Seniorenpolitik

Die große Suche nach dem Sparpotenzial

Die große Suche nach dem Sparpotenzial

Die große Suche nach dem Sparpotenzial

Hadersleben/Haderslev
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Vor allem im Seniorenbereich werden die avisierten Sparmaßnahmen schmerzlich zu spüren sein. Foto: Ute Levisen

Die finanzielle Situation der Domstadtkommune ist ernst. Vom Oktober des Vorjahres bis jetzt hat der kommunale Dienstleistungssektor wesentlich mehr verschlungen, als im Haushalt veranschlagt. Vor allem im Seniorenbereich stehen massive Einsparungen bevor.

Von Oktober 2018 bis Ende 2020 wird die Kommunekasse mit 83 Millionen Kronen mehr belastet, als im Etat für 2019 veranschlagt. Bis Ende 2020 wird der Kassenbestand, so eine aktuelle Prognose, bei 10,8 Millionen Kronen liegen – im Minus.
Vor allem im Seniorenbereich stehen, wie berichtet, massive Einsparungen bevor, wogegen sich nun politischer Widerstand aus den Reihen der Opposition regt.

Haushaltsverhandlungen noch vor dem Sommer

Insgesamt müssen 60 Millionen Kronen gefunden werden. Wo und wie, das soll ein sogenannter Handlungskatalog offenbaren, mit dessen Erarbeitung der Finanzausschuss die Verwaltung bereits im April beauftragt hat. „Einstimmig wohlgemerkt“, sagt dessen Vorsitzender, Bürgermeister H. P. Geil (Venstre).
Vor dem Hintergrund der überaus angespannten finanziellen Lage hat Geil alle politischen Parteien für Mitte Juni zu vorzeitigen Haushaltsverhandlungen eingeladen. Bis zu diesem Zeitpunkt sollen die Sparvorschläge auf dem Tisch liegen.

Gewerkschaft in Aufruhr

Seitens der Gewerkschaft FOA ist die Sorge angesichts der angekündigten Einsparungen groß. Vertrauensfrau Gyde Mortensen befürchtet das Schlimmste für den Seniorenbereich – und für ihre Kollegen in der Heimpflege, die in Zukunft – werden die Vorschläge umgesetzt – noch weniger Zeit für hilfebedürftige Bürger haben werden. Es ist eine zusätzliche Belastung, die – das zeichnet sich bereits jetzt ab – auf weniger Schultern verteilt wird.
Die sogenannte „Klippekort-Regelung für Senioren wird von 30 auf 22,4 Minuten reduziert. Das Zusatzpaket für Heimhilfe wird entfallen: Das bedeutet weniger Zeit für den einzelnen Bürger durch weniger Mitarbeiter – „wobei uns keiner sagt, welche Aufgaben wir links liegen lassen sollen“, so Gyde Mortensen: „Das heißt, die Kollegen müssen in Zukunft noch schneller arbeiten, um das Pensum bewältigen zu können.“

Angst vor Kündigungen

Die Betreuung dementer Bürger war ursprünglich mit drei Zusatzstunden bedacht worden. Diese Zeit wird auf zwei Stunden reduziert. Mitarbeiter befürchten, dass es dadurch verstärkt zu Konflikten mit heftig reagierenden Bürgern kommt, wenn diese von einem geschrumpften Personalstab betreut werden.
Auch an der nächtlichen Betreuung hilfebedürftiger Senioren soll einschneidend gespart werden: Statt von jeweils zwei Mitarbeitern wird die Nachtschicht nur noch von einem Mitarbeiter wahrgenommen.
„Doch was wird, wenn man nachts Hilfe braucht – von dem unsicheren Nachtleben einmal abgesehen?“, fragt Gyde Mortensen, die auch Kündigungen befürchtet, damit das avisierte Sparziel überhaupt erreicht werden kann.

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