Kutschsport

Olympia-Feeling bei den Meisterschaften im Fahren

Olympia-Feeling bei den Meisterschaften im Fahren

Olympia-Feeling bei den Meisterschaften im Fahren

Annika Zepke
Annika Zepke Journalistin
Sommerstedt/Sommersted
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Vom 21. bis zum 25. Juli werden auf dem Traditionsreiterhof Vojumgård bei Sommerstedt die Dänischen und Nordischen Meisterschaften im Fahren ausgetragen. Foto: Annika Zepke

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Auf dem Gelände der Reitschule Revsø bei Sommerstedt herrscht derzeit Hochbetrieb. Dort finden vom 21. bis zum 25. Juli die Dänischen und Nordischen Meisterschaften im Fahren statt.

Pferdetransporter, Camping-Anhänger und Kutschen, so weit das Auge reicht – dieses Bild offenbart sich derzeit den Besuchern des Traditionsreiterhofs Vojumgård bei Sommerstedt.

Großer Andrang

Dort wurden mit einem olympiaähnlichen Fahneneinzug am Mittwochabend die Dänischen und Nordischen Meisterschaften im Fahren feierlich eröffnet. Doch schon vor dem offiziellen Wettkampfbeginn gingen die ersten Kutscherinnen und Kutscher mit ihren Gespannen an den Start.

Gespannfahrerinnen und Gespannfahrer aus Dänemark, Norwegen, Finnland und Schweden treten bei den Nordischen Meisterschaften gegeneinander an. Foto: Annika Zepke

„Wir haben in diesem Jahr so viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer, dass wir mit den Dressurprüfungen schon vor dem offiziellen Turnierbeginn anfangen mussten“, erklärt Jørgen Konge, der als „Stadionsprecher“ durch das mehrtägige Fahrsportevent leitet.

Historischer Ursprung

Konge ist seit mehr als 45 Jahren im Fahrsport aktiv, selbst ausgebildeter Wettkampfrichter und kennt sich als Kommentator und Blogger zahlreicher Pferdeevents in der dänischen Fahrsportszene bestens aus.

Jørgen Konge zusammen mit dem Vorsitzenden der schleswigschen Fahrgemeinschaft „Slesvigske Køre Selskab“, Jens Boddum (r.) Foto: Annika Zepke

„Die Idee hinter dem Fahrsport als Wettkampfsport war ursprünglich, die traditionellen und historischen Kutschen zu erhalten“, so der 68-Jährige. Das habe sich für den Wettkampfsport jedoch nicht rentiert, weshalb inzwischen überwiegend auf moderne Kutschen und Wagen zurückgegriffen werde.

Lange Anreise

Von diesen lassen sich auf Vojumsgård derzeit etliche finden. Über 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind mit ihren Pferden nach Sommerstedt gereist, um an den Dänischen und Nordischen Meisterschaften teilzunehmen.

Lotte Holm Petersen lag nach dem Dressurfahren in der mittelschweren Wettkampfklasse der Einspänner auf Platz 7. Foto: Annika Zepke

So auch Lotte Holm Petersen und Rikke Kofoed. Die beiden sind erst seit vier Jahren im Kutschsport aktiv und haben mit ihrem Pferd die lange Anfahrt von Bornholm auf sich genommen, um erstmals an den Dänischen Meisterschaften teilzunehmen. Zwei Tage haben sie für die Anreise gebraucht, verrät Petersen.

Dressur-, Hindernis- und Geländefahren

Nach dem Dressurfahren liegt die Bornholmerin in der mittelschweren Wettkampfklasse der Einspänner auf einem soliden siebten Platz. Am Sonnabend und Sonntag wird sie sich noch in den beiden anderen Teildisziplinen, dem Hindernis- und Geländefahren, auch Marathon genannt, behaupten müssen. „Darauf freuen wir uns schon“, sagt Petersen, „Marathon ist eindeutig unser Steckenpferd.“

Die Reithalle wurde von Anne-Mette Jespersens Tante festlich geschmückt. Da die Dänischen Meisterschaften im Fahren eigentlich im großen Jubiläumsjahr 2020 hätten stattfinden sollen, zieren anlässlich der Grenzziehung von 1920 neben der dänischen Flagge auch 100 Lichter den Festsaal. Foto: Annika Zepke

Vergleichsweise routiniert im Fahrsportgeschäft sind die Mitglieder der Familie Høper von der schleswigschen Fahrgemeinschaft „Slesvigske Køreselskab“. Familienvater Henrik Høper hat 1998 die Liebe zum Kutschensport für sich entdeckt und auch seine Söhne William und Max für die Sportart begeistern können.

