Deutsche Minderheit

Lebenshilfe Bad Bramstedt zu Besuch im Pinneberg-Heim

Lebenshilfe Bad Bramstedt zu Besuch im Pinneberg-Heim

Lebenshilfe Bad Bramstedt zu Besuch im Pinneberg-Heim

Annika Zepke
Annika Zepke Journalistin
Heisagger/Bad Bramstedt
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Die 18-köpfige Gruppe der Lebenshilfe Bad Bramstedt freut sich auf eine Woche Urlaub im Pinneberg-Heim am Heisagger Strand. Foto: Annika Zepke

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Der Austausch zwischen Nordschleswig und Schleswig-Holstein, insbesondere dem Kreis Pinneberg, hat im geschichtsträchtigen Pinneberg-Heim am Heisagger Strand eine lange Tradition. In dieser Woche ist eine Gruppe der Lebenshilfe Bad Bramstedt dort zu Gast und stattet der Kommune ihrer Partnerstadt Sommerstedt einen Besuch ab.

„Hansi (Hans Christian Lorenzen, ehemaliger Hausmeister der Deutschen Schule Hadersleben und langjähriges Mitglied der deutschen Gemeinschaft in Mölby (Mølby); Anmerkung der Redaktion) hat uns das Pinneberg-Heim bei einem unserer Besuche in der ehemaligen Deutschen Schule Mölby empfohlen“, erzählt Werner Weiß, Vorsitzender der Lebenshilfe Bad Bramstedt.

Am Sonnabend ist die 18-köpfige Gruppe, bestehend aus fünf Betreuungskräften und 13 Menschen mit Behinderung, im Pinneberg-Heim am Heisagger Strand eingetroffen. „Wir sind hier ganz liebevoll aufgenommen worden“, sagt Werner Weiß. Der 71-Jährige engagiert sich seit 1976 in der Bad Bramstedter Lebenshilfe und freut sich auf den einwöchigen Aufenthalt mit seinen Schützlingen in Nordschleswig.

Werner Weiß engagiert sich seit 1976 in der Lebenshilfe in Bad Bramstedt, seit 1993 ist er deren Vorsitzender. Foto: Annika Zepke

Freundschaftliche Verbindungen nach Nordschleswig

Dass ihre Reise sie ausgerechnet nach Nordschleswig verschlagen habe, sei kein Zufall, verrät Weiß. Zum einen bestehe aufgrund der Patenschaft zwischen Bad Bramstedt und Sommerstedt (Sommersted) seit über 60 Jahren eine freundschaftliche Verbindung nach Nordschleswig, zum anderen sei das Thema Inklusion in Dänemark weit fortgeschritten.

„In Dänemark ist das alles wirklich großartig“, sagt Weiß, „ich schätze sehr, dass man hier so freundlich aufgenommen wird.“ Bereits zum dritten Mal verbringt die Lebenshilfe Bad Bramstedt eine Ferienfreizeit im Land.

In der Freizeit spielen die Urlauber nicht nur gerne eine Partie König, sondern auch Kicker. Foto: Annika Zepke

Gemeinsamkeit im Fokus

„Es sind Erlebnisse wie diese, die die Leute zusammenbringen“, erklärt Weiß. Die Gemeinsamkeit stehe bei ihrem Aufenthalt am Heisagger Strand im Fokus. Die Gruppe hat das Pinneberg-Heim in dieser Woche ganz für sich, das sei ein Plus, betont der Vorsitzende der Bad Bramstedter Lebenshilfe, der sich besonders darüber freut, dass bei dieser Reise niemand zu Hause bleiben musste. „Eine großzügige Spende hat uns das möglich gemacht“, so Werner Weiß.

Die Teilnehmenden kennen sich allesamt aus der sogenannten Teestube, einem Freizeitklub, der alle 14 Tage in den Räumen der Lebenshilfe in Bad Bramstedt stattfindet. „Alle haben sich wahnsinnig auf diese Fahrt gefreut“, berichtet der Vorsitzende. Ein konkretes Programm haben sie für ihren Aufenthalt in der Domstadtkommune Hadersleben (Haderslev) nicht geplant. „Aber einen Tag wollen wir ins Legoland“, verrät Weiß.

Michael Deutschmann (l.) und Mason Müller verstehen sich blendend. Die beiden kennen sich aus dem Freizeitklub „Teestube“. Foto: Annika Zepke

Grillen, Sonnenuntergänge, König

Der Ausflug ins Legoland sei zwar ein Highlight, die Teilnehmenden freuen sich jedoch auch auf die kleinen Urlaubsmomente, wie eine Partie König unter Freunden, ein gemeinsames Grillen oder die Sonnenuntergänge am Strand von Heisagger. Für Mason Müller gibt es hingegen noch einen anderen Grund zur Freude: „Endlich einmal Urlaub machen ohne Eltern – Gott sei Dank“, erzählt der 23-Jährige gut gelaunt im Gespräch mit dem „Nordschleswiger“.

Nur dass seine Freundin nicht dabei sein kann, sei schade, findet Müller: „Sie möchte nämlich auch gerne mal nach Dänemark.“

Die Gemeinschaft und gemeinsame Gespräche stehen bei dem Urlaubsaufenthalt am Heisagger Strand im Vordergrund. Foto: Annika Zepke

Mehr Glück hat in dieser Hinsicht Michael Deutschmann. Seine Lebensgefährtin Ines Kiwitt ist ebenfalls Mitglied in der Bad Bramstedter Lebenshilfe und nimmt auch an der Reise teil. Doch nicht nur deshalb gefällt dem 55-Jährigen der Aufenthalt im Pinneberg-Heim am Heisagger Strand gut: „Es ist super hier, die Leute sind alle sehr freundlich“, erklärt Deutschmann.

„Es entschleunigt“

Auch für Betreuerin Anja Beckermann ist die Reise nach Heisagger Strand ein besonderes Erlebnis. Sie ist seit vielen Jahren in der Lebenshilfe aktiv und bereits zum vierten Mal mit der Gruppe auf Urlaubstour. „Das Schönste an unseren Reisen ist das Miteinander, diese Ehrlichkeit“, meint Beckermann. Herausforderungen an der Gruppenreise mit Menschen mit Behinderung sieht sie keine. „Bei unseren früheren Reisen hatten wir Selbstverpflegung, für die hauptsächlich ich verantwortlich war. Das war eine Herausforderung“, sagt sie lachend.

Ines Kiwitt und ihre Mutter Jutta Matzen nehmen gemeinsam an der Reise teil. „Die Gruppe brauchte noch Betreuer, und da hat Ines mich gefragt, ob ich nicht einspringen möchte“, erzählt Jutta Matzen. Foto: Annika Zepke

Natürlich gehe bei ihrer Reise alles etwas langsamer vonstatten, sagt Beckermann: „Aber darauf ist man eingestellt, und vor allem ist niemand unzufrieden damit. Im Gegenteil, es entschleunigt auch irgendwie.“

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