Dammkatastrophe

„Ein ganz fantastisch guter Gedenktag“

„Ein ganz fantastisch guter Gedenktag“

„Ein ganz fantastisch guter Gedenktag“

Hadersleben/Haderslev
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Bischöfin Marianne Christiansen im Gespräch mit Finn Stendevad-Nielsen, Helga Aagaard und Poul Arensbach (v. l.) Foto: Karin Riggelsen

Bischöfin Marianne Christiansen feierte die Andacht in der St. Severin Kirche. Bewegendes Treffen mit ehemaliger Krankenschwester und zwei Überlebenden.

Bischöfin Marianne Christiansen feierte die Andacht in der St. Severin Kirche, als das Bistum Hadersleben und die Kommune Hadersleben eine gemeinsame Gedenkveranstaltung durchführten am 60. Jahrestag der Dammkatastrophe am 8. Juli 1959.

Verleger Ove Kirketerp (l.) freute sich über reges Interessere für das Buch „Den tavse tragedie". Das neu herausgegebene Werk von Flemming Just und Poul-Erik Thomsen ist in einer Auflage von 800 Exemplaren erschienen und kostet 250 Kronen. Das Buch wird von den vier lokal verankerten Stiftungen „Stenbjerg Ejendomme A/S“, „Conrad og Sophus Fuglsangs Fond“, „Ellen og Ove Arkils Fond“ und „Den Selvejende Institution Slotsgade 25“ gefördert. Foto: Karin Riggelsen

Zusammenkunft im Gemeindehaus

Fast zum gleichen Zeitpunkt wie sich die Katastrophe vor 60 Jahren auf dem Damm abspielte, versammelten sich Gedenkende im Gemeindehaus der St. Severin Kirche. Der ehemalige Redakteur Flemming Just präsentierte das Gedenkbuch, das er und sein Kollege Poul-Erik Thomsen neu herausgegeben haben.

Die Entstehung des Werks, das erstmals in Verbindung mit dem 50. Jahrestag der Katastrophe, bei der 57 Menschen ums Leben kamen, erschien, setzte bei Betroffenen den Prozess der Vergangenheitsbewältigung in Gang.

Venstre-Bürgermeister H. P. Geil (r.) und der Chef der Bereitschaftsbehörde in Hadersleben, Allan Kirk Jensen, sprachen am Gedenkstein. Foto: Karin Riggelsen

Die Bereitschaftsbehörde lernte dazu

Musiker des Militärorchesters SMUK geleiteten Angehörige und Helfer zur Gedenkstätte auf der Dammhalbinsel. An dem 2009 errichteten Denkmal legten unter anderem Bürgermeister H. P. Geil (Venstre) und Allan Kirk Jensen, Chef der Bereitschaftsbehörde in Hadersleben, Kränze nieder. Der Bürgermeister lobte den früheren Geschäftsmann Ove Dam, der der Gedenkstätte 2009 den Weg bereitet hatte. Kirk Jensen war gekommen, um frühere Kollegen und Ersthelfer zu ehren.

„Die Bereitschaftsbehörde war damals mit 30 Leuten vor Ort. Wir haben viel gelernt bei dem Einsatz. So sind beispielsweise Erste-Hilfe-Leistungen am Unfallort ein Teil unserer Ausbildungskompetenz geworden“, so Kirk Jensen. Mangelnde Hilfeleistung der Behörden auf und am Damm gaben 1959 Anlass zur Kritik. Auch die fehlende Möglichkeit, Verletzte, von denen viele unter Brandwunden litten, über die damalige Amtsgrenze nach Kolding zu fahren, sorgte für Beschwerden.

Finn Stendevad-Nielsen (l.), Helga Aagaard und Poul Arensbach Foto: Karin Riggelsen

Krankenschwester und Opfer gedenken gemeinsam

Für die pensionierte Operationsschwester Helga Aagaard und Finn Stendevad-Nielsen gab es ein nettes Wiedersehen. Der gebürtige Sonderburger Stendevad-Nielsen verlor bei der Katastrophe seinen jüngeren Bruder Ib und seine Großeltern. Es ist seiner Initiative zu verdanken, dass die Gedenkfeier durchgeführt wurde. Der frühere Bibliothekar hat als einer der wenigen Überlebenden und Angehörigen seit Jahrzehnten die Katastrophe mit Worten ausgedrückt.

Am Gedenkstein machte Stendevad-Nielsen seinen Freund Poul Arensbach, der bei der Katastrophe seinen Vater verlor, mit Helga Aagaard bekannt. Die 86-jährige Haderslebenerin hätte an jenem Juli-Abend mit Ehemann Carl Aagaard Freunde zur Nachfeier ihrer Hochzeit eingeladen. Als die Straßen der Domstadt von Martinshörnern widerhallten, kehrte sie, statt zu feiern, ins Amtskrankenhaus zurück. Helga Aagaard war 42 Jahre in ihrem Beruf tätig. Die Stunden und Tage nach der Dammkatastrophe wird sie nie vergessen. Mit ihren Kollegen kämpfte sie um das Leben der Verletzten. Sie ist dankbar, dass sie erneut die Möglichkeit hatte, einen würdevollen Gedenktag zu verleben: „Das war ein ganz fantastisch guter Gedenktag.“

Pastorin Christa Hansen (l.) vom deutschen Teil der Gemeinde in Alt Hadersleben und der Domgemeinde hat die Vorbereitungen für den Gedenktag mitgetragen. „Ich finde es wichtig, solche Jahrestage zu begehen. Die Dammkatastrophe nimmt in den Familien, aber auch in Hadersleben, eine große Rolle ein. Deswegen ist es gut, den Menschen einen Raum dafür zu öffnen, um zu trauern und sich zu besinnen", so die Pastorin. Foto: Karin Riggelsen
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