Erneuerbare Energien

Möglichkeit: Biogasanlage auf dem Haderslebener Ness

Möglichkeit: Biogasanlage auf dem Haderslebener Ness

Möglichkeit: Biogasanlage auf dem Haderslebener Ness

Karin Friedrichsen
Karin Friedrichsen Journalistin
Hoptrup/Grarup
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Das Foto visualisiert die Biogasanlage. Foto: Kalb ApS

Ein Schweineproduzent aus Grarup hat für eine Anlage am Hejsager Næsvej eine Bauerlaubnis beantragt. Über 200 Teilnehmer waren zum Bürgertreffen in die Hoptruper Nachschule gekommen.

„Naturbiogas Sode“ mit Schweineproduzent Jesper Bram als Frontfigur hat für eine Biogasanlage zwischen Sode und Ösby eine Bauerlaubnis beantragt. Der 35-jährige Bram wohnt mit Frau und zwei Kindern im Alter von zwei und fünf Jahren in Grarup, wo er den „Sønderskovgaard“ in vierter Generation bewirtschaftet.

In seiner Tierhaltung erzeugen die 2.000 Mutterschweine jährlich rund 75.000 Schlachtferkel. Die Idee zum Bau der Biogasanlage bekam er vor vier Jahren. „Ich bleibe bei meiner Zielsetzung. Ich strebe auf Sicht an, klimaneutral zu produzieren. Für mich ist Biogas eine vielseitig erneuerbare Energiequelle“, erläuterte Bram vorab der Bürgerversammlung, zu der er und seine Mitinvestoren am Donnerstagabend eingeladen hatten. Das Interesse war so groß, dass das Treffen vom Versammlungshaus in Hyrup in die Hoptruper Nachschule verlegt werden musste.

Biogasanlage am Hejsager Næsvej

Jesper Bram und sein Vater Hans Bram, die sich in der Interessengemeinschaft „Bram I/S“ zusammengeschlossen haben, sowie die beiden Investoren Carsten Lund Thomsen und Jon Malthe-Bruun haben sich ein 7,8 Hektar großes Gelände am Hejsager Næsvej 137 als Standort für die angedachte Biogasanlage ausgesucht. „Hejsager Næsvej ist eine verhältnismäßig breite Landstraße. Der Abstand zu den Nachbarn ist 600 bis 700 Meter“, begründete Bram die Wahl des Standortes.

Mit einem Budget in Höhe von 200 Millionen Kronen, wovon „Bram I/S“ die Hälfte aufbringen will, sei die Anlage wesentlich kleiner, als die Biogasanlage in Beftoft. „Verglichen mit deutschen Verhältnissen ist unser Projekt mit einer Kapazität von 200.000 Tonnen Biogas groß. Aber die Anlage in Beftoft ist dreimal größer“, erklärt Jesper Bram.


Gegen eine Zusammenarbeit mit Beftoft spricht, so Bram, ein hohes Transportaufkommen, weswegen er an dem Bau einer Anlage auf dem Ness festhält. „Naturbiogas Sode“ hat berechnet, dass bei ihrer Anlage täglich 36 Lastwagen Gülle anliefern und 36 Lastwagen für den Abtransport von Biomasse und Restprodukten eingesetzt werden müssten. In den Spitzenbelastungszeiten, etwa 40 Tage jährlich, würde sich das Transportaufkommen bei jeweils 71 Fahrzeuge einpendeln. „Unsere Anlage wird an 240 Tagen im Jahr Gülle annehmen“, sagt Jesper Bram. Keine Sorgen müssten sich die Anwohner wegen etwaiger Geruchsbelästigungen: „Wir halten uns an die Grenzwerte. Es wird keine Unannehmlichkeiten geben“, verspricht Bram.

Bürger strömten in die Nachschule

Mit über 200 Teilnehmern war das Bürgertreffen in der Nachschule in Hoptrup gut besucht. Jesper Bram freute sich über das Interesse. Dem Schweinezüchter ist es wichtig, einen offenen Dialog zu führen. Bei der Präsentation des Projekts standen ihm unter anderem Mitarbeiter der Kommune Hadersleben, Experten von „Dansk Biogas“ und Peter Gæmelke, Vorsitzender von „Nature Energy“, zur Seite.

Bei der abschließenden Fragerunde mit vielen Wortmeldungen verdeutliche sich aber, dass das Projekt durchaus „Anlass zur Sorge gibt“, wie Moderatorin Marianne Kalb feststellte. Kalb wies darauf hin, dass die offizielle Anhörung zu dem Bauprojekt zu einem späteren Zeitpunkt kommt.

Biogas in naturschöner Lage

Haupteinwand von einigen Teilnehmern war die angepeilte Lage in naturschöner Gegend. Auch die Höhe des Schornsteins und die Aussicht auf den Gülletransport, der fast täglich den Verkehr auf dem Ness beeinträchtigen würde, bereiten Kopfzerbrechen.

„Ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll“, resümiert Claus Mailand Jensen zum Ausklang des Abends. Der Süderwilstruper meldete sich bei dem Treffen zu Wort und sagte, dass er sich im Laufe des Abends noch mehr Sorgen machte, als vor Beginn der Versammlung. „Ich war nicht so besorgt, als ich kam. Aber die Fakten der Projektmacher für die Anlage sind nicht in Ordnung. Im Umweltbewertungsbericht steht, dass der Schornstein bis zu 60 Meter werden kann. Heute sagen sie, dass der Schornstein nur 25 Meter wird“, so Mailand Jensen im Interview. Er macht sich auch Gedanken wegen der Gülletransporte. Laut Mailand Jensen äußerte Peter Gæmelke, dass die Transporte rund um die Uhr fahren würden. „Diese Anmerkung wurde anschließend schnell vom Tisch genommen. Aber die Fakten müssen in Ordnung sein“, meint der Süderwilstruper.

Politiker noch nicht einbezogen

Fachkoordinatorin Mie Søgaard Rasmussen von der Technischen Verwaltung erklärte nach Abschluss des Treffens, dass die Baupläne im Herbst 2018 auf ihrem Schreibtisch landeten. Aus ihrer Perspektive verlief das Treffen sehr gut, auf jeden Fall hätten die Leute die Möglichkeit gehabt, ihre Bedenken vorzubringen, obgleich sich der Bau noch immer in der Planungsphase befindet und noch nicht politisch behandelt wurde. Mit dem Einbeziehen der Politiker rechnet Søgaard Rasmussen im Mai. Stimmen die Politiker dem Projekt zu, könne der Plan dann in die Anhörung geschickt werden.

Jesper Bram in der Hoptruper Nachschule Foto: Karin Friedrichsen
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