Friedhofsausschuss

Kastaniensterben auf dem Klosterfriedhof

Kastaniensterben auf dem Klosterfriedhof

Kastaniensterben auf dem Klosterfriedhof

Karin Friedrichsen
Karin Friedrichsen Journalistin
Hadersleben/Haderslev
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Das Abholzen der Kastanien begann am Dienstagmorgen. Foto: Karin Riggelsen

Der Klosterfriedhof auf der Anhöhe am Dammpark verändert sein Aussehen. Die Propstei gab dem Antrag der Domgemeinde statt: Kranke Kastanien werden aus Sicherheitsgründen abgeholzt.

Etwa 25 Kastanien, die den Klosterfriedhof umkränzen, werden gefällt. Die kranken Bäume stellen ein Sicherheitsrisiko dar, und der Vorsitzende des Friedhofsausschusses in Hadersleben, Finn Wetter, ist froh, dass die Arbeiten in Gang gesetzt wurden.

Krankheit zersetzt die Bäume von innen Foto: Karin Riggelsen

Krankheit zersetzt Bäume von innen

„Wir sind sehr erleichtert, dass die Propstei unserem Antrag statt gab, sodass die Bäume gefällt werden können“, so Wetter. Die Bäume sind vor etwa 80 Jahren gepflanzt worden und sind 20 bis 25 Meter hoch. Bei einem kräftigen Wintersturm im Vorjahr waren einige Bäume umgeknickt. Bei den Aufräumarbeiten stellten die Friedhofsmitarbeiter fest, dass der gesamte Baumbestand von Krankheit befallen ist und die Stämme teilweise von innen morsch sind.

Fledermaus-Warnung verzögerte das Abholzen Foto: Karin Riggelsen

Lindenbäume bleiben erhalten

Die geschichtsträchtige Anlage ist von Bäumen umsäumt. „In zweiter Reihe neben den Kastanien wurden Linden gepflanzt“, erklärt Finn Wetter. Deswegen wird der Friedhofsausschuss nach dem Abholzen keine neuen Bäume pflanzen. „Wir haben die Linden“, erklärt der Ausschussvorsitzende. Die Linden sind auch hochgewachsen, und ihre Kronen werden im Januar 2020 ausgedünnt.

Fledermaus-Warnung

Das Abholzen der Kastanien war eigentlich für Mitte August geplant. „Daraus wurde leider nichts“, so Wetter. Der Firma, die für das Abholzen zuständig ist, war zu Ohren gekommen, dass sich Fledermäuse in der Anlage eingenistet hatten. „Fledermäuse sind bekanntermaßen unter Naturschutz gestellt. Deswegen holten wir uns Expertenbeistand bei der Naturbehörde. Der Experte gab dann aber unlängst Entwarnung“, sagt Finn Wetter.

Der Klosterfriedhof ist eine kleine Oase in der Haderslebener Altstadt Foto: Karin Riggelsen

Begräbnisstätte seit 1808

Der Klosterfriedhof steht auch unter Naturschutz. Die schmucke Anlage auf der Anhöhe zum Dammpark wird seit 1808 als Begräbnisstätte genutzt. Auf dem Friedhof befinden sich unter anderem auch zwei Denkmäler für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges. Das deutsche Denkmal wird von einem Stahlhelm auf einem Lorbeerkranz gekrönt. Das dänische Denkmal besteht aus einem sechseckigen Granitsockel mit einem Hünengrab auf der Spitze. Die letzte Beerdigung eines Haderslebeners wurde Anfang der 1930er Jahre vorgenommen.

Von 1940 bis 1950, als der Dom renoviert wurde, seien die Leichen von mehreren Verstorbenen, die ursprünglich im Dom beigesetzt wurden, auf dem Klosterfriedhof zu Grabe getragen worden, erzählt Finn Wetter.

Liebevolle Pflege

Laut Wetter habe das Nationalmuseum angeordnet, dass keine neuen Sanierungsmaßnahmen vorgenommen werden dürfen. „Wir dürfen den Friedhof warten, aber wenn Steine oder Gedenkplatten kaputtgehen, dürfen wir sie nicht reparieren“, erklärt Wetter.

Im Vorfeld der Wiedereingliederung Nordschleswigs vor 100 Jahren im Sommer 2020, werde man den Friedhof „besonders liebevoll pflegen“, denn, so Wetter, es haben etliche der Menschen, die dort ihre letzte Ruhe fanden, Beziehung zu den Geschehnissen vor 100 Jahren.

Historische Grabsteine auf der Rasenfläche Foto: Karin Riggelsen
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