.

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