Leitartikel

„Gaaaaaanz langsam“

Gaaaaaanz langsam

Gaaaaaanz langsam

Kopenhagen
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Ausgewählte Kommunen sollen in Zukunft die zugelassene Geschwindigkeit für Autos herabsetzen können. Hoffentlich werden dadurch auch in Nordschleswig Menschenleben gerettet, schreibt Chefredakteur Gwyn Nissen.

50 km/h fühlt sich hinter dem Lenkrad im Auto oft sehr langsam an. Spaziergängern oder Radfahrern macht ein vorbeirauschendes Auto aber auch bei geringem Tempo manchmal Angst – vor allem, wenn es auf der Straße eng ist.

Das ist vor allem in vielen Städten der Fall, und die Statistik bestätigt, dass die Gefahr in den Ortschaften am größten ist: Acht von zehn Verkehrstoten sind Fußgänger oder Radfahrer in den Städten. Das gilt auch für Verletzte im Verkehr.

Polizei und Politik haben in den vergangenen 20 Jahren durch zahlreiche Verkehrskampagnen, die Anzahl der Verkehrstoten in Dänemark wesentlich gesenkt: von 500 im Jahr 2000 auf weniger als 200 in den vergangenen neun Jahren. Das hört sich zwar zunächst nach einem Erfolg an, doch das Ziel war es, die Zahl auf 120 zu reduzieren.

Deshalb hört die Arbeit mit der Verkehrssicherheit auch nie auf. Daher werden weitere Initiativen unternommen, um den Verkehr sicherer zu machen. Verkehrsminister Benny Engelbrecht (Soz.) will unter anderem den Kommunen mehr Freiheiten geben. Heute bestimmt die Polizei, wo wir wie schnell fahren dürfen. Doch in einem Versuch mit 15 der 98 dänischen Kommunen soll nun lokal beschlossen werden können, die Geschwindigkeit zu senken.

Drei Jahre lang haben die Kommunen das Sagen – und nicht die Polizei, die allerdings immer noch zurate gezogen werden muss.

Also heißt es in Zukunft vielleicht nur 30 oder 40 km/h in der Stadt. Für Autofahrer macht das keinen großen Unterschied, aber für die anderen Verkehrsteilnehmer macht es die Straßen sicherer. Viele Autos sind heute mit automatischen Kollisionsbremsen ausgestattet, die bei niedriger Geschwindigkeit (typisch unter 50 oder 40 km/h) ausgelöst werden, wenn der Fahrer ein parkendes Auto – oder eben einen Fußgänger oder Radfahrer übersieht.

Es ergibt Sinn, den Gemeinden vor Ort mehr Einfluss zu geben, denn sie kennen ihren Ort und den Verkehrsfluss – viel besser als die dezentralisierte Polizei. Außerdem hat der Minister schlauerweise den Kommunen unterbunden, die Geschwindigkeit zu erhöhen.

Die Kommunen können sich bewerben, an dem dreijährigen Test teilzunehmen. Es wäre auch in Nordschleswig eine tolle Sache, wenn wir hier Menschenleben retten könnten.

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