Museumswelt

Fund mit Seltenheitswert: Schmelztiegel macht Schlagzeilen

Fund mit Seltenheitswert: Schmelztiegel macht Schlagzeilen

Fund mit Seltenheitswert: Schmelztiegel macht Schlagzeilen

Karin Friedrichsen
Karin Friedrichsen Journalistin
Hadersleben/Haderslev
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Lennart Madsen, Einheitsleiter am Museum in Hadersleben Foto: Karin Friedrichsen

Der Fund eines 5.500 Jahre alten Schmelztiegels aus Kupfer birgt in der Fachwelt eine Sensation. Der Fund wurde vor über 30 Jahren in Lönt ausgehoben. Der museale Einheitsleiter freut sich darüber, dass das wertvolle Objekt der Nachwelt erhalten geblieben ist.

Ein kleines Stück des alten Schmelztiegels (Bildschirmfoto) Foto: Nationalmuseum

Als Archäologe Erik Jørgensen vor 1987 und 1988 Ausgrabungen auf der Südseite der Haderslebener Förde bei Lönt/Lønt vornahm, hatte er wohl nicht zu hoffen gewagt, dass ein kleiner und unscheinbarer Schmelztiegel aus diesen Ausgrabungen eine Sensation darstellen würden.

„Erik Jørgensen war ein markanter Archäologe. Nun zeigt sich erneut, wie wertvoll es ist, dass wir Archäologen alles aufbewahren“, so der Einheitsleiter an der archäologischen Abteilung von Museum Sønderjylland, Lennart Madsen, am Montag.

Lennart Madsen in der Abteilung des Museums, wo einige von Erik Jørgensens Fundstücke ausgestellt sind. Foto: Karin Friedrichsen

Alter Schmelztiegel

Laut Ritzau.dk berichtet das Magazin „Videnskab.dk“ über den Fund des mindestens 5500 Jahre alten Schmelztiegels aus Kupfer. Der Fund veranlasst die Forscherin dazu zu überlegen, ob, die dänischen Geschichtsbücher umgeschrieben werden, um das Kupferalter in Dänemark einzuführen.

Den Geschichtsbüchern ein Kupferzeitalter hinzufügen?

Bislang herrschte in Dänemark die Auffassung, dass unsere Vorväter im nördlichen Europa bis zu Beginn des Bronzezeitalters, welches vor rund 2.000 Jahre vor unserer Zeitrechnung begann, Werkzeug aus Stein benutzten. Das revolutionierende beim Wechsel von Steinzeitalter zur Bronzezeit sei, schreibt Ritzau, dass die Menschen begannen Metall zu verarbeiten.

Durch ihre Studie, meint Forscherin Anne Birgitte Gebauer belegen zu können, dass die Zeitrechnung sich verschoben hat. Sie wertet den wenige Zentimeter langen Schmelztiegel als Beweis dafür, dass die Verarbeitung von Metall 1.000 Jahre früher als bislang angenommen vollzogen wurde.Deswegen fragt die Forscherin nun, ob den Geschichtsbüchern ein Kupferzeitalter hinzugefügt werden sollte. Trotz der neuen Auswertung des Fundes scheint es so, dass das Kupfer sehr schnell vom Markt verschwand. Zu „Videnskab.dk“ sagte die Archäologin, dass die Verarbeitung von Kupfer in der damaligen Zeit als magisches Handwerk aufgefasst wurde. Professorin an der Universität in Aarhus, Helle Vandkilde, dass ein einzelner Fund zu wenig ist, um ein ganzes Zeitalter neu zu überlegen.

Die Technik entwickelt sich stetig. Deswegen ist es wichtig, dass wir unsere Funde aufbewahren, damit diese gegebenenfalls neu beleuchtet werden können, wenn neue Technik auf den Markt gekommen ist

Lennart Madsen, Einheitsleiter

Der Nachwelt erhalten

In Hadersleben freut sich Lennart Madsen darüber, dass die Ausgrabung seines 2009 verstorbenen Kollegen, die Archäologie in den Fokus rückt. Jørgensen habe nicht nur Ausgrabungen entlang der Haderslebener Förde, sondern auch mehrere große Ausgrabungen an der Straße zwischen Hadersleben und Aarösund/Årøsund geleitet. „Jørgensen arbeitete auch für das Nationalmuseum“, erinnert sich Lennart Madsen. „Die Technik entwickelt sich stetig. Deswegen ist es wichtig, dass wir unsere Funde aufbewahren, damit diese gegebenenfalls neu beleuchtet werden können, wenn neue Technik auf den Markt gekommen ist“, hebt Lennart Madsen.

„Die Menschen des Steinzeitalters haben offenbar das Metall rund 1.000 Jahre früher genutzt, als wir dachten. Und das wird nicht nur hier in unserer nahen Umgebung so gewesen sein“, meint Archäologe Madsen. Er freut sich darüber, dass der Museumsverbund in Rothenkrug/Rødekro, ein zentrales Magazin errichtet. „Wir bewahren für die Nachwelt. Deswegen ist es gut, dass wir mehr Platz bekommen für unsere Bestände“, sagt Lennart Madsen.

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