20 Jahre junge SPitzen

Der Beginn einer Bewegung

Sarah Heil Journalistin
Apenrade
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Anlässlich des Zehnten Geburtstage der jungen SPitzen entstand dieses Foto von Ruth Candussi, Jesper Jessen und Stephan Kleinschmidt. Foto: Karin Riggelsen

Die Jungen SPitzen feiern in diesem Jahr ihr 20-jähriges Bestehen. Ihre Geschichte zeigt, dass kleine Ideen große Wirkung haben können.

Am Anfang großer Bewegungen steht häufig eine kleine Idee, geboren aus dem Gefühl heraus, dass die Realität besser sein müsste, als sie es gerade ist. Dieses Muster lässt sich auch bei der Gründung und dem Aufstreben der Jungen SPitzen beobachten. Der Jugendverband, der sich traditionell eher mit Sport- und Freizeitangeboten beschäftigt, konnte oder wollte den damaligen Wunsch nach größerem jugendpolitischem Engagement nicht erfüllen. So ergriff eine Gruppe junger Nordschleswiger um Stephan Kleinschmidt, Ruth Candussi und Jesper Jessen die Initiative. Als politische Jugendorganisation und Weiterführung des früheren politischen Jugendforums, wurden im Mai 1998 die Jungen SPitzen gegründet. Der Name entstand im Rahmen eines Workshops auf dem Knivsberg. Der damalige Jugendhofleiter Hans Wilhelm Andresen half bei der Namensfindung aktiv mit.

Doch aller Anfang ist schwer. Das mussten auch die politische Jugend der deutschen Minderheit schnell feststellen. Der Vorsitzende berief keine Sitzungen ein und Vorstandsmitglieder verließen ihre Posten aus beruflichen Gründen. Alles in allem lief es am Anfang nicht rund.

Grenzen überschreiten

Doch das Trio, bestehend aus Stephan Kleinschmidt, Ruth Candussi und Jesper Jessen, wurde nicht müde für seine Idee einer politischen Jugendorganisation zu kämpfen.

Erleichtert wurde das Vorhaben durch die Tatsache, dass sie gemeinsam in Aarhus studierten und sich somit auf den Zugfahrten von und nach Nordschleswig austauschen und beratschlagen konnten. Auf der Generalversammlung im Jahr 1999 wurde Ruth Candussi zur Vorsitzenden gewählt, Jessen wurde 2. Vorsitzender des Innern und Kleinschmidt 2. Vorsitzender des Äußeren.

Ruth Candussi erinnert sich, dass sie Nordschleswig und die Minderheit erst zum Studieren verlassen musste, um zu erkennen, wie viel ihr an der Region und deren Menschen liegt, und dass sie sich politisch für sie engagieren will. Selbst während des Studiums nahm sie an der Sankelmarktagung und den Feierlichkeiten rund um den Deutschen Tag teil.

Auch wenn von Beginn an der Vorwurf im Raum stand die Mitglieder würden sich hauptsächlich zum „Saufen“ treffen, was auch das ehemalige Motto „Party and Politics“ unterstreicht, so ist dies nur die halbe Wahrheit. Natürlich wurde viel gefeiert, wie Candussi berichtet, aber genau so viel wurde gearbeitet. „Wir waren in unserer Arbeit sehr politisch, haben Kontakt aufgenommen zu Vertretern anderer politischer Jugendorganisationen nördlich und südlich der Grenze, haben Leserbriefe geschrieben, politische Veranstaltungen gemacht und vieles mehr.“

Politische Arbeit

Neben Treffen und Diskussionen mit Vertretern anderer deutscher und dänischer politischen Jugendorganisationen im einstigen Schelde-Landheim, organisierten die Jungen SPitzen eine Podiumsdiskussion mit der einstigen Venstre-Abgeordneten im EU Parlament, Anne E. Jensen, und hielten sich auch mit Kritik gegen die eigenen Verbände nicht zurück.

Die klare Haltung der Jungen SPitzen war, dass ihnen Nordschleswig und die deutsche Minderheit am Herzen liegt, was sie bis heute immer wieder betonen. Zu Gründungszeiten im Jahr 1998 war diese Haltung jedoch nicht selbstverständlich, wie Candussi erzählt. Doch: „Wir kommunizierten ganz klar, dass wir uns als Teil der deutschen Minderheit sehen und stolz darauf sind.“

Steh dazu!

Aus diesem Gefühl heraus entstand schließlich die Kampagne „Steh dazu!“. Dieser knappe Spruch, erstmals notiert auf einem zusammengeknüllten Stück Papier und diskutiert auf einer Zugfahrt nach Aarhus, wurde schließlich zu einer ganzen Bewegung unter der Jugend der deutschen Nordschleswiger, die bis heute anhält. Auch wenn aller Anfang schwer ist, kann eine kleine Idee viel Kraft zum Weitermachen verleihen und nachhaltigen Einfluss ausüben.

Auch in 100 Jahren

Die Jungen SPitzen haben gezeigt, dass man mit Erfolg zwischen zwei Stühlen sitzen kann, erzählt Stephan Kleinschmidt.

In seinen Augen braucht die Minderheit Organisationen, die neue Impulse geben, wie es die Jungen SPitzen 20 Jahre lang getan haben. Nur durch das besondere Engagement wird die Minderheit auch in 100 Jahren noch bestehen.

„Die Jungen SPitzen agieren mit der Absicht das Zusammengehörigkeitsgefühl zu stärken. Sie haben dazu beigetragen, dass die Minderheit heute da steht, wo sie steht. Und das braucht man auch in 100 Jahren noch“, so Kleinschmidt. „Das kann sie aber nur, wenn die Älteren den Jungen Platz einräumen, um ihren positiven Einfluss geltend zu machen.

Die Richtung stimmt

Der derzeitige Vorsitzende, Tobias Klindt, sieht in der Entwicklung der letzten 20 Jahre keine Veränderungen zum Negativen und erkennt keine großen Unterschiede im Vergleich zu früher. In seinen Augen sind die Jungen SPitzen nach wie vor auf einem guten Weg.

In seiner Zukunftsvision stehen die Jungen SPitzen auch in 20 Jahren noch dort, wo sie heute stehen. Einzig im Zusammenhang mit der Minderheitenfrage, müsse die Jugend in Zukunft mehr Verantwortung übernehmen um als gutes Vorbild voranzugehen und Distanzen abzubauen. Klindt ist der Meinung, dass es daher in Zukunft noch wichtiger wird die Kommunen und die Region in die eigene Arbeit miteinzubeziehen. „Ansonsten, sollten wir einfach weiterhin gute Events für Jugendliche auf die Beine stellen, um damit ein Versammlungsort für Jugendliche aus der ganzen Minderheit zu bleiben“, so Klindt.

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