Politik

Wie das fünfte Rad am Wagen

Ute Levisen
Ute Levisen Lokalredakteurin
Hadersleben/Haderslev
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Anlässlich des 50. Geburtstages von Carsten Leth Schmidt findet am Montag, 3. Dezember, von 16 bis 18 Uhr ein Empfang im Haus Nordschleswig statt. Foto: Ute Levisen

Carsten Leth Schmidt zieht anlässlich seines 50. Geburtstages eine Bilanz über seine ersten elf Monate als SP-Repräsentant im Kommunalparlament. Eines hat er gelernt: Wer politisch mitmischen will, muss schnelle Beine haben.

Carsten Leth Schmidt hat viele Bälle in der Luft: als Vorsitzender der Schleswigschen Partei (SP) im Allgemeinen und als Stadtrats- und Kulturpolitiker im Kommunalparlament der Domstadtkommune im Besonderen. Und eine Familie hat der dreifache Vater und Öko-Landwirt aus Süderballig auch noch:„Da freut man sich, dass die Familie noch nicht ausgezogen ist, wenn man abends nach vielen Sitzungen endlich mal nach Hause kommt“, sagt er, verschmitzt und jungenhaft lächelnd. Dabei wird der Politiker – auch schon – 50! Ein Alter, das man ihm gewiss nicht ansieht – und auch kein Alter, wenn man ihn selbst fragt. Dennoch hat es ihm ein Mitgliedsangebot von „ÆldreSagen“ eingebracht: „Da kommt man dann schon ins Grübeln“, sagt er.

Von einer Midlife-Crisis indes ist Leth weit entfernt: Dafür hat er schlicht keine Zeit. Seit elf Monaten gehört er dem Stadtrat an, wo er keinen guten Start gehabt habe: „Wenn ich allein an die Konstituierungsvereinbarung denke, komme ich mir jetzt noch vor wie ein Überbleibsel, das fünfte Rad am Wagen, sozusagen!“

Leth Schmidt war quasi über Nacht auch politisch eine Minderheit in der Minderheit. Gemeinsam mit den Volkssozialisten und Einheitsliste macht er das Kleeblatt aus, das gern und oft Viererbande genannt wird. Mit dieser ungewollten Außenseiterposition habe er lange gerungen und gehadert: „Und es ist noch nicht ausgestanden“, wie Leth sagt.

Vor Kurzem erst habe er der bürgerlichen Mehrheitsgruppe sein „Forderungspapier“ überstellt, das nun bei Bürgermeister H. P. Geil (Venstre) auf dem Tisch liege: Mehrheitsbeschlüsse künftig als SP mittragen zu müssen – das dürfe ruhig etwas „kosten“, wie der Politiker findet. Nun, man wolle dann ja auch auf ihn zukommen, so die unverbindliche Antwort: „Na, schauen wir mal – der Ball liegt nun jedenfalls im bürgerlichen Lager.“

Carsten Leth Schmidt ist Pflanzenproduzent und Öko-Landwirt mit Leib und Seele. Den Familienhof in Süderballig bewirtschaftet er in 13. Generation. Foto: Ute Levisen

Und – wie läuft’s sonst so?

Und – wie ist es sonst so gelaufen in den vergangenen elf Monaten? – „Eines habe ich ganz schnell gelernt“, verrät Leth Schmidt: „Möchte man politisch mitmischen, muss man schnelle Beine haben. Sonst wird man stracks von innen überholt. Ansonsten gestaltet sich die Stadtratsarbeit zuweilen schwierig – zumindest dann, wenn man nicht alles wortlos hinnimmt.“ So manch bittere Pille hat Leth dann auch als Kulturpolitiker schlucken müssen: die avisierten jährlichen Haushaltskürzungen für das Kulturhaus Bispen in den Jahren 2020/21, beispielsweise: „Für einen – zugegebenermaßen – naiven, doch weltoffenen Kulturpolitiker, der an lebenslanges Lernen glaubt, ist dies ein Schlag in die Magengrube.“

Dabei verfüge Hadersleben über bislang ungenutztes Potenzial, die Kommune müsse sich nur neu aufstellen! Eines von Leths Steckenpferden ist ein dänisch-deutsches Kulturzentrum in zentraler Lage – und zwar unter dem Dach des Bispen: „Meine große Hoffnung ist, dass man dort auch einen Platz für die deutsche Bücherei findet. Ich muss gestehen, dass ich von dem Sonderburger Medienhaus ungemein inspiriert bin.“

Auch die deutsch-dänische Geschichte gehöre dazu, wenn es darum geht, die Domstadtkommune wirksam zu vermarkten. So habe das Deutsche Museum in Sonderburg Interesse an einem Erwerb der Ausstellung über Kapitän Gustav Schröder bekundet, jenen Haderslebener, der seinerzeit viele Juden vor dem sicheren Tod bewahrte. Bis vor gar nicht allzu langer Zeit war dies ein unbekanntes Kapitel der Haderslebener Stadtgeschichte.

Carsten Leth Schmidt, hier zu sehen mit Ratskollegen im Stadtratssaal bei der Verleihung der Uno-Klimanadel an die 7. Klasse der Grammer Schule. Foto: Ute Levisen

„Hoffnungsvoller“ Optimismus

„Natürlich wäre es wunderbar, bekäme diese Ausstellung, die zurzeit in Hamburg zu sehen ist, ihren künftigen Platz in Hadersleben“, so Carsten Leth Schmidt. Ein zweites Kapitel gemeinsamer Geschichte ist der Haderslebener Kreis, der bereits frühzeitig u. a. mit Tabakfabrikant Matthias Hansen in einer Erklärung 1943 für Aus- und Versöhnung sowie Demokratie warb, basierend auf gegenseitigem Vertrauen und absoluter Loyalität zu Dänemark. Versöhnung, das ist auch Teil des Mottos des traditionellen Haderslebener Lichtfestes, „doch wie gut klappt das eigentlich mit diesem lobenswerten Ansatz, wenn schon zweisprachige Ortsschilder zu einem Riesenproblem werden“, sinniert der Stadtratspolitiker.

Eine weitere Vision, auf die Carsten Leth Schmidt mit, wie er sagt, „hoffnungsvollem“ Optimismus hinarbeitet, sei eine Wellness-Halle mit Hafenbeckenanbindung, mit welcher die Domstadt nicht zuletzt im Wassersport neue Akzente setzen könnte. Bis es so weit ist, kniet sich der Landwirt und Politiker weiter unverdrossen in die Arbeit – auf dem Familienhof wie im Stadtratsrund und hofft dabei, dass keine weiteren 50 Jahre vergehen werden, bis seine Visionen Wirklichkeit werden.

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