Identitätsdiebstahl

Senior ohne Internet soll online Damenmode gekauft haben

Senior ohne Internet soll online Damenmode gekauft haben

Senior ohne Internet soll online Damenmode gekauft haben

Karin Friedrichsen
Karin Friedrichsen Journalistin
Woyens/Vojens
Zuletzt aktualisiert um:
Das Pflegeheim Bregnbjerglunden in Woyens Foto: Karin Friedrichsen

Damenmode und Kinderkleidung sind im Namen eines Pflegeheimbewohners bestellt worden. Die Tochter des 95-Jährigen fordert ihre Mitmenschen dazu auf, sich in Acht zu nehmen.

Der Woyenser Flemming Sørensen hat einen Mahnbrief bekommen. Der Onlinehandel „Ellos.dk“ fordert 4.216,35 Kronen ein. Für diesen Betrag soll der 95-jährige Bewohner des Pflegeheims „Brengbjerglunden“ Damenmode und Kinderkleidung gekauft haben. Das berichtet tvsyd.dk.

Seine Tochter Jeanne Sørensen befürchtet Identitätsdiebstahl, denn ihr Vater hat keinen Anschluss an die digitale Welt und kann somit die Bestellung nicht aufgegeben haben.

Senior hat weder Smartphone noch Computer

„Mein Vater hat kein Smartphone und keinen Computer. Er kann keine Onlinebestellung durchführen“, erklärt Jeanne Sørensen. Bei dem Onlinehandel ist es laut Jeanne Sørensen möglich, sich mit einer Personennummer (dänisch: CPR) einzuloggen, um eine Bestellung aufzugeben. Zur Vorgeschichte berichtet Jeanne Sørensen dem „Nordschleswiger“, dass sie den Mahnbrief in der Wohnung ihres Vaters fand. Die Firma hatte den Brief am 17. Mai geschrieben und den 29. Mai als Frist für die Fälligkeit der Rechnung angegeben.

Jeanne und Flemming Sørensen Foto: Privat

Bestellung im örtlichen Warenhaus abgeholt

Als sich Jeanne Sørensen mit dem Onlinehandel in Verbindung setzte, stellte sich heraus, dass die Bestellung im Woyenser Warenhaus „Kvickly“ angeliefert und abgeholt worden ist. Wer das an Flemming Sørensen adressierte Paket abholte, ist allerdings nicht bekannt. Jeanne Sørensen berichtet, dass es möglich ist, bei dem Onlinehandel Bestellungen aufzugeben mit Angabe von Namen, Adresse und Personennummer und später zu bezahlen. „Das ist ein fragiles System. Ich habe keine Ahnung, wer es missbrauchte und wie der oder die Täterin in den Besitz der Daten meines Vaters gekommen sind “, so Jeanne Sørensen.

Sørensen, die in Sonderburg wohnt, erzählt, dass ihr Vater so rüstig ist, dass er auf eigene Faust Spaziergänge im Nahbereich des Pflegeheims unternimmt. Und auch zu „Kvickly“ geht, um Tabak zu kaufen.

Sie sei nicht an die Öffentlichkeit getreten, um Mitarbeiter des Pflegeheims oder Geschäftsangestellte an den Pranger zu stellen: „Ich will Senioren und ihre Familien davor warnen, in die Falle zu tappen und Waren zu bezahlen, die sie nicht geordert haben“, sagt Sørensen.

Rechnung nicht beglichen

Jeanne Sørensen und ihre beiden Geschwister sind mit der Betreuung ihres Vaters und der Mutter, die auch im Pflegeheim wohnt, sehr zufrieden. Da ihr Vater, beziehungsweise seine Kinder, die Rechnung nicht bezahlte und somit keinen Verlust hat, habe die Polizei für Nordschleswig und Süddänemark keine Anzeige entgegengenommen, erklärte Sørensen.

Im Gespräch mit dem Onlinehandel verständigte man sich darauf, dass Flemming Sørensen und seine Kinder Einspruch erheben gegen die Rechnung. „Der Onlinehandel entscheidet, ob er den Fall anzeigen will“, so Jeanne Sørensen.

Kommune bedauert Situation

Louise Thule Christensen, Chefin der Abteilung Senioren und Rehabilitierung der Kommune Hadersleben, war am Freitag nicht erreichbar für einen Kommentar. Gegenüber tvsyd.dk sagte Thule Christensen unter anderem, dass die Kommune die Situation bedauere, aber die Pflegeheimbewohner ihre Finanzen in Eigenregie verwalten.

Kreditwarnung aktivieren

Um weiteren Unannehmlichkeiten vorzubeugen, werden Janne Sørensen und ihre Geschwister ihren Vater bei der elektronischen Behördenpost (dänisch borger.dk) anmelden, um eine sogenannte Kreditwarnung zu aktivieren. Falls erneut versucht werden sollte, mit der Identität von Flemming Sørensen einen Kredit aufzunehmen, wird die Familie gewarnt.

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Leitartikel

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
„Messerschmidt-Manöver“