Pensionär malt in seiner Heimatstadt

„Mein Hadersleben ist voller Motive“

Karin Friedrichsen
Karin Friedrichsen Journalistin
Hadersleben/Haderslev
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Karl-Johan Berkwill in seinem Atelier. Er fühlt sich mit Königin Margrethe künstlerisch verbunden: „Die Königin und ich sind einander in der Wahl unserer Motive und der Farbwahl gefolgt.“ Foto: Karin Riggelsen

Karl-Johan Berkwill hat sich nach der Pensionierung vom Militärensemble SMUK weiterhin dem künstlerischen Wirken verschrieben. In seinem Archiv finden sich 2.000 Aquarelle, Zeichnungen und Entwürfe, die sein Leben erzählen.

Der Militärmusiker a. D. und Kunstmaler Karl-Johan Berkwill hat eine neue Postkartenserie mit acht schmucken Aarö-Motiven herausgegeben.

Die Karten zeigen unter anderem Ansichten vom Hafen, dem Leuchtturm, von Brummers-Hof und vom Weingut. „Der Verkauf läuft sehr gut, obwohl heutzutage kaum noch Postkarten verschickt werden. Aber meine Karten werden oftmals gerahmt oder als Grußkarten für Geschenke genutzt“, sagt Karl-Johan Berkwill. In seiner Galerie an der Norderstraße 29 a liegen die Karten aus, und Aquarelle und farbintensive Gemälde schmücken die Wände.

Karl-Johan Berkwill hat seine Kunst-Oase mit viel Liebe zum Detail eingerichtet. Den Annex auf dem malerischen Hinterhof bezog Berkwill vor etwa fünf Jahren. „In der Galerie sind nicht nur meine Werke ausgestellt. Ich habe mir auch eine Arbeitsecke eingerichtet, wo ich Neues schaffen kann“, sagt Berkwill und schmunzelt.

Malen und Musik

Der 71-Jährige bringt seine künstlerische Ader durch Musik und Malerei zum Ausdruck. Berkwill arbeitete rund 36 Jahre als Musiker im Militärorchester SMUK (Slesvigske Musikkorps). Bis zur Pensionierung war die Musik seine hauptsächliche Arbeit und das Malen Freizeitbeschäftigung. Inzwischen sind die Prioritäten
anders.

Karl-Johan Berkwill wuchs in Viborg auf: „Ich male seit meinen Kindertagen. Die Musik gesellte sich früh hinzu. Meine Eltern haben beide Genres durch Unterricht gefördert. Eigentlich gibt es für künstlerische Tätigkeit keine Tradition in meiner Familie. Aber bei mir sind Musik und Malerei zu einer Einheit gewachsen!“

Den Anfang macht eine Ausbildung zum technischen Zeichner

Karl-Johan Berkwill begann Anfang der 60er Jahre eine Ausbildung zum technischen Zeichner. Er leistete seinen Wehrdienst in der damaligen prinzlichen Leibgarde in Viborg, wo er Trompete spielte. Nach Abschluss der Lehre als Technischer Zeichner ging es für den jungen Berkwill 1966 nach Aarhus, wo er als Werbezeichner eine Arbeit gefunden hatte. Zu seinen Arbeitsaufgaben gehörte die Gestaltung großer Neonschilder, wobei er auch mit Hadersleben Bekanntschaft machte. Damals war es modern, große und farbenfrohe Werbeschilder aufzustellen“, erinnert sich Berkwill daran, dass er unter anderem ein Schild für die damalige Creditbank und das Kaufhaus Orbesen kreierte. „Ich habe damals nicht geahnt, dass ich mich in Hadersleben niederlassen würde“, erinnert sich Berkwill.

Einen großen persönlichen Erfolg erfuhr der junge Berkwill, als er im April 1970 als Kornettspieler im damaligen Regimentsorchester „Falsterske Fodregiments Musikkorps“ in Vordingborg wurde. Damit erfüllte sich ein lang gehegter Wunsch, denn Karl-Johan Berkwill war schon als Kind ein Bewunderer des Militärensembles in Viborg. Er war aber auch positiv gestimmt, als er drei Jahre später in Verbindung mit einer neuen Musikstruktur des Militärs als Solotrompeter beim damaligen Schleswigschen Infanterieregiment in Hadersleben angestellt wurde.

Karl-Johan Berkwill verewigt nicht nur die Domstadt mit Farbe und Pinsel. Mitte 2000 gab er auch einen Kunstband heraus. Foto: Karin Riggelsen

Dächer der Domstadt

Auf seinen vielen Dienstreisen im In- und Ausland habe er immer Zeichenwerkzeuge und Zubehör mitgebracht, um seine landschaftlichen Eindrücke auf Papier festzuhalten und stimmungsvolle Aquarellbilder der schönsten Gegenden zu schaffen. „Wir haben Dienstreisen in Europa gemacht, führten jedes zweite Jahr eine Tournee auf Bornholm durch; wir waren auch in London“, erinnert sich Berkwill.

Ein Blick in sein umfangreiches Archiv belegt seinen Tatendrang. Rund 2.000 Aquarelle, Zeichnungen und Entwürfe lassen die fast vier Jahrzehnte als Militärmusiker Revue passieren. Das Archiv ist für Berkwill wie ein Tagebuch, in dem er Rückschau auf Vergangenes halten kann. Die Domstadt nimmt dabei einen großen Raum ein, denn Hadersleben ist Dreh- und Angelpunkt des gebürtigen Nordjüten geworden.

Hadersleben-Motive so weit das Auge reicht

„Meine Heimatstadt ist voller Motive“, strahlt Berkwill und zeigt auf die aktuelle Ausstellung in der Galerie: Hadersleben-Motive – so weit das Auge reicht, und dazwischen Bildthemen von Aarö und anderen schönen Orten. „Meine Frau Kaja und ich haben unser Haus an der Goskierstraße verkauft und sind vor zwei Jahren in eine Mietwohnung im Varbergparken gezogen. Dort haben wir einen fantastischen Ausblick über die Dächer der Domstadt“, schwärmt Berkwill. In die Innenstadt und ins Atelier zieht es den 71-Jährigen fast täglich. Die Galerie ist meistens donnerstags und freitags geöffnet, aber Berkwill veranstaltet auch gern Führungen außerhalb der Öffnungszeiten. Dabei dürfen die Teilnehmer gespannt sein auf ein Ständchen, denn Berkwill kombiniert den Gang durch die Galerie mit einem Mini-Konzert mit Trompete. „Ich spiele nach wie vor zu kirchlichen Diensten und Familienfeiern. Und ich habe meine Freunde, mit denen ich musiziere.“

Die Reihe der Sommerkonzerte, zu denen Berkwill gemeinsam mit wechselnden Künstlern auf seinen „Galerie-Hof“ einlädt, hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Publikumsmagneten gemausert.

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