Deutsch in Dänemark

„Die Entscheidung, zu gehen, ist mir schwergefallen“

„Die Entscheidung, zu gehen, ist mir schwergefallen“

„Die Entscheidung, zu gehen, ist mir schwergefallen“

Annika Zepke
Annika Zepke Journalistin
Hadersleben/Wesel
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Hat sich wieder gut in Deutschland eingelebt: Charlotte Hülser. Foto: Privat

In dieser Woche beschäftigt sich „Der Nordschleswiger“ mit dem Thema „Deutsch in Dänemark“. Doch wie ist es, nach Deutschland zurückzukehren? Unsere ehemalige Projektmitarbeiterin Charlotte Hülser hat mit ihrer Familie diesen Prozess durchlebt und verrät, wie es ist, sich nach zwei Jahren in Dänemark im deutschen Behörden-Wirrwarr zurechtzufinden.

Eine Kombination aus langgehegtem Wunsch und glücklichem Zufall war es, die Charlotte Hülser und Julian Jantz vor knapp drei Jahren nach Hadersleben verschlug. Die studierte Skandinavistin hatte schon lange davon geträumt, eines Tages in einem skandinavischen Land zu leben. „Deshalb habe ich auch dieses Studium gewählt“, so Hülser.

Umzug im Schnelldurchlauf

Als sich für ihren Lebensgefährten im Sommer 2018 spontan die Chance auftat, einen Job als Brauer in der Haderslebener Traditionsbrauerei Fuglsang anzutreten, war die Entscheidung, nach Dänemark zu gehen, schnell gefallen.

Im Oktober 2019 trat Charlotte Hülser ihre Stelle als Projektmitarbeiterin im Bereich Marketing und Digitalisierung beim „Nordschleswiger“ an. Foto: DN

„Wir haben dann im Eilverfahren den Umzug geplant“, erinnert sich Charlotte Hülser, die zum damaligen Zeitpunkt noch in Köln wohnte. „Julian hat Anfang Oktober bei Fuglsang angefangen, ich bin dann im Januar 2019 nachgekommen, weil mein Arbeitsvertrag noch bis Ende des Jahres lief.“

Heimatgefühl in Nordschleswig

Obwohl sie anfangs noch keine Aussichten auf einen Job hatte, habe sie sich schnell eingelebt, erzählt Hülser: „Die erste Zeit war natürlich etwas schwierig, weil ich hier ja nichts hatte. Aber als dann alles an seinem Platz stand, ich meine CPR-Nummer hatte, in die Sprachschule ging und beim ,Nordschleswiger’ anfing, wurde alles deutlich einfacher.“

Auch die Kontakte zur Minderheit haben ihr und ihrem Lebensgefährten dabei geholfen, sich in Nordschleswig schnell heimisch zu fühlen. „Gerade den Sommer und all das, was Hadersleben in dieser Zeit zu bieten hat, haben wir total genossen“, schwärmt die ehemalige „Nordschleswiger“-Mitarbeiterin.

„Eingesperrt“ im Lieblingsland

Leider gehörte der soziale Kontakt zu Gleichaltrigen nicht zu den Dingen, mit denen die Domstadt aufwarten konnte, wie Hülser bedauert: „Es war schwierig, Leute in unserem Alter kennenzulernen.“ Sie haben zwar viel mit anderen unternommen, doch das freundschaftliche Verhältnis habe nie die Ebene erreicht, wie sie es aus Deutschland, oder besser gesagt vom Niederrhein, kannten. „Gerade während der Corona-Pandemie war das schwierig.“

Ich fühlte mich auf einmal eingesperrt in dem Land, das ich eigentlich so liebte.

Charlotte Hülser

Als zu Beginn der Pandemie dann die gemeinsame Tochter Frieda zur Welt kam und Besuch aus Deutschland aufgrund der geschlossenen Grenze kaum möglich war, habe sie angefangen, über einen Umzug nach Deutschland nachzudenken. „Ich fühlte mich auf einmal eingesperrt in dem Land, das ich eigentlich so liebte“, erzählt Charlotte Hülser.

Schwere Entscheidung

„Vorher haben wir dauernd Besuch von Freunden und der Familie gehabt, und auf einmal ging das nicht mehr. Gerade mit einem kleinen Baby haben uns vertraute Personen gefehlt, die uns unter die Arme greifen können.“ Als Familie haben sie daher im Februar dieses Jahres den Entschluss gefasst, ihre Zelte in Dänemark abzubrechen und nach Deutschland zurückzukehren. „Die Entscheidung zu gehen, ist mir unheimlich schwergefallen“, räumt Hülser ein.

Charlotte Hülser genießt, wieder in der Nähe ihrer Familie zu wohnen. Dänemark vermisst sie trotzdem. Foto: Privat

Zurück in Deutschland: Behördenkram lässt grüßen

Auch wenn sie und ihre kleine Familie sich in ihrer alten Heimat in Wesel mittlerweile gut eingelebt haben, sei der Umzug nach Deutschland keine einfache Angelegenheit gewesen. „Ich hatte wirklich unterschätzt, wie aufwendig und langwierig dieser Behördenkram ist“, so die 28-Jährige. „Man fängt wieder bei null an und muss gefühlt eine Milliarde Formulare ausfüllen, mit Texten, die selbst für Muttersprachler schwer zu verstehen sind.“

Es war definitiv einfacher, nach Dänemark zu ziehen als wieder zurück nach Deutschland.

Charlotte Hülser

Durch das dänische System, wo die meisten Angelegenheiten über die CPR-Nummer geregelt werden und sich problemlos digital abwickeln lassen, sei sie anderes gewohnt, sagt Hülser mit Blick auf die Digitalisierung. „Man wusste es die ganze Zeit, aber seit unserer Rückkehr merken wir die Unterschiede ganz extrem. Wobei mir die Corona-Pandemie in diesem Fall sogar zugutekommt, dadurch lassen sich auch in Deutschland etliche Dinge online regeln, für die ich sonst aufs Amt müsste.“

Rückkehr nicht ausgeschlossen

Wenn sie ihre Umzüge in die beiden Länder vergleicht, kommt Charlotte Hülser zu einem klaren Fazit: „Es war definitiv einfacher, nach Dänemark zu ziehen als wieder zurück nach Deutschland.“ Vielleicht möchte sie auch deshalb noch nicht ausschließen, eines Tages nach Nordschleswig zurückzukehren: „Mir fehlen das Meer und die Art der Menschen. In Dänemark gehen die Leute einfach mit einem entspannten Gesichtsausdruck durch den Tag. Der Traum von Dänemark ist auf jeden Fall noch nicht ausgeträumt.“

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