Ein außergewöhnliches Hobby

In diesem Jahr gehen sie erstmals alle bei den Dänischen Meisterschaften an den Start. Der 17-jährige William Høper ist für seine Altersklasse, Young Drivers, sogar als Vertreter des dänischen Teams bei den Nordischen Meisterschaften ausgewählt worden. Das heißt, er wird sich gegen die gleichaltrige Konkurrenz aus Finnland, Norwegen und Schweden behaupten müssen.

Henrik Høper hat auch seine Söhne Max, 14, und William, 17, für den Kutschsport begeistern können. William (r.) vertritt in seiner Altersklasse sogar das dänische Team bei den Nordischen Meisterschaften. Foto: Annika Zepke

Der Turnierauftakt ist ihm mit einem ersten Platz im Dressurfahren bereits geglückt, auch wenn für ihn eigentlich der Spaß im Vordergrund steht, wie er im Gespräch mit dem „Nordschleswiger“ erzählt: „Mir macht es einfach Spaß, Kutsche zu fahren.“ Deshalb störe es ihn auch nicht, dass andere seine Leidenschaft für den Fahrsport nur selten nachvollziehen können.

Premiere auf Vojumgård

Auf dem Reiterhof Vojumgård finden sich jedoch nicht nur zu den Dänischen und Nordischen Meisterschaften Gleichgesinnte. Familie Jespersen Dau, die den Hof und die dazugehörige Reitschule „Revsø og Omegns Rideklub“ betreibt, begeistert sich seit vielen Jahren für den Kutschsport.

Gespannfahrerin Katja Lamborg stammt ebenfalls aus einer leidenschaftlichen Fahrsportfamilie. Aus der Pferdezucht ihrer Eltern stammt das Pony, das Prinz Christian vom Folketing und der dänischen Regierung zur Taufe geschenkt wurde. Foto: Annika Zepke

Es ist daher nicht das erste Mal, dass die Dänischen Meisterschaften im Fahrsport auf dem Hof der Familie ausgetragen werden. Eine Premiere gibt es in diesem Jahr aufgrund (un)glücklicher Fügungen aber dennoch, verrät Anne-Mette Jespersen: „Es ist das erste Mal, dass die Nordischen Meisterschaften bei uns stattfinden.“

Unterstützung von allen Seiten

Eigentlich hätten die Dänischen Meisterschaften bereits 2020 auf Vojumgård ausgetragen werden sollen, doch die Corona-Pandemie machte diesem Vorhaben einen Strich durch die Rechnung. In diesem Jahr seien die Dänischen Meisterschaften daher mit den Nordischen Meisterschaften zusammengelegt worden, erklärt Anne-Mette Jespersen: „Dänemark war nämlich als Ausrichter an der Reihe.“

Campingplatz statt Reiterhof: Die meisten Teilnehmenden übernachten in ihren Wohnwagen neben dem Turniergelände. Foto: Annika Zepke

Für sie und ihre Familie bedeutet das jede Menge zusätzliche Arbeit: „Aber wir haben unheimlich viele freiwillige Helfer, und zwar nicht nur aus unserer Region, sondern auch aus den anderen Fahrverbänden“, betont die Gastgeberin. Besonders freue sie, dass in diesem Jahr viele Nachwuchsfahrer mit ihren Gespannen an den Start gehen. „Das ist wunderbar, die sind schließlich unsere Zukunft“, meint Jespersen, „auf diese Weise halten wir den Kutschsport am Leben.“

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