Isolation und Schulverweigerung

Familienberaterin über „Stress-Wirrwarr“ und Isolation bei Jugendlichen

Familienberaterin über „Stress-Wirrwarr“ und Isolation bei Jugendlichen

Familienberaterin über „Stress-Wirrwarr“ und Isolation bei Jugendlichen

Karin Friedrichsen
Karin Friedrichsen Journalistin
Mölby/Mølby
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Familienberaterin Jette Nielsen Foto: Karin Riggelsen

Jette Nielsen ist Familienberaterin beim Sozialdienst Nordschleswig – und sie beleuchtete bei der Gesamtgeneralversammlung in Mölby die Problematik mit Schulverweigerung.

Jette Nielsen, Familienberaterin beim Sozialdienst Nordschleswig, nahm am Dienstag an der Gesamtgeneralversammlung der deutschen Gemeinschaft in Mölby teil. In ihrem Jahresbericht sprach sie über ihre Erfahrungen mit Isolation und Schulverweigerung bei Jugendlichen.

Verschiedene Typen der Schulverweigerung

So gebe es verschiedene Typen von Isolation und Schulverweigerung. Bei der totalen Isolation bleibe der Jugendliche zu Hause, und es bestehe lediglich Kontakt zu den Eltern und den allernächsten Familienangehörigen, berichtete Nielsen. In schweren Fällen bleiben die Schulverweigerer sechs Monate oder länger der Schule fern. Habe sich eine soziale Isolation eingeschlichen, nehme der Schüler am Unterricht teil, ziehe sich aber aus seinem sozialen Netzwerk zurück. Der soziale Umgang reduziere sich auf die Familie und vielleicht auf wenige Freunde.

Schwer, den Forderungen gerecht zu werden

Laut Nielsen hängen die verschiedenen Probleme nicht etwa selten mit autistischen Störungen, mit Angst oder Depression zusammen. Den Problemen vorausgegangen sein könnte eine längere Periode, in der der Jugendliche sich nicht wohlfühlte und sich möglicherweise durch die Forderungen, die an ihn herangetragen wurden, überfordert fühlte. „Der Jugendliche begründet die Abwesenheit mit somatischen Symptomen wie Kopfschmerzen, Bauchschmerzen oder Müdigkeit“, setzte Jensen ihren Bericht fort.

Schulpsychologen sind befragt worden

Sie habe Eltern getroffen, die wegen ihrer Kinder nur in Teilzeit arbeiten, weil sie sich um die Jugendlichen kümmern und auch selbst „mit den Nerven fertig waren“, weil sie nicht von Fachleuten beraten wurden, wie sie sich verhalten sollen, so Jette Nielsen. Eine Umfrage unter rund 500 Schulpsychologen, die landesweit im schulpsychologischen Dienst arbeiten, zeigte unter anderem, dass 36 Prozent der Probleme auf Konflikte in der Familie und 25 Prozent auf unzureichende Rahmen und Ressourcen bei der Inklusion zurückzuführen sind, nach Ansicht der Experten. Mit 94 Prozent stehen psychische und soziale Probleme beim Kind und dem Jugendlichen an erster Stelle, wenn die Experten zu ihren Erfahrungen mit Isolation und Schulverweigerung befragt werden. Laut Nielsen sei es wichtig, eine gründliche Untersuchung zu machen darüber, wo das Problem bei dem Einzelnen liegt. Untersuchungen zeigen auch einen Zusammenhang zwischen den Herausforderungen der Schulen mit Inklusion und den sozialen und psychischen Schwierigkeiten der Kinder. „Es spielt jedoch nicht nur eine Rolle bei Kindern, die mit Schwierigkeiten kämpfen. Auch unter den gesunden Kindern leiden mehrere unter der Inklusion“, machte Nielsen aufmerksam.

Aufmerksamkeit auf Allgemeinbildung leidet unter „Stress-Wirrwarr“


Die übergeordnete Darstellung über Konkurrenz in der Gesellschaft und nationale Messungen, fachliche und soziale Leistungsanforderungen, seien in diesen Zeiten oft Gesprächsthema, sagte Jette Nielsen. „Die Kinder spüren den Stress und den Fokus auf diese Dinge“, führte Nielsen fort. „Die Aufmerksamkeit auf Allgemeinbildung und sozialen Zusammenhalt wird oft in dem Wirrwarr vergessen.“
Jette Nielsen meint, dass die Rahmen für eine gute Entwicklung in den Schulen momentan nicht gut genug sind. Die Schulen seien jedoch nicht alleinverantwortlich für diese Tendenz. Das Umfeld sei oftmals von Stress geprägt, mit vielen Angeboten wie beispielsweise soziale Medien, Smartphones und Fernsehen.

Ansprechpartnerin für Jung und Alt

Die Versammlungsteilnehmer dankten Nielsen für ihren bemerkenswerten Bericht. Bei der abschließenden Aussprache erzählte Nielsen, dass ihr durchschnittlich im Jahr drei Jugendliche mit Problemen, die zur Schulverweigerung führen können, begegnen. Sie bemerkt seit fünf Jahren eine steigende Tendenz.
Der Zeitung berichtete Jette Nielsen, dass sie seit elf Jahren beim Sozialdienst tätig ist. In den Aufgabenbereich der ausgebildeten Familientherapeutin und Beraterin sowie Sozialpädagogin, fällt unter anderem die Betreuung von Kindergärten, Schulen und Seniorenklubs. Im Kinder- und Jugendbereich habe sie eine gute Zusammenarbeit mit dem Deutschen Schul- und Sprachverein für Nordschleswig (DSSV). Die 56-Jährige ist Ansprechpartnerin des Seniorenclubs in Mölby. Während Nielsen bei den Älteren größtenteils Hilfestellung bei Behördengängen und Terminen im Gesundheitswesen leistet, sind die Arten der Probleme bei Familien mit Kindern eine andere. Da wird Jette Nielsen unter anderem gerufen, wenn sich Ehepaare trennen und nicht klar ist, in welcher Konstellation die Kinder betreut werden können.
„Die Senioren in Mölby passen aufeinander auf, helfen sich gegenseitig bei Problemen. Ich bin gerne ihre Ansprechpartnerin und unterstütze mit Freude ihre Veranstaltungen“, so Jette Nielsen, die insgesamt vier Ortsvereine betreut.

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