Gesellschaft

Lieber schlüpfrig und pervers als politisch-kontrovers

Lieber schlüpfrig und pervers als politisch-kontrovers

Lieber schlüpfrig und pervers als politisch-kontrovers

Wittstedt/Vedsted
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Venstres Staatsministerkandidat Jakob Ellemann-Jensen war Hauptredner des Ringreiterfestes. Foto: Ute Levisen

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Niemals zuvor hat es so viele Menschen an einem Tag in Wittstedt gegeben: „Landesrekord!“, so Kjeld Søberg begeistert. Der Vorsitzende des Wittstedter Ringreitervereins begrüßte 700 Gäste, darunter Venstres Staatsminister-Kandidat, Jakob Ellemann-Jensen, als Hauptredner. „Das hier ist meine letzte Chance“, gestand der Politiker.

Die Vorzeichen stehen auf Parlamentswahlen. Das Ringreiten in Wittstedt gilt seit dem Besuch von Staatsministerin Mette Frederiksen (Sozialdemokratie) vor vier Jahren als Schmiede für das höchste politische Amt im Land, wie der Vorsitzende des Wittstedter Ringreitens, Kjeld Søberg, mit Stolz hervorhob.

Nur Messerschmidt ist noch unbeliebter

Er war an diesem Freitag, zum Auftakt des traditionellen, weltweit drittgrößten und definitiv launigsten Ringreiterfestes in Nordschleswig, nicht der Einzige: Ehrengast und Hauptredner war heuer Venstres Chef Jakob Ellemann-Jensen: Auf der volklichen Beliebtheitsskala unter den Parteivorsitzenden Dänemarks habe er bis vor Kurzem ganz, ganz unten rangiert, stellte Ellemann-Jensen in seiner Rede fest.

Forschungsminister Jesper Petersen (Sozialdemokratie, rechts), war ebenfalls unter den Gästen. Foto: Ute Levisen

Umso wärmer seien seine Gedanken für seinen Nachfolger auf diesem Platz, Morten Messerschmidt von der Dänischen Volkspartei: „Ich bin jetzt nur noch der zweitunbeliebteste Parteichef Dänemarks – und der Auftritt in Wittstedt ist meine letzte Chance auf den Staatsministerposten.“

Carsten Leth Schmidt von der Schleswigschen Partei, hier in angeregtem Gespräch mit seinem Ratskollegen Finn Lykkeskov Foto: Ute Levisen

Nur halb so arrogant

Die nutzte Venstres Kandidat par excellence: „Auch wenn die Reden hier lieber schlüpfrig und pervers als politisch-kontrovers sein sollten, wie man mir zu verstehen gegeben hat.“

Ellemann lieferte eine durch und durch launige „Freitagsanalyse“ von der „Front“ auf Christiansborg, die ihm frenetischen Applaus einbrachte. Er hatte – selbstkritisch und höchst bescheiden – den Finger am Puls der eigenen Partei: Die Partei Venstre bilde eine harmonische Einheit; ihr Parteichef sei nicht nur visionär, sondern auch elegant – und im Übrigen halb so arrogant, wie er eigentlich sein müsste. So der Venstre-Parteichef in seiner schonungslosen Selbstkritik.

Nach zwei Jahren Corona-Pause war das Fest restlos ausverkauft. Hier ist Tina Rosenkilde (links) von den Konservativen zu sehen, die zugleich Vorsitzende des Stadtfestes Vojens Høtte ist. Neben ihr sitzen Vizebürgermeister Kjeld Thrane und Venstres Fraktionschefin Signe Knappe. Foto: Ute Levisen

Eine denkwürdige Jungfernrede

Bürgermeister Mads Skau (Venstre) stand ebenfalls am Rednerpult. Schnell wurde allen klar: Das Kommunaloberhaupt hat an seinen rhetorischen Kompetenzen gefeilt.
Skau gestand, er sei während seines Sommerurlaubs oft nachts schweiß überströmt aufgeschreckt, gepeinigt von bangen Ahnungen mit Blick auf seinen großen Auftritt am Rednerpult in Wittstedt.

Partystimmung im Festzelt Foto: Ute Levisen

Ich stehe im Ruf, arrogant zu sein. Dabei bin ich nicht halb so hochnäsig, wie ich eigentlich sein müsste.

Venstres Staatsministerkandidat Jakob Ellemann-Jensen
Hatte Albträume wegen des Auftritts in Wittstedt: Bürgermeister Mads Skau. Foto: Ute Levisen

Testikel- und Textilentsorgung – alles an einem Ort

Ohne Grund, wie sich herausstellte – obwohl seine Wittstedter Ansprache die Jungfernrede als Bürgermeister zur Einweihung des Resthofes nicht übertrumpfen konnte: Dort hatte der frischgebackene Bürgermeister mit einem denkwürdigen Versprecher die Gäste über die Vortrefflichkeiten des hochmodernen Ressource-Centers informiert: Dort könne man fürder, so Skau, seine Testikel entsorgen. Ausgediente Textilien natürlich auch.
Diese erste Ansprache ist in die Annalen der Geschichte eingegangen und brachte Mads Skau prompt Lob von seinem Vorgänger im Amt ein: „Das war eine sehr gute Rede, die man so schnell nicht vergessen wird“, wie ihm H. P. Geil anerkennend bescheinigte.

H. P. Geil begrüßt seinen Parteifreund Jakob Ellemann-Jensen. Foto: Ute Levisen

Zum Abschied ein antiker Abtritt

Der frühere Venstre-Bürgermeister Geil verabschiedete sich als Festredner mit einem besonderen Geschenk an Gastgeber Kjeld Breum Søberg. Der Direktor a. D. von „VVS Søberg“, einem der größten Anbieter für Sanitär- und Energieservice der Region, nahm aus den Händen des Ex-Bürgermeisters ein Holz-Klo aus den Anfangsjahren des 20. Jahrhunderts entgegen – und folgende Gebrauchsanweisung: „Das kannst du dir in Hammeleff hinstellen. Solltest du einmal alles scheiße finden, dann setz dich darauf und denk daran, wie sich die Branche in der Zwischenzeit gemausert hat.“

Ein antikes Klo war das Abschiedsgeschenk des früheren Bürgermeisters an den Gastgeber. Foto: Ute Levisen

Tag der Frauen Wittstedt

Es war der Tag der Frauen in Wittstedt. Das sind die Ergebnisse:

Kinderkönig: Frida Jensen, Dybbøl

König: Anette Bonnichsen, Skærbæk

Kronprinz: Sanne Hansen, Toftlund

Prinz: Lenett Olesen, Rangstrup

Kinder unter 10 Jahren Oscar Toftebjerg

11-14 Jahre Magnus Christensen

15-24 Jahre Jette Kjeldstrøm

25-34 Jahre Line Breum Søberg

35-44 Jahre Ole Olesen

45-54 Jahre Torben Hansen

55-64 Jahre Hans Nicolaisen

65-74 Jahre Broder Petersen

75+ Jørgen Thomsen

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