Thema der Woche: FAMILIE

Raus aus dem Elterntaxi und rauf aufs Rad

Raus aus dem Elterntaxi und rauf aufs Rad

Raus aus dem Elterntaxi und rauf aufs Rad

Kopenhagen
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Mit dem Fahrrad zur Schule: Gut für die Gesundheit und für das Lernen. Foto: Torben Klint/Ritzau Scanpix

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Trotz kurzem Weg werden viele Kinder mit dem Auto in die Schule gebracht. Ein neues Projekt soll Klarheit darüber schaffen, warum Eltern diese Entscheidung treffen.

Am gesündesten für die Kinder ist es, den Schulweg auf dem Fahrrad oder auf Schusters Rappen zurückzulegen. Das ist kaum eine Neuigkeit. Dennoch entscheiden sich viele Familien im Alltag dafür, das Elterntaxi fahren zu lassen.

„Wir haben die Herausforderung, dass viele Kinder auch dann in die Schule gebracht werden, wenn der Schulweg kurz und sicher ist“, sagt Lars Lindenberg, Direktor der Stadtentwicklungsfirma Plan Gruppen.

Übergewicht

Plan Gruppen hat das Projekt „Sund Skolevej“ initiiert. Ziel ist es, den Kommunen eine Reihe von Empfehlungen an die Hand zu geben, wie sie die Entscheidung für das Rad fördern können.

„Wir wissen, dass nur eine Minderheit der Kinder die Menge Bewegung bekommen, die die Gesundheitsbehörde empfiehlt. Fast 20 Prozent der Schüler sind übergewichtig und bleiben dies vielfach ein Leben lang. Der Schulweg zu Fuß oder mit dem Rad ist naheliegende Möglichkeit das täglichen Quantum an Bewegung zu bekommen“, meint Lindenberg.

Entscheidungen am Küchentisch

Laut offiziellen Empfehlungen können bereits die Jüngsten bis zu 2,5 Kilometer zu Fuss mit dem Rad zurücklegen. An der 4. Klasse schaffen sie sechs Kilometer und ab der 7. sieben. Vor allem die Jüngsten werden mit dem Auto zu Schule gebracht.

Viele Kommunen habe zum Beispiel Radwege gebaut, um den Schulweg sicherer zu machen. Dennoch hat das ganz offensichtlich häufig nicht dazu geführt, dass das Rad das bevorzugte Transportmittel geworden ist.

„Es sind in den Kommunen zahlreiche Schulwegprojekte durchgeführt worden. Doch diese sind vor allem technischer Natur. Uns ist jedoch klar geworden, dass Wissen darüber fehlt, warum sich Familien für das Auto entscheiden. Denn diese Entscheidungen werden ja am Küchentisch und nicht im Rathaus getroffen“, so Lindenberg.

Katalog an Empfehlungen

Nun will Lindenberg und sein Team nach den Sommerferien in fünf bis sechs Kommunen Modellstudien durchführen, um zu ermitteln, warum die Entscheidung der Eltern so ausfällt. Ist es ein eiliger Alltag, die Tatsache, dass man ohnehin das Auto zu Arbeit nimmt, Sorge um die Sicherheit oder das Wetter? Das sind die Fragen, die man beantworten möchten.

Wir wissen aus zahlreichen Untersuchungen, dass Bewegung die Lernfähigkeit erhöht.

Lars Lindenberg / Direktor der Stadtentwicklungsfirma Plan Gruppen

„Wenn wir dies wissen, dann können wir auch Empfehlungen dazu aussprechen, wie man vielleicht direkter zum Ziel kommt als über einen neuen Radweg oder einen weiteren Kreisverkehr“, meint der Stadtplaner.

Anfang des kommenden Jahres will die Projektgruppe dann ihre Empfehlungen aussprechen. Danach soll in die Empfehlungen in Modellkommunen umgesetzt werden. Die Gruppe ist auch an einer Zusammenarbeit mit Privatschulen interessiert, denn hier fällt die Entscheidung besonders häufig zugunsten des Autos aus.

Lernfähigkeit und Verkehrssicherheit

Neben den gesundheitlichen Aspekten hat der aktive Schulweg auch den Vorteil, dass die Kinder sich nachher auf der Schulbank leichter tun.

„Wir wissen aus zahlreichen Untersuchungen, dass Bewegung die Lernfähigkeit erhöht“, betont Lindenberg.

Und es gibt einen weiteren Vorteil.

„Kinder, die mit dem Rad zur Schule fahren, lernen den Verkehr zu lesen. Sie werden später als Teenager oder nachdem sie den Führerschein gemacht haben, sicherere Verkehrsteilnehmer“.

Breite Expertise

Außerdem: Wenn weniger Elterntaxis fahren, wird auch das Verkehrsaufkommen vor den Schulen geringer, der Schulweg würde noch sicherer werden.

In der Projektgruppe ist ein breites Spektrum an Experten. Neben den Stadtplanern, sind auch ein Verkehrssicherheitsexperte, eine Verhaltensforscherin und ein Verkehrsingenieur vertreten.

Der GF-Fonds unterstützt das Projekt finanziell.

„Eines der wichtigsten Kriterien, wenn wir Projekte wählen ist, dass sie das Potenzial haben, die Verkehrssicherheit in ganz Dänemark fördern sollen und nicht nur in einem einzelnen Lokalgebiet. Und dies hat das Projekt Sund Skolevej. Die Kampagnen und Verkehrsverbesserungen, die in einer Kommune durchgeführt werden, können leicht auf den Rest des Landes übertragen werden“, sagt der chirurgische Oberarzt Lars Binderup Larsen laut einer Pressemitteilung. Er ist Vorsitzender des Verkehrskomitees des GF-Fonds und Mitglied der Havariegruppe für Verkehrsunfälle.

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