Kommunalwahlen

Ein Herz auch für Außenseiter

Ein Herz auch für Außenseiter

Ein Herz auch für Außenseiter

Hadersleben/Haderslev
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Im Wahlkampf klingelt das Handy von Sabina Wittkop-Hansen noch öfter als sonst. Foto: Ute Levisen

Sabina Wittkop-Hansen ist die Nummer 3 auf der Parteiliste der Schleswigschen Partei: Ihr Anliegen gilt den Jungen und Schwachen.

Sabina Wittkop-Hansen hat ein „soziales Herz“ – und das nicht nur zur Wahl. Wer sie kennt, der glaubt es ihr aufs Wort. Die dreifache Mutter und studierte Informatikerin kandidiert auf Platz 3 der Parteiliste der Schleswigschen Partei (SP) zur Kommunalwahl am 21. November. Ehrenamtlich ist Sabina-Wittkop-Hansen in zahlreichen Funktionen engagiert – und jetzt auch in der Lokalpolitik. „In den vergangenen anderthalb Monaten habe ich in vielen Gesprächen mit Wählern erfahren, wo es hapert!“, sagt sie. Es sind keine hehren Wahlziele, vielmehr konkrete Anliegen, die Wittkop-Hansen motivieren, sich auch politisch zu engagieren.

Und dies mit sichtlicher Begeisterung. Bei einem Besuch im Haderslebener Krisencenter, beispielsweise, erfuhr sie, dass dort die Förderung für psychologische Betreuung gekürzt worden ist: „In einem Krisencenter darf man gerade daran nicht sparen!“, sagt die 52-Jährige. Bei einer Wahlveranstaltung im Borgercafé wiederum traf sie einsame, obdachlose oder arbeitslose Menschen: „Dort herrschte eine wirklich nette Stimmung, doch man erfährt auch, wo Dinge im Argen liegen.“ Bei den Langzeitkranken, beispielsweise, die im Durchschnitt zwei Jahre auf eine Reha-Maßnahme warten müssten. Oder bei der 76-jährigen Nachbarin, deren gebrochene Hüfte nach drei Monaten diagnostiziert worden ist: „In der Zwischenzeit ist sie mit Medizin vollgepumpt worden. Es dauert schlicht zu lange, bis ein Visitor eingeschaltet wird. Dabei ist das dänische Wohlfahrtssystem eine tolle Errungenschaft, doch in dieses System muss man auch entsprechend investieren.“

Wittkop-Hansen warnt davor, Aufgaben des öffentlichen Sektors auf Ehrenamtliche abzuwälzen und diesen somit aus seiner Verantwortung zu entlasten: „Ehrenamt ist etwas Wunderbares, aber nur dort, wo es hingehört, sonst wären die Ehrenamtler mit dieser Aufgabe schnell überfordert.“ Handlungsbedarf sieht sie auch in der kommunalen Jugendarbeit: „Nehmen wir den GOTI-Klub in Woyens. Der Jugendklub (von der 4. Klasse bis 18 Jahre) ist eine super Einrichtung, leider mit beschränkten Öffnungszeiten, weil es an der finanziellen Förderung für die Betreuung hapert. Dabei ist der Bedarf enorm.“

Intensiv in Streetworker-Einsatz investieren

Die Kommune Hadersleben müsste zudem intensiv in den Streetworker-Einsatz investieren. Das gilt nicht nur für Woyens, sondern auch für die Haderslebener Innenstadt, sprich: Norderstraße. „Fachlich kompetente Streetworker, die von Jugendlichen akzeptiert werden – das ist bislang Mangelware“, stellt Wittkop-Hansen nach dem Feedback junger Leute auf Wahlveranstaltungen immer wieder fest.

Zum einen fehle es in der Kommune an gut ausgebildeten Fachkräften, zum anderen gebe es in der Sprachschule diesbezüglich ungenutztes Potenzial: 60 Prozent der Schüler dort seien Selbstversorger, sagt die Kandidatin: „Die übrigen 40 Prozent laufen Gefahr, in Raumpflege-Jobs zu versacken.“ Das große Problem dabei sei die Sprache – und dass die Kommune nur noch wenige Produktionsarbeitsplätze habe. Die SP-Politikerin plant, sich in dieser Sache an den Haderslebener Wirtschaftsrat (HER) zu wenden. Dieser verfüge über ein großes Netzwerk: „Da muss sich für die Sprachschüler doch was machen lassen! Ich werde dranbleiben – unabhängig davon, ob ich gewählt werde oder nicht.“

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Leitartikel

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
„Region war gestern“