Was macht das Zuhause gemütlich?

„Ich bin ein ausgeprägter Familienmensch“

„Ich bin ein ausgeprägter Familienmensch“

„Ich bin ein ausgeprägter Familienmensch“

Hörup/Hørup
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Spielzeug ist im Wohnzimmer der Familie nicht nur erlaubt, sondern ausdrücklich erwünscht. Foto: Karin Riggelsen

Das eigene Zuhause kann Kraftquelle, Rückzugsort, Ruhepol, Nest, Energiespender, Inspirationsort und vieles mehr sein. Doch was benötigt es unbedingt, damit es auch ein gemütlicher, unverwechselbarer Platz ist? Sabine Frerichs braucht eine Atmosphäre, die ausstrahlt: Hier wird gelebt.

Vor dem Sofa lädt ein Crosstrainer dazu ein, sich auf ihm auszupowern. Auf dem Boden daneben eine Carrera-Bahn mit Doppellouping und eine Lego-Kiste. Die Kinder, die hier wohnen, haben wohl auch die Playmobil-Tankstelle neben der Stehlampe im Wohnzimmer aufgebaut – nicht weit entfernt vom Esstisch. In diesem Raum wird gegessen und gespielt, gemütlich gesessen und trainiert. Kurzum: Hier wird gelebt.

„Ich bin ein ausgeprägter Familienmensch“, erzählt Sabine Frerichs, „und deshalb muss mein Zuhause den Rahmen fürs Familienleben bilden. Ich liebe es auch, zu Hause Feste zu feiern. Zum Beispiel als mein Mann Lars 50 wurde oder die Kinder getauft wurden, haben wir das nicht in einer Gaststätte gefeiert, sondern hier.“

Keine Ausstellungsfläche

Die 48-Jährige zeigt auf den großen offenen Wohnraum mit den vielen Sitzgelegenheiten und den Esstisch, der sich für viele Personen vergrößern lässt. Im angrenzenden Küchenbereich steht ein weiterer großer Tisch mit vielen Stühlen.

„Der Wohnraum darf keiner Ausstellungsfläche ähneln, sondern man muss hier leben und spielen dürfen“, sagt die Familienberaterin, die für den Raum Sonderburg die Nachfolge von Bodil Matzewska übernommen hat. „Und wenn ich die Kinder höre, wenn gelacht und gespielt wird, – dann macht mich das glücklich. Dieses Haus haben wir auch selbst gebaut – mir war wichtig, Platz zu schaffen, damit ich andere einladen kann“, versichert sie strahlend.

Sport, Spiel und Entspannung bilden hier eine Einheit. Foto: Karin Riggelsen

Zahlreiche Sitzgelegenheiten gibt es bei Familie Frerichs auch draußen. „Wir machen oft Grillabende, und dann laden wir alle ein: meine Schwester mit Mann und drei Kindern, meine Mutter, Schwiegermutter, meinen Schwager mit Kind und eventuell noch Anhang – da sind wir schnell mal 16 oder 17 Leute, und dann fühle ich mich geborgen“, versichert Sabine Frerichs, die in Rinkenis geboren und aufgewachsen ist. Vor ihrem Abitur am Deutschen Gymnasium für Nordschleswig in Apenrade lagen die Stationen Deutscher Kindergarten Rinkenis, Förde-Schule Gravenstein und Deutsche Schule Sonderburg. In Kopenhagen machte sie die Ausbildung zur Krankenschwester und arbeitete anschließend in Viborg im Krankenhaus. Dann kam sie „wieder nach Hause“, wie sie sagt, also zurück nach Nordschleswig, und hat in Feldstedt als Angestellte der Kommune das Pflegeheim Baurup und die Heimpflege geleitet. Nach der Kommunezusammenlegung 2007 wurde sie in Apenrade Leiterin der Krankenschwestern für die Häusliche Heimpflege.

Offen für die Nachbarn

Wohlfühlen in den eigenen vier Wänden – das bedeutet für Sabine Frerichs auch, dass ihr Haus offen ist für Nachbarn und Nachbarskinder. Auch ihre Kinder Carla (7) und Victor (5) spielen manchmal auf der Straße oder sind bei den Nachbarn – „so wie ich es aus meiner Kindheit kenne. Manchmal weiß ich gar nicht, wo sie sind. Ich finde es auch wichtig, dass die Kinder sich nicht immer zum Spielen verabreden, sondern dass sie einfach rübergehen. So lernen sie, auch mal ein Nein einzustecken, wenn die anderen keine Zeit haben oder es einfach nicht passt.“

Von ihrer Arbeit als Familienberaterin erholt sich Sabine Frerichs auch, wenn sie eine Runde mit Mops Max dreht. Die Kinder begleiten sie dabei oft auf dem Fahrrad. „Aber im Job gibt es ja auch Situationen, die einen über die Arbeitszeit hinaus beschäftigen. Ein Teil Ablenkung kommt durch die Kinder; die fordern mich ja zu 100 Prozent, da kann ich dann gedanklich schon abschalten. Aber manchmal muss ich einfach allein mit dem Hund eine Runde drehen, um wieder aufzutanken.“
Oder ein Fest feiern.

Die Freude an geselligem Beisammensein hat sich offenbar auch auf ihre Tochter übertragen. „Als Carla ihre erste Zahnlücke bekam, fragte sie mich, ob die an ihrem Geburtstag im Mai noch zu sehen sein würde. Ich antwortete, das sei eher nicht der Fall. Daraufhin fragte sie: Können wir dann jetzt am Freitag ein kleines Fest machen?“, erzählt Sabine Frerichs. Und so wurde die Zahnlücke gefeiert.

Das Gespräch mit Sabine Frerichs haben wir vor der aktuellen Situation mit den geltenden Abstandsregeln geführt. Selbstverständlich hält auch sie sich jetzt daran. Aber nach dem Ausnahmezustand – da kann das gewohnte und geliebte Beisammensein dann wieder so stattfinden, wie sie es hier schildert.

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