"Woche Sex"

Die Grenze ziehen: Aufklärung für Schüler

Malick Volkmann
Hadersleben/Haderslev
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Die Themenwoche behandelt auch Grenzüberschreitungen, die online veröffentlicht werden. Foto: Sex & Samfund

„Der Onkel nimmt mich zu oft in den Arm“ oder „Jungs schicken anzügliche Fotos“: Um eigene Grenzen und die anderer kennenzulernen und sich gegen Grenzüberschreitungen wehren zu können, beschäftigen sich die Sechstklässler der Deutschen Schule Hadersleben eine Woche mit dem Thema. Einige von ihnen erlebten selbst schon Überschreitungen.

„Versetzt euch in die Lage des Dr.-Sommer-Teams“, sagt Sandra Olesen zu ihrer Klasse. Olesen ist Lehrerin an der Deutschen Schule Hadersleben und unterrichtet die sechste Klasse. In der sogenannten „Woche Sex“, der sechsten Kalenderwoche, geht es an dänischen Schulen jedes Jahr um Sexualität. Im Jahr 2019 lautet das Thema „Grenzen“.

Die Unterrichtskampagne von „Sex & Samfund“ richtet sich landesweit an Schüler der Klassen null bis zehn sowie an weiterführenden Schulen. Mit der Kampagne bietet „Sex & Samfund“ kostenloses Bildungsmaterial an, das die Lehrer bei der Organisation und Durchführung einer altersgerechten Gesundheits- und Sexualerziehung unterstützen kann.
Über 18.000 Lehrer und bis zu einer halben Million Schüler im ganzen Land nehmen an der diesjährigen Woche Sex teil. Das Thema 2019 lautet „Grenzen".

Julie, Caroline und Emilie lernen, wie sie ihre persönlichen Grenzen schützen. Foto: Malick Volkmann

„Angefangen haben wir mit der Definition von Grenzen. Wo liegen meine? Wie erkenne ich die anderer?“, berichtet Olesen. Dazu spielten die Schüler eine Art Spiel: „Man stellt sich an einen Punkt im Raum, und eine andere Person geht langsam auf einen zu. Wenn sie zu nah kommt und die Grenze überschreitet, sagt man ‚Stopp‘“, erklärt Julie, eine Schülerin der Klasse. Sie findet es interessant, dass neben dem „normalen“ Unterricht eine Woche lang etwas anderes auf der Agenda steht: „Das Thema ist richtig spannend! Solche Wochen sind immer toll“, sagt sie.

Vorbild Dr. Sommer

Jetzt sollen die Kinder also Martin Goldstein spielen, der besser bekannt als Dr. Sommer ist, und der sich in der deutschen Jugendzeitung „Bravo“ mit seinem Team mit Fragen zu Sexualität und Liebe beschäftigt und diese beantwortet. Es werden also Themen behandelt, die für Jugendliche in der Pubertät relevant sind. Goldstein verstarb bereits 2012, die Rubrik lebte in der Zeitschrift aber weiter.

Caroline und Emilie haben sich einen Fall ausgesucht und versuchen eine Lösung für das Problem zu finden: „Wenn jemand Nacktfotos oder sowas schickt, beispielsweise auf Snapchat, dann geht das zu weit. Das überschreitet die Grenze. Ich würde die Person blockieren und es meinen Eltern sagen“, so die zwölfjährige Emilie. Caroline geht sogar noch einen Schritt weiter: „Man kann den bestimmt auch anzeigen“, sagt sie.

Die Schüler verfassen ihre Antworten auf dem Computer. Foto: Malick Volkmann

Grenzverletzung am eigenen Leib erfahren

Einige der Schüler hätten Grenzüberschreitungen schon am eigenen Leib erfahren, was zeigt, wie wichtig es ist, dass die Thematik in der Schule behandelt wird. „Die Jungs wetten manchmal, wer sich traut, einem Mädchen auf den Po zu hauen“, erzählt Julie. „Die finden das lustig, aber uns nervt das nur.“

Auch Emilie hat schon solche Erfahrungen gemacht: „Früher haben ein paar Mädchen schlecht über mich geredet. Da fühlt man sich natürlich nicht gut“, so die Zwölfjährige. Mittlerweile ist aber alles in Ordnung und sie fühle sich sehr wohl.

Die Schüler finden, dass es hilfreich ist, sich in die Lage der Berater zu versetzen: „Man macht sich Gedanken über die eigenen Grenzen und darüber, was für andere zu weit gehen könnte“, sagt Caroline abschließend, bevor es zur Pause klingelt.

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