Skrydstrup

Gefangen im „Niemandsland“

Gefangen im „Niemandsland“

Gefangen im „Niemandsland“

Ute Levisen
Ute Levisen Lokalredakteurin
Skrydstrup
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Laurits Rosenlund
Landwirt Laurits Rosenlund (Mitte) fasste die Ängste und Sorgen der vielen Betroffenen wortgewaltig zusammen. Die beiden Repräsentanten der Verteidigung reagierten ruhig, sachlich und krisenerprobt: Noch sei nichts entschieden, so ihr Tenor. Foto: Ute Levisen

Lärmschutz & Enteignung: Fast 500 Bürger folgten der Einladung des Verteidigungsministeriums zur Info-Veranstaltung auf dem Luftwaffenstützpunkt in Skrydstrup.

Die dänische Verteidigung hatte ihre erste Garde an die „Front“ entsandt: zum Bürgerinformationstreffen auf die Fighter Wing Skrydstrup. Fast 500 Bürger, vornehmlich aus Skrydstrup, aber auch aus Woyens, Hadersleben und den umliegenden Ortschaften Uldal und Beftoft, waren gekommen, um Näheres über das groß angelegte Hangar-Projekt, die Garagenanlage für die F-35 mit einem Investitionsvolumen von ca. 600 Millionen Kronen, zu erfahren.

In der Vorwoche hatte Verteidigungsminister Claus Hjort Frederiksen (Venstre) angekündigt, dass sich die Grenzwerte beim Einsatz des neuen Kampfjets – entgegen bisheriger Annahmen – auch mit Lärmschutzmaßnahmen nicht immer einhalten lassen. Enteignungen der nächstgelegenen Häuser seien daher nicht ausgeschlossen.

Generalleutnant Per Pugholm Olsen, „Koncernstyrings-Direktor“ im Verteidigungsministerium, und der Chef des „Neuen Kampfjet-Programms“ in Regie von „Forsvarsministeriets Materiel- og Indkøbsstyrelse“ (FMI), Generalmajor Henrik Lundstein, standen den Bürgern in der zum Teil sehr emotionsgeladenen Fragerunde Rede und Antwort.

H. P. Geil
Auch Bürgermeister Geil musste sich heftige Kritik gefallen lassen: “Du trittst nicht für uns ein!“, so ein Vorwurf aus den Reihen der Anwohner. Foto: Ute Levisen

Zehn bis 15 Häuser sollen enteignet werden

Laut Lundstein handelt es sich bislang um zehn bis 15 Häuser, die enteignet werden müssen. Viele weitere Häuser und Einwohner – auch aus den umliegenden Ortschaften – sind betroffen, wenn 2022 die ersten F-35 Kampfjets auf der Wing stationiert werden. Auch wenn die Untersuchungen, vor allem mit Blick auf die Lärmbelästigung und weitere Umweltbelastungen, bei Weitem nicht abgeschlossen sind, wie Pugholm Olsen betonte, so steht eines fest: Der Nachfolger der F-16 macht wesentlich mehr Lärm. Und: Es werden weitere anderthalb Jahre vergehen, bis das Folketing den finanziellen Rahmen (anlægslov) verabschiedet, der auch Entschädigungsmaßnahmen und die Ausgaben dafür umfassen wird.

Für die Betroffenen bedeutet dies, dass sie in den kommenden anderthalb Jahren im Ungewissen verharren müssen – gefangen sind in einer Art Niemandsland – bis das Gesetz verabschiedet wird. Es dürfte schwierig, eher unmöglich werden, Häuser in dem betroffenen Gebiet zu verkaufen. Und was ist mit dem Lärmschutz mit Blick auf die benachbarte Tagesstätte?, wollten besorgte Bürger wissen.

Bürgermeister H. P. Geil (Venstre) versicherte, dass sich die Kommune zu gegebener Zeit der Problematik annehmen werde. Ansonsten aber werden alle Entscheidungen über das Bauprojekt auf Christiansborg gefällt.

Wie berichtet, haben die Bewohner auf eine alternative Platzierung der geplanten Hangaranlage verwiesen: „Man kann eine derart umweltbelastende Anlage nicht 500 Meter von einem Wohngebiet entfernt bauen“, sagte Agnes Rosenlund: „Verteidigung – weil es etwas zu verteidigen gibt – so das Motto der Luftwaffe: Ihr seid mir die Antwort schuldig, wofür es sich zu kämpfen lohnt!“, betonte Rosenlund in einem emotionsgeladenen Kommentar auf die Baupläne.

„Fakt ist, dass noch nicht entschieden ist, wo die Anlage liegen wird, auch wenn sich abzeichnet, dass es das skizzierte Modell wird“, entgegnete Pugholm Olsen. Dies wolle er den Anwesenden auch gern schriftlich geben. Er signalisierte zugleich Verständnis für die Ängste der Anwohner.

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