Leitartikel

„Wem gehört die Straße“

Wem gehört die Straße

Wem gehört die Straße

Apenrade/Nordschleswig
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Eine kleine Gruppe Radfahrer und Autofahrer bekriegen sich auf den Straßen. Ein gefährliches Spiel, bei dem es nur Verlierer gibt, meint Chefredakteur Gwyn Nissen.

Es gehört in Dänemark irgendwie zur Erziehung: Gleich, nachdem Kinder das Gehen gelernt haben, werden sie aufs Fahrrad gesetzt. Fahrradfahren ist eben ein Stück Kultur hierzulande.

In Kopenhagen hat sich das Fahrradfahren sogar einen internationalen Namen geschaffen – im wahrsten Sinn des Wortes: Copenhagenization nennen die Amerikaner die dänische Fahrradkultur und Verkehrsplanung.

Das Fahrrad dient vor allem in der Hauptstadt und anderen größeren Provinzstädten als das Transportfahrzeug schlechthin. Auf dem Lande wird das Fahrrad wegen der Abstände eher spielerisch eingesetzt – und Fahrradwege sind oft Mangelware (aber das ist eine ganz andere Geschichte).

Ganz Dänemark erlebt in diesen Jahren einen regelrechten Fahrrad-Aufschwung – angekurbelt von der Corona-Krise. Homeoffice, Versammlungsverbot und Stilllegung von Vereinsaktivitäten haben viele Dänen auf das Fahrrad getrieben. Ein Stückchen Freiheit im Corona-Gefängnis eben.

Bereits nach der ersten Welle im Frühjahr 2020 merkten Fahrradhändler den Aufschwung und verkauften zum Teil doppelt so viele Fahrräder wie üblich. Doch schon während der zweiten und dritten Corona-Welle begannen die europaweiten Lieferengpässe. Wer heute wählerisch ist, was Farbe, Extras oder Größe ist, muss schon mal ein halbes oder ein ganzes Jahr auf sein neues Fahrrad warten.

Bei E-Fahrrädern ist es genauso. Erst in zwei, drei Jahren, so die Branche, wird sich die Situation wieder normalisiert haben.

Zu Beginn der Corona-Pandemie hatten die Radfahrer noch jede Menge Platz auf den Straßen. Doch inzwischen hat auch der Autoverkehr wieder zugenommen – auf dem Lande und in den Städten. Damit hat sich auch der ewige Konflikt zwischen dem Zweirad und dem Auto wieder eingefunden.

Wem gehört die Straße? Darum geht es scheinbar im ewigen Duell zwischen unverbesserlichen Rad- und Autofahrern bei dem niemand dem anderen weichen will. Die Diskussionen darüber haben in den vergangenen Monaten wieder zugenommen – parallel zum höheren Verkehrsaufkommen.

Da kommt die Kampagne „Wir teilen uns die Straße“ (Vi deler vejen) gerade zur rechten Zeit. Die Botschaft: Die Straße gehört keinem – beziehungsweise uns allen, und wir müssen miteinander auskommen.

Wer das nicht versteht, spielt mit dem Leben – mit dem eigenen und mit dem der anderen. Die Kombination von Auto und Fahrrad in einem Unfall ist eine tödliche.

Daher gehört zu den üblichen Ratschlägen wie Abstandhalten (für Autofahrer), Rechts fahren (für Radfahrer) und Rücksichtnehmen (für alle), auch der Rat bis zehn zu zählen.

Geduld haben und Ruhe bewahren. Neben einer guten Kommunikation zwischen Autofahrern und Radfahrern sind dies die wichtigsten Eigenschaften im Verkehr – damit alle am Leben bleiben.

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Gwyn Nissen
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