Schwurgerichtsverhandlung

Mutter des kleinen Noah: „Ich werde ihn nie wieder lachen hören“

Mutter des kleinen Noah: „Ich werde ihn nie wieder lachen hören“

Mutter des kleinen Noah: „Ich werde ihn nie wieder lachen hören“

Sonderburg/Sønderborg
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Im Frühling des Vorjahres wollte die junge Familie aus ihrem Heim in Sommerstedt ausziehen. Foto: Ute Levisen

Schwurgerichtsverhandlung: Mutter des Jungen am zweiten Prozesstag im Zeugenstand – den Tränen nah.

„Ich werde ihn nie wieder lachen hören. Noah fehlt mir so sehr!“, schreibt die junge Mutter in einer berührenden SMS kurz nach dem Tod ihres anderthalbjährigen Sohnes vor einem Jahr an ihren Ex-Freund J. H. Dieser muss sich unter anderem wegen schwerer Körperverletzung mit Todesfolge vor einem Schwurgericht in Sonderburg verantworten. Bereits am zweiten Verhandlungstag geriet der Zeitplan des Prozesses hoffnungslos in Verzug. Wahrscheinlich ist, dass das Schwurgericht sein Urteil in dem Fall des kleinen Noah aus Sommerstedt erst im April fällen wird – und nicht, wie geplant, Mitte März.

Was geschah am 6. Februar 2017, dem Todestag des kleinen Jungen, der kurz nach seiner Einlieferung ins „Rigshospital“ schweren inneren Verletzungen erlag? – Dieser Frage ging Anklagevertreterin Christina Bork Hansen am zweiten Prozesstag nach. Zwei Aktenkoffer füllt ihr Material. Bei der Fortsetzung der Vernehmung des Angeklagten am Donnerstag versuchte sie, diesen Tag minutiös nachzuvollziehen. Anschließend nahm Noahs Mutter, J. R., auf der Zeugenbank Platz.

Ihre Aussage widerspricht teilweise der Aussage des Angeklagten, der angegeben hatte, an jenem Tag meistens auf dem Hof des Anwesens beschäftigt gewesen zu sein. Nach Aussage von J. R. war ihr Ex-Freund indes meistenteils in der Stube. Nein, sie habe zunächst keinen Verdacht gegen J. H. gehegt, sei von einem Behandlungsfehler ausgegangen, da der kleine Junge in den Tagen vor seinem Tod Symptome einer Lungenentzündung zeigte. Erst im „Rigshospital“ habe sie die blauen Flecken am Körper ihres Sohnes gesehen, für die sie keine Erklärung habe.

Nach dem Tod des Jungen hatte die Polizei die Handys aller Hausbewohner abgehört. Die Anklagevertretung spielte im Gericht ein emotionsgeladenes Telefongespräch zwischen J. R. und ihrer Mutter ab. Die tränenerstickten Worte von Noahs Mutter waren nur schwer verständlich, umso klarer drückte sich Noahs Großmutter aus: Sie verdächtigte sofort den damaligen Freund ihrer Tochter.

Ein erster Verdacht

Während des zweiten Polizeiverhörs änderte Noahs Mutter ihre Aussage. Sie erwähnt eine Episode im September 2016: Damals wies Noah Flecken am Kopf und im Genitalbereich auf. Die Kommune schritt ein. Verdacht gegen ihren Ex-Partner schöpfte die junge Mutter damals nicht: Nie habe dieser Gewalt angewendet. Das Paar hatte sich im Sommer 2016 kennengelernt; wenig später zog J. H. zu Noahs Mutter und lebte einige Monate mit deren Tochter und dem kleinen Jungen in einem Haus in Oberjersdal.

Das Verhältnis ihres Ex-Freundes zu Noah sei damals recht gut gewesen, sagte die Mutter des Jungen aus. Das Paar träumte davon, eine richtige Familie zu werden. Kurz zuvor hatte J. H. erfahren, dass die Mutter seiner eigenen drei Kinder diese in Pflege geben wollte. Er wehrte sich dagegen. Das Paar zog in ein größeres Haus nach Sommerstedt, um mehr Platz zu haben – auch für die Kinder von J. H., doch der Angeklagte überstand den „Eignungstest“ als Vater im Dezember 2016 nicht: Er sei auf sich konzentriert, übersehe die Bedürfnisse der Kinder, heißt es u. a. in dem Bericht.

In den Wochen zuvor hatte sich das Verhältnis zu Noah verschlechtert: Der Junge reagierte auf die Nähe des Mannes oft mit Greinen, vor allem beim Essen. In ihrem Verhältnis zum Ex-Freund habe es in dieser Zeit gute und schlechte Tage gegeben, sagte Noahs Mutter.

Im Frühjahr 2017 hatten beide erneut umziehen wollen – diesmal in ein kleineres Haus. Auch diese Pläne zerschlugen sich – mit der Verhaftung des Ex-Freundes am 15. Februar.

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