Satire

Geistesblitz aus Langeweile: Miet eine Leiche!

Geistesblitz aus Langeweile: Miet eine Leiche!

Geistesblitz aus Langeweile: Miet eine Leiche!

Gramm/Gram
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Stets für einen Spaß zu haben: der Grammer Pastor Johannes Gjesing. Foto: Ute Levisen

Johannes – nein, nicht der Täufer, sondern der andere, der Pastor aus Gramm, der einfach nicht stillstehen kann, ist von Langeweile übermannt worden. Was folgte, war göttliche Eingebung, wie sich das Corona-Versammlungsverbot umgehen lässt. „Miet eine Leiche!“, rät Johannes Gjesing.

Wer Pastor Johannes Engholm Gjesing kennt, der weiß, dass man sich auf dessen geniale Stunts verlassen kann. So sicher wie auf das Amen in der Kirche. Der jüngste Streich des unorthodoxen Pastors aus der Schlossstadt Gramm (Gram) ging – nicht zum ersten Mal – viral in den sozialen Medien.

Selbst übertroffen

„Diesmal hast du dich wahrlich selbst übertroffen“, schreibt ein Facebook-Nutzer enthusiastisch – mit drei Smileys dahinter. In der Tat: Gjesing ließ sich diesmal von der Internetseite „lejetlig“ einer Leihwagenfirma (Miet eine Leiche) inspirieren, bei der man Rostlauben mieten kann.

Ungewöhnliches Geschäftsmodell

Der Rest ist Geschichte, genauer gesagt: Fake News, denen nur die blühende Fantasie Grenzen setzt. Pastor Gjesing erfand für seine Geschichte einen Bestatter in Hadersleben, der zur Umgehung des Corona-Versammlungsverbots ein ungewöhnliches Geschäftsmodell ersonnen hat: Er vermietet Leichen für soziales Miteinander. Dann handelt es sich nämlich um eine Beerdigung, woran immerhin 50 Menschen teilnehmen dürfen.

Enormes Echo

Der erste Interessent, so spinnt Gjesing seine Geschichte weiter, habe nicht lange auf sich warten lassen – und wollte den Pastor für eine ebensolche „Zeremonie“ gewinnen. Diese Bitte habe er natürlich ausgeschlagen, ließ Gjesing etwa 500 Amtskollegen in einer geschlossenen Netzwerkgruppe wissen – und verlieh bei selber Gelegenheit seinem Zweifel Ausdruck, ob sein abschlägiger Bescheid nun auch im Sinne des Herrn gewesen sei.

Das Echo ließ nicht lange auf sich warten. Dänische Medien, darunter eine große Landeszeitung, witterten eine gute Geschichte. Nicht jeder merkte, dass es sich hierbei um rabenschwarzen Humor handelt – „made in Gramm“.

Der Pastor aus Gramm hat ein langes „Sündenregister". Foto: Ute Levisen

Einfach nur baff

„Ich war baff“, kommentiert der Pastor die Resonanz auf seine Fake News: Er sei doch offensichtlich, dass es sich um Satire handele – auf beste Erling Jepsen Art. „Andererseits leben wir in einer merkwürdigen Zeit, die unser Weltbild zuweilen auf den Kopf stellt – mit Ereignissen, die wir nicht für möglich gehalten hätten.“

Weiter so!

Nicht alle verstanden den Spaß auf Anhieb. Einige kauften dem Pastor die Geschichte glatt ab: „Daraufhin musste ich erst einmal etwas klarstellen“, so der Kirchenmann lachend. Das war schnell getan. Die Teilnehmer dieser pastoralen Märchenstunde in den sozialen Netzwerken fühlen sich göttlich unterhalten.

Weiter so – zumal es in diesen Corona-Zeiten herzlich wenig zu lachen gibt, so der Tenor zahlloser Kommentare zum „Leichen-Spin“ des Pastors.

Kein Wort über Gottesdienste

Dieser ist längst über die Grenzen der Schlossstadt hinaus wegen seines schrägen Humors berüchtigt: Für einen Mann der Kirche hat Johannes Engholm Gjesing ein beeindruckendes „Sündenregister“: „Ich weiß“, sagt er ganz und gar nicht reumütig: „Nur über Gottesdienste und so steht da nichts.“

Ganz persönliche Heuschreckenplage

In diesem Zusammenhang sei an die Heuschrecken erinnert, die der Pastor weiland zur Veranschaulichung biblischer Plagen im Konfirmationsunterricht vor den Augen seiner Schüler verspeist hatte. Angeblich bei lebendigem Leib. Dies wiederum hatte eine Tierschützerin aus seinem Kollegenkreis auf den Plan gerufen: Sie beschwerte sich beim damaligen Bischof über das schwarze Schaf aus Gramm. Pastor Johannes eigene Heuschreckenplage endete nicht mit einer bischöflichen Rüge, sondern mit einem nachsichtigen Lächeln.

Auf der schwarzen Liste

Unvergessen auch der „Einbruch“ in das ehemalige Rathaus von Gramm, das die Hausbesitzerin seit Jahren verfallen lässt. Wegen dieser Episode war der Seelsorger, der zur Katastrophenbereitschaft der Volkskirche gehört, beim dänischen Geheimdienst PET – wenngleich kurzzeitig – in „Ungnade“ gefallen, als seine Sicherheitszulassung für vertrauliche Operationen auf Stand-by gesetzt wurde: „Ein krimineller Pastor – das geht gar nicht“, sagt Johannes Gjesing und strahlt übers ganze Gesicht. Inzwischen gilt der Kirchenmann aus Gramm wieder als „sauber“.

Man könnte Bücher schreiben über die „Moritaten“ des Pastors. Zumindest aber konnten die Bischöfe des Stiftes Hadersleben im Laufe der Jahre nicht über Langeweile klagen. Und wenn, dann war es nicht die Schuld des „schwarzen Schafes“ unter den Hirten aus Gramm. Genau dafür lieben ihn seine Fans.

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