Neuer Bildband

„Doppelte Geschichte“ in Historienmalerei

„Doppelte Geschichte“ in Historienmalerei

„Doppelte Geschichte“ in Historienmalerei

Sonderburg/Sønderborg
Zuletzt aktualisiert um:
Der Vorsitzende von Historisk Samfund for Als og Sundeved, Frede Tychsen (l.), und die anwesenden Autoren (v. l.) Maria Kræmer Hansen, Carsten Porskrog Rasmussen, René Rasmussen und Axel Johnsen postierten sich vor dem Monumentalgemälde „Huldigung Frederik IV. durch die Stände auf Schloss Gottorf 1721“, das der Maler Lorenz Frølich in den Jahren 1854-1857 für das neue gemeinsame Gebäude der Ständeversammlung und des Appellationsgerichtes am Flensburger Holm gemalt hatte. Foto: Volker Heesch

Neuer Bildband „Historien på væggen“ stellt umfangreichen Gemäldebestand im Museum Schloss Sonderburg vor. Viel historische „Propaganda“ wird erläutert.

„Das Museum im Sonderburger Schloss ist eines der Museen, das bei der Vermittlung immer sehr viel auf Historienmalereien gesetzt hat. Dabei sind diese Werke bisher nie selbst Gegenstand einer Präsentation und näheren Betrachtung gewesen“, berichtete der Leiter des Museums, Carsten Porskrog Rasmussen, bei der Vorstellung des neuen Bildbands „Historien på væggen“ im Schloss im Beisein einer Reihe der an dem Werk beteiligten Autorinnen und Autoren.

„In den Bildern steckt immer eine doppelte Geschichte“, so Porskrog Rasmussen, und er verwies auf die Tatsache, dass neben den dargestellten historischen Ereignissen in den Texten zu den 43 im Buch berücksichtigten Gemälden der Anlass für die Entstehung der Bilder angesprochen wird, von denen die allermeisten, rund 90 Prozent, aus den Jahren 1820 bis 1940 stammen. „Das Thema Historienmalereien in Sonderburg hat uns länger beschäftigt. Unsere kürzlich verstorbene Kollegin Inge Adriansen war eine der Initiatoren des Vorhabens“, berichtete Porskrog Rasmussen und fügte hinzu, dass die im Buch von Inge Adriansen verfassten Texte wie der Beitrag über das Gemälde „Gendarmen og sangene“ von Hans Nikolaj Hansen mit einem preußischen Grenzgendarmen an der Königsau als Motiv die Rolle vieler der beschriebenen dänischen Malereien als künstlerische „Propagandamittel“ im deutsch-dänischen Ringen um die Vorherrschaft in Schleswig erläutern. „Die Beiträge Inge Adriansens sind die letzten Arbeiten unserer verehrten Kollegin“, fügte der Musumschef hinzu.

Interessante Texte zu den Gemälden

Die Texte zu den Gemälden, die wie das sehr große Gemälde von der Huldigung Frederik IV. im Jahre 1721 nach dem Ersten Schleswigschen Krieg 1848-1850 das historische königliche Recht Dänemarks auf Schleswig untermauern sollten, geben viele interessante historische Infomationen zu den Themen. Im Jahre 1721 drängte Frederik IV. die seit 1657 mit den Schweden verbündeten Gottorfer, die ihren eigenen souveränen Staat etabliert hatten, aus Schleswig. Der Nordische Krieg endete für Gottorf ebenso verhängnisvoll wie für die besiegte Großmacht Schweden.

Porskrog Rasmussen unterstrich, dass die Texte sich auf die historische Bedeutung der Historienbilder und deren Entstehung konzentrieren, die im 19. Jahrhundert in großer Zahl in einer Phase der „Demokratisierung öffentlicher Bauten“ entstanden, während zuvor die Herrscher und der Adel solche Werke bestellten.

Interessant sind Details wie beim Huldigungsgemälde Frølichs, das 1864 von den siegreichen Preußen aus Flensburg entfernt, aber nicht zerstört wurde. Es landete in der Schleswig-Holsteinischen Landesbibliothek in Kiel, die es Museum Sønderjylland als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt hat. Porskrog Rasmussen konnte über das „Schwesterbild“ zur Huldigung Frederik IV., „Verkündung des Jyske Lov durch König Waldemar den Sieger“, berichten, dass dieses in Flensburg im Gericht verblieb, von den Preußen akzeptiert bis heute das Justizgebäude in Flensburg „schmückt“.

Viele Werke nationalromatischer Verklärung

Zu den Historienmalereien zählen viele Werke nationalromantischer Verklärung von Ereignissen wie dem Ritt Christian X. über die Königsau 1920 oder der Besetzung Dänemarks am 9. April 1940 sowie Szenen von 1864. Auch Werke mit Bildnissen des lange in Sonderburg im Schloss gefangenen Königs Christian II. werden erläutert. Zu finden ist ein Bildnis, das Christian II. zusammen mit dem Reformator Marin Luther zeigt.

Neben Inge Adriansen haben Carsten Porskrog Rasmussen, Axel Johnsen, Nikolaj Kirk Flyman, Maria Kræmer Hansen und René Rasmussen die jeweils drei Seiten umfassenden Texte zu den überwiegend ganzseitig in hoher Qualität im Buch wiedergegebenen Gemälde verfasst. Fotograf Søren Pedersen sorgte für die Fotos der Originale. Maria Kræmer Hansen war auch Leiterin des Projektes.

Frede Tychsen, Vorsitzender des Vereins Historisk Samfund for Als og Sundeved, der Mitherausgeber des Buches ist, berichtete, dass alle Mitglieder in den nächsten Tagen ein Exemplar zugeschickt bekommen. Es kann in den örtlichen Museen des Verbundes Museum Sønderjylland, aber auch im Buchhandel für 199 Kronen erworben werden.

Mehr lesen