EUROPEADA

Minderheiten-EM im Grenzland: Die Entscheidung naht

Cornelius von Tiedemann
Cornelius von Tiedemann Stellv. Chefredakteur
Cluj/Klausenburg
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Team Nordschleswig
Das Team Nordschleswig – Æ Mannschaft – hofft auf die Heim-EM. Foto: Team Nordschleswig

Am Sonnabend fällt die Entscheidung, wer die Europeada 2020 austragen darf. Die deutsche Minderheit in Dänemark will das Fußballfest unbedingt ins Grenzland holen – und hat ein Ass im Ärmel, meint Lasse Tästensen vom Bewerbungsteam.

Am Sonnabend fällt die Entscheidung, wer die Europeada 2020 austragen darf. Die deutsche Minderheit in Dänemark will das Fußballfest unbedingt ins Grenzland holen – und hat ein Ass im Ärmel, meint Lasse Tästensen vom Bewerbungsteam.

Wer hätte das gedacht: Von Billund gibt es einen Direktflug nach Transsilvanien – in die Siebenbürgen-Metropole Klausenburg. Am Mittwoch hat sich Lasse Tästensen in den Flieger aus dem Legoland ins Reich der Vampire gesetzt. Der Vereinskonsulent des Deutschen Jugendverbandes für Nordschleswig (DJN) will die Minderheiten-Fußball-EM als Teil des Bewerbungs-Teams ins Grenzland holen und die Delegierten der Föderativen Union Europäischer Volksgruppen (FUEN) auf deren Jahreskongress 2017 in Klausenburg überzeugen. Am Sonnabend entscheidet sich dort, ob Nord- und Südschleswig mit ihren vier Minderheiten im Jahr 2020 die Fußball-EM der Minderheiten austragen dürfen.

„Ich sehe unsere Chancen nicht schlecht“, sagt Tästensen auf der Busfahrt vom Flughafen Cluj-Napoka zu einem Tagungshotel im Zentrum der umhügelten Großstadt. „Wir können mit unserem grenzüberschreitenden Charakter punkten, sind vier Minderheiten, die das Projekt gemeinsam stützen, wodurch es einen ausgeprägten europäischen Gedanken hat“.

Lasse Tästensen
Lasse Tästensen (rechts) wünscht sich die Europeada 2020 im Grenzland. Foto: Cornelius von Tiedemann

Gemeinsame Sache vierer Minderheiten

Gemeinsam mit den Nordschleswigern ziehen die Friesen, die Sinti und Roma und die Dänen in Südschleswig an einem Strang – am anderen Ende ziehen die Slowenen in Kärnten. „Die haben auch eine tolle Bewerbung geschrieben und haben auch gute Inhalte“, sagt Tästensen. Aber der europäische Gedanke, den hätten die Schleswiger Minderheiten exklusiv. „Dieses Mal hat das FUEN-Präsidium entschieden, sicherlich auch weil auch einige der Präsidiumsmitglieder im Verfahren engagiert waren, dass die Delegierten auf dem Kongress entscheiden sollen. Es wird also eine Abstimmung geben“, sagt Tästensen.

Die Delegierten, sagt er, hätten sich sicherlich schon von den veröffentlichten Bewerbungen einen Eindruck gemacht, aber „es gibt ja auch einige Dinge, die in einer schriftlichen Bewerbung nicht visualisiert werden können, und dieses visuelle Element werden wir in unserer Präsentation mit einbringen und mit allen sprechen, die Interesse an unserer Bewerbung haben“.

2020 soll in mehrfacher Hinsicht historisch werden

Für Nordschleswig, meint Tästensen, wäre die Europeada ein riesiges Projekt und ein großes Symbol – gerade im Gedenkjahr 2020, in dem die deutsche und die dänische Minderheit im Grenzland ihr jeweils 100-jähriges Bestehen begehen. „Natürlich bedeutet es einen finanziellen Aufwand, aber ich denke, ein Projekt in dieser Größenordnung ist auch interessant für die jeweiligen Gebietskörperschaften, für die Kommunen und für das Land und Stiftungen – da gibt es sicherlich genügend Möglichkeiten, ein solches Projekt zu realisieren“, so der Vereinskonsulent, der in Siebenbürgen mit den Mitstreitern der anderen drei Grenzland-Minderheiten im Team auftreten wird, um die Delegierten zu überzeugen.

Ein weiterer Trumpf der Grenzland-Bewerbung: Sie soll nicht nur grenzüberschreitend in Dänemark und Deutschland ausgetragen werden, sondern neben den Fußball-Begegnungen auch auf kulturellen Austausch setzen.

24 Herren und acht Damenmannschaften sollen vom 27. Juni bis zum 4. Juli 2020 um den Titel kicken.

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