Nordschleswigdeutsch

Gelüftete Hunde, lärmende Grabkühe, gepeitschte Sahne

Gelüftete Hunde, lärmende Grabkühe, gepeitschte Sahne

Gelüftete Hunde, lärmende Grabkühe, gepeitschte Sahne

Apenrade/Aabenraa
Zuletzt aktualisiert um:
Unglaublich, was für einen Krach so eine Grabkuh machen kann! Foto: Grafik: Lana Riedel

Wie es angehen kann, dass jemand über Danismen schreiben soll – aber nicht dazu kommt

Eigentlich hatte ich ja die Aufgabe, hier etwas über Danismen zu schreiben – also über Ausdrücke, die aus der dänischen Sprache in die deutsche eingeflossen sind.

Aber ich gii gar nicht, das zu tun. Denn: Ich soll noch das Gras schlagen, und außerdem will mich meine Kleineschwester besuchen. Sie hält gerade Ferien. Letzte Woche hat sie bei mir vorgefragt, ob sie heute bei mir Apfelkuchen kriegen kann. Dann soll ich ja wohl noch Sahne peitschen dafür, damit wir es richtig hyggelig haben. Und bestimmt soll sie auch flø‘e in ihren Kaffee kriegen. Muss ich noch handeln.

Meine Kleineschwester ist Hobbyfotografin und will gern in meinem Garten ein paar Fotos nehmen. Ich meine ja, das sollte sie lieber auf den Frühling verschieben, wenn die Bäume ausspringen und viel mehr Sommervögel da rumflattern! Ist doch viel flotter! Aber letzten Endes muss sie selber wissen, wie sie das hantiert.

Nå, nun soll ich aber erst mal los, den Hund lüften! Noch etwas Gelee in die Haare – und ab die Post!

Mein Nachbar will auch gerade los. Er hat heute frei, weil er abspaziert. Mit dem habe ich erst letzttag Bekanntschaft gestiftet, jetzt weiß ich alles über ihn. „Hast du schon gehört?“, fragt er mich, „an der Schule um die Ecke wollen sie alles ummachen. Dann müssen die Kinder vorübergehend in andere Lokale umziehen. Was ja nicht so schlimm ist wie der Krach, der hier dann den ganzen Tag herrscht – von beiden, Grabkühen und Gummiziegen.”

Ich denke, Mann, der ist wohl von einem Schäfer gebissen worden und sage: „Komm, wir nehmen es mal mit der Ruhe, du hattest doch selber deinen Gang an der Schule. Freu’ dich doch, dass es nun diesen Weg rum gehen soll. Alles neu – und milieurichtig! Und vielleicht werden dadurch weniger Arbeitsplätze wegbarbiert. Aber wenn dich das so nervt, musst du mal dafür reklamieren, dass so eine Art Bürgerinitiative etabliert wird. Du hast doch so eine große Berührungsfläche und so ein hohes Aktivitätsniveau – vielleicht kannst du dich mit anderen alliieren.” Und ich denke: Kann der seine Zeit nicht besser prioritieren? Solche Reparationen an Schulen müssen schließlich auch mal sein!

„Ja”, sagt mein Nachbar, „ich frage mal den Bürgermeister, was genau da vom Stapel laufen soll. Auf den habe ich schließlich gestimmt, als er aufgestellt hatte. Und wenn man für jemanden, der frisch hierher geflyttet ist, quasi den roten Läufer ausrollt, wäre es schon schau, wenn er sich auch um die Leute aus seinem Nahbereich kümmert.”

Na ja, er musste dann weiter, fragte mich noch, ob ich was soll am Wochenende. Er müsse ja die Kinder seines Bruders passen – und dann dröhnte er los. Er hatte Glück, denn er hatte Mitwind auf dem Rad. Wäre er mit dem Auto gefahren, hätte er sicher wieder vergessen, seine Sele anzulegen. Irgendwann wird er damit mal geschnappt. Und wenn ihn ein Auto rammt, muss er ins Krankenhaus eingelegt werden. Wenn’s glimpflich abläuft, landet er im Fahrstuhl. Wenn nicht – erliegt er womöglich seinen Quetschungen! Und ich sitze dann mit Tränen in den Augen …

So – nun ist aber genug spekuliert. Wie viel ist eigentlich die Uhr? Bevor meine Kleineschwester kommt, will ich noch den Fryser abtauen und ein bisschen Zeitung lesen. Papierzeitung – solange sie noch geprintet wird. Ach, sieh mal an: In der Innenstadt gab’s eine Schlägerei. Dabei hat einer den anderen gequält, und die Polizei musste die Leute pazifizieren. Im Museum haben irgendwelche Leute vandaliert und außerdem etliche Effekte gestohlen, und im Wald hat der Förster einen Kriechschießer entdeckt. Auf der Autobahn wurde in der Nacht ein verunfalltes Fahrzeug entdeckt – der Führer blieb jedoch spurlos verschwunden. Oh Mann, was für Nachrichten!

Da freue ich mich lieber auf meinen Besuch – denn wir wollen nach dem Kaffeetrinken auch noch einen Abstecher in die Glaspusterei machen. Also, liebe Leser, wie ihr seht, habe ich viel um die Ohren. Das mit den Danismen kommt heute nicht mehr zum Klappen. Könnt ihr es trotzdem so lange gut haben?! Moin, moin und – gute Arbeitslust!

Marlies Wiedenhaupt ist Korrekturleserin beim Nordschleswiger. Hier hat sie in den Artikeln der Kollegen so manch einen der oben erwähnten Danismen korrigieren müssen.

Der Artikel erschien erstmalig in der W!R Nr. 16 / 2. November 2018, die Beilage des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN) im Nordschleswiger.

Mehr lesen

Leserbrief

Ingeborg Wohlmuth, Bremen
„Brückenbau zwischen den Generationen“