Sozialstätte

Vorsichtige Wiedereröffnung im Bürger-Café am Jungfernstieg

Vorsichtige Wiedereröffnung im Bürger-Café am Jungfernstieg

Vorsichtige Wiedereröffnung im Bürger-Café am Jungfernstieg

Karin Friedrichsen
Karin Friedrichsen Journalistin
Hadersleben/Haderslev
Zuletzt aktualisiert um:
Barry Knutzen (l.) und Leif Wolter im Café am Jungfernstieg Foto: Karin Riggelsen

Im Haus und auf dem Hof herrschte lebhafte Aktivität, als das Bürger-Café nach Pfingsten seinen Betrieb aufnahm. Nutzer tanken neuen Lebensmut nach der Corona-Zwangspause.

Die Haderslebener Kommune hat am Dienstag ihre Begegnungsstätte am Jungfernstieg eröffnet. Der Treffpunkt für sozioökonomisch benachteiligte Menschen ist in Zeiten von Corona geschlossen gewesen. Die schrittweise Wiederöffnung ist mit strengen Hygiene-Auflagen verbunden. Um das Infektionsrisiko zu reduzieren, ist auf dem Hinterhof ein Satellit unter freiem Himmel geschaffen worden.

Mit Mitteln in Höhe von 15.000 Kronen aus dem Krisentopf der Organisation „Hus forbi“ konnte Teamkoordinatorin Karen Thymann unter anderem ein Zelt kaufen. „Wir verfügen eine Zeit lang über zwei Hinterhöfe. Der Platz ist uns von den Hausbesitzern zur Verfügung gestellt worden. Ich habe ein Zelt gekauft, damit wir auch bei Regen den Platz nutzen können. Des Weiteren sind Bänke und Tische aufgestellt worden“, erzählt Thymann. Beim Einrichten der kleinen Oasen unter freiem Himmel hatten Nutzer der Begegnungsstätte geholfen.

Koordinatorin Karen Thymann im Gespräch mit Leif Nybro. Nybro freut sich darüber, dass die Begegnungsstätte nun auch einen kleinen Satelliten bekommen hat. Foto: Karin Riggelsen

Rücksicht und Handhygiene

Die Teamkoordinatorin markierte am Dienstagmorgen die Sitzplätze an den Tischen auf dem Hof. Die kommunale Mitarbeiterin geht kein Risiko ein: Der Sicherheitsabstand von einem Meter im Freien und zwei Metern in den Innenräumen muss eingehalten werden, erklärt Karen Thymann. Sie hat keine Angst, dass die Nutzer der Sozialstätte sich nicht an die Regeln halten: „Wir nehmen Rücksicht aufeinander und achten auf Handhygiene.“

Öffnungsplätze und Sitzplätze sind reduziert

In der Öffnungsphase dürfen sich lediglich 16 Gäste auf dem Innenhof und 10 Personen im Café aufhalten. In der ersten Woche der Wiederöffnung wird das Café von 9 bis 14.45 Uhr geöffnet sein. Am Wochenende können die Bürger von 12 bis 15.30 Uhr einkehren. Es ist möglich, eine warme Mahlzeit vor Ort einzunehmen oder sie mit nach Hause zu nehmen.

Richtlinien bei der Nutzung des Cafés Foto: Karin Riggelsen

Wiedersehen mit Freunden

Leif Nybro hatte die Wiederöffnung herbeigesehnt. Er findet es gut, dass sich eine gewisse Normalität anbahnt. „Mir hat das soziale Miteinander gefehlt“, erzählt Nybro. Er habe die vergangenen Wochen in seiner Wohnung verbracht, nur unterbrochen von den Spaziergängen mit Hündin Senta. „Die Straßen waren leer gefegt. Potenzielle Gesprächspartner gab es kaum“, erinnert sich Nybro.

Wolter koordiniert die Aktivitäten

Am Eröffnungstag hatten Karen Thymann, ihre Mitarbeiter und Helfer Hähnchen mit Soße und Beilagen auf dem Speiseplan. „Das hier ist ein guter Treffpunkt“, stellte Barry Knutzen fest, während er das Mittagessen kostete.

Leif Wolter arbeitet in Teilzeit. Er ist in der Küche tätig und koordiniert unter anderem die Aktivitäten. In der Corona-Auszeit kann die Begegnungsstätte nicht wie gewohnt Aktivitäten in der Schwimmhalle und Tanzunterricht anbieten. „Wir spielen Petanque und gehen in kleinen Gruppen spazieren“, erzählt Leif Wolter. Die meisten Aktivitätsangebote musste die Begegnungsstätte bei Anbeginn der Corona-Pandemie schließen.

„Viele Bürger haben eine große Leere verspürt. Deswegen kam uns die Idee zu den alternativen Maßnahmen“, erzählt Karen Thymann. Auch die Möglichkeit, Take-away zu kaufen, sei gut angekommen. „An manchen Tagen bildete sich um die Mittagszeit eine lange Schlange auf dem Bürgersteig. Die Leute haben auf Abstand geachtet, während sie auf die Auslieferung des Essens warteten“, erinnert sich Thymann.

Beratung am Fenster

Das Take-away bleibt vorläufig bestehen, erklärt Karen Thymann. Die Koordinatorin war während der vergangenen Wochen auch so oft wie möglich vor Ort. Nicht nur, um bei der Auslieferung des Essens zu helfen. Sie hatte ein offenes Ohr für Bürger, die das Gespräch suchten oder sich mit akuten Problemen herumschlugen. „Ich habe das Fenster in meinem Büro geöffnet. So konnten wir mit Abstand kommunizieren“, schmunzelt Karen Thymann.

Die Begegnungsstätte am Jungfernstieg Foto: Karin Riggelsen
Mehr lesen

Leitartikel

Walter Turnowsky
Walter Turnowsky Korrespondent in Kopenhagen
„Manchmal muss man Statuen einreißen“