Bildung

Hochschulpläne für Gramm: „Wir haben einen Traum“

Hochschulpläne für Gramm: „Wir haben einen Traum“

Hochschulpläne für Gramm: „Wir haben einen Traum“

Hadersleben/Haderslev
Zuletzt aktualisiert um:
Die Grammer Nachschule musste im Frühjahr Konkurs anmelden. Früher beherbergte das Gebäude das Krankenhaus der alten Schlossstadt. Foto: Ute Levisen

In Gramm gibt es Pläne für eine Hochschule in dem einstigen Krankenhaus der Schlossstadt. Die neue Bildungsstätte soll sich von anderen Volkshochschulangeboten wesentlich unterscheiden: „Wir haben einen Traum“, sagt der Vorsitzende des Hochschulvorstands, Svend Brodersen.

Es war ein Schock für Gramm (Gram), als die Corona-Pandemie im Frühjahr das Los der Grammer Nachschule endgültig besiegelte und der an Schülermangel „kränkelnden“ Nachschule schließlich den Todesstoß versetzt hatte.

Wie Phoenix aus der Asche soll auf dem Gelände der früheren Nachschule die neue Volkshochschule entstehen. Im Sommer hatten die Initiatoren den Schulkreis gegründet und kurz darauf einen Vorstand gewählt.

In engem Kontakt mit Menschen vor Ort

Vorstandsvorsitzender ist Schlossherr und Landwirt Svend Brodersen. Anliegen des Schulvorstands ist es, dass Schüler der künftigen Hochschule in engem Kontakt mit der Lokalbevölkerung neue Einsichten gewinnen.

Schwerpunkte sind dabei Ökologie, Landwirtschaft, Nachhaltigkeit.

„Es liegt uns am Herzen, die Naturwissenschaften zurück in die Hochschule zu bringen“, sagt der Vorsitzende, der einen großen ökologischen Landwirtschaftsbetrieb leitet.
Die Schüler sollten das Schöne in Mathematik, Physik und Universum entdecken – und dies, ohne an Prüfungen oder Prüfungsvorbereitungen denken zu müssen.“

Svend Brodersen, hier zu sehen mit seiner Frau Sanne, ist der Vorstandsvorsitzende des Volkshochschulkreises. Foto: Ute Levisen

Übernahmegespräche

Die Übernahmeverhandlungen mit dem Konkursverwalter der Grammer Nachschule laufen gegenwärtig, wobei es noch einige Hürden zu nehmen gibt, wie Brodersen durchblicken lässt.

Die Kommune Hadersleben hat in ihrem Haushalt einen Zuschuss für die geplante Bildungsstätte berücksichtigt. Der Antrag für den Betrieb der Hochschule beim Kulturministerium läuft. Die Sachbearbeitungszeit beträgt zehn Monate. Geht alles glatt, könnte die Grammer Hochschule im Spätsommer des nächsten Jahres ihren Betrieb aufnehmen. Ein neuer Vorsteher ist auch schon gefunden: Jens Horstmann, der auf eine langjährige Tätigkeit in Diensten der Röddinger Hochschule verweisen kann, soll das Amt übernehmen.

Wissen über Landwirtschaft

In der künftigen Hochschule werden die Schüler mehr über Ackerbau und Feldfrüchte lernen – und dies alles auf einem Niveau, sagt Brodersen, das es andernorts so nicht gebe. Die Lehrgänge sollen in enger Zusammenarbeit mit Restaurants und Landwirten erfolgen. Doch auch die großen gesellschaftspolitischen Themen wie beispielsweise Rassismus, Sexismus und Klima sollen nicht außen vor bleiben.

Laut Brodersen ist die geplante Hochschule nicht nur der klassischen Klientel vorbehalten, sondern es gehe nicht zuletzt darum, ein neues Publikum zu gewinnen, das bislang einen großen Bogen um diese Form der Weiterbildung gemacht hat. Unternehmen und Institutionen könnten ihren Mitarbeitern, beispielsweise im Rahmen einer Weiterbildung, einen Hochschulaufenthalt in Gramm ermöglichen.

Schlossschüler und Einsichten in Betriebsalltag

Schloss Gramm werde drei bis vier Plätze „Schlossschülern“ vorbehalten, die während ihres Aufenthalts an der Schule Einsichten in den Betriebsalltag auf dem Gut gewinnen.

„Andere Unternehmen können es uns gleichtun, damit junge Menschen bei der Finanzierung ihres Hochschulaufenthalts unterstützen und zugleich ein Talent für sich zu gewinnen“, erläutert Svend Brodersen, der sich für das Amt des Vorstandsvorsitzenden zur Verfügung gestellt hatte, obwohl er über Langeweile nicht klagen kann.

„Nun halte ich mich ja aus der Politik heraus“, sagt er lachend. „Das setzt einige Reserven frei.“

Anliegen der neuen Bildungsstätte sei es, zurück zum Ursprung zu gelangen und die Hochschule wieder zu einem Ort volklicher Bildung zu machen.: „Das ist unser Traum.“

Mehr lesen

Leitartikel

Walter Turnowsky
Walter Turnowsky Korrespondent in Kopenhagen
„Epidemiegesetz muss demokratisch verankert werden“