Theater auf dem Knivsberg

Krimidinner: Ein Giftcocktail zur Begrüßung

Sara Wasmund
Sara Wasmund Hauptredaktion
Knivsberg /Knivsbjerg  
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Kommissar Rigobert Baum befragt Tatjana. Foto: Friedrich Hartung

Theaterfreunde können sich Anfang März an zwei Abenden auf eine Mischung aus Schauspiel, Spannung und Speisen freuen – und mitraten, wer der Mörder ist.

Anfang März wird der Knivsberg zum Weingut der Familie Kessel. Bei einem festlichen Vier-Gänge-Dinner fällt – so viel sei an dieser Stelle schon verraten – der Besitzer des Weinguts beim Aperitif vom Stuhl und ist mausetot. Doch wer ist der Mörder?

Das Publikum ist gefragt! Denn beim Krimidinner mit der Theatergruppe Theaterdrang sind die Besucher eingeladen, mitzutrinken, mitzuessen und mitzuraten. Seit August proben die sechs Darsteller plus Team an dem Stück „Mörderische Auslese“, am Dienstagabend fand im Theatersaal des Knivsberges eine weitere Probe statt.

Theaterdrang 2019: Jan W. Schmidt, Hannah Dobiaschowski, Lisa Thietje, Marion Petersen, Helmuth Petersen, Felix Neubert, Mareike Bleier, Anne Steinfurth und Silke Baudendistel Foto: Friedrich Hartung

„Weiß noch jemand, wie weit wir beim letzten Mal gekommen sind?“, ruft Regisseurin Hannah Dobiaschowski in die Runde, während sich Kommissar Helmuth Petersen alias Rigobert Baum am Requisitentisch fragt, ob sein Mantel richtig sitzt.

Man einigt sich auf den Einstieg im zweiten Akt, fünfte Szene. Der Weingutbesitzer ist tot, die Familie verdächtig. Unschuldig, das wird schnell klar, ist in diesem Stück niemand.

Wer ist der Mörder?

Nicht die aufreizende und immerfort Instagram-Fotos schießende Tatjana Kessel (Lisa Thietje), nicht die brav scheinende Emilia Kessel (Silke Baudendistel), nicht der koksende Schönling Benjamin Kessel (Felix Neubert) und auch Someliere Elke (Marion Petersen) schenkt dem Kommissar nicht nur reinen Wein ein. Welche Rolle der belesene Besserwisser und Kommissar für Reblausbekämpfung, Dr. Joachim Gansmüller (Jan W. Schmidt), spielt, bleibt ebenso lange fraglich wie die Todesursache durch, nein, das wird an dieser Stelle nicht verraten.

Dr. Gansmüller, Benjamin und Someli´ere Elke im Kreuzverhör. Foto: Friedrich Hartung

Es ist das dritte Stück, das Theaterdrang nach 2015 und 2016 auf die Bühne bringt. „Aber es ist das erste Mal, dass wir uns an eine Komödie gewagt haben“, erzählt die 37-jährige Regisseurin.
„Es war nicht leicht, ein passendes Stück zu finden, es war schwer, sich auf einen Humor zu verständigen. Doch als wir Mörderische Auslese zum ersten Mal gemeinsam gelesen haben, wurden wir uns schnell einig. Da hat der Humor gepasst!“

Ehrenamtlich für Nordschleswig

Regisseurin und Schauspieler, Souffleure und Techniker – alle Beteiligten bei Theaterdrang engagieren sich unentgeltlich und in ihrer Freizeit dafür, dass Nordschleswig eine eigene, deutschsprachige Theatergruppe hat.

„Früher, in einem anderen Leben, habe ich das hauptberuflich gemacht“, lacht die ausgebildete Theaterpädagogin, die im Laufe der Probe immer wieder die fünf Stufen der Bühne hinaufspringt, um ihre Anmerkungen vor Ort anzubringen und den Schauspielern die ein oder andere Gestik oder Mimik vorzumachen und anzuraten.

Regisseurin Hanna Dobiaschowski in Aktion. Foto: Friedrich Hartung

„Bildet bloß keinen Halbkreis, wartet mal“, ruft die Regisseurin und sprintet auf die Bühne, um innerhalb von 20 Sekunden alle Protagonisten in und an den Requisiten auf der Bühne zu verteilen. Die Darsteller setzen ihre Anmerkungen schnell um, und so spielt sich die Gruppe durch die Szenen. Sie wiederholen, verbessern, arbeiten konzentriert an den Details, an Stimmlage und Standorten. Nach zweieinhalb Stunden endet die Probe.

Herausforderung Komödie

Wie ist es, diesmal eine Komödie zu spielen? „Hannah hat uns immer gesagt, dass eine Komödie sehr schwer ist, weil es schnell albern wirken kann“, sagt Lisa Thietje, die die verführerische Tatjana spielt. „Und sie hat recht, wir wollen ja keinen Klamauk bieten, sondern gutes Schauspiel. Und es erfordert eine große Konzentration, in der Rolle zu bleiben und nicht zu lachen“, so Thietje, die 2015 die Initiative für Theaterdrang ergriffen hatte. „Und bei einer Komödie hat man den direkteren Draht zum Publikum – da merkt man, dass es da ist.“

Inwieweit die Besucher des Krimidinners nach ihrem Aperitif noch in der Lage sind, mitzulachen und mitzuraten, wird sich dann zeigen ...

Am 1: und 2. März sind die Aufführungen. Foto: Friedrich Hartung
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