Streit um Abwasserstrategie

Bürger nennen Pläne der Kommune „eine Katastrophe“

Bürger nennen Pläne der Kommune „eine Katastrophe“

Bürger nennen Pläne der Kommune „eine Katastrophe“

Hadersleben/Haderslev
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Alternative Methode: Die Weiden verarbeiten das Abwasser und werden einmal im Jahr komplett beschnitten. Foto: Karin Riggelsen

Die geplante Zentralisierung der Abwasseraufbereitungsstationen stößt auf Ablehnung. Bürger warnen vor veralteter und teurer Technologie. Am Dienstag gibt es eine Sondersitzung des Haderslebener Stadtrates zum Thema.

Die geplante Zentralisierung der Abwasseraufbereitungsstationen stößt auf Ablehnung. Bürger warnen vor veralteter und teurer Technologie. Am Dienstag gibt es eine Sondersitzung des Haderslebener Stadtrates zum Thema.

Wohin mit dem Abwasser? Zentral aufbereiten und danach raus ins Meer der Djerniser Bucht spülen, schlägt die Kommune Hadersleben in ihrem aktuellen Abwasserplan „Fra Bæk til Belt“ vor. Die acht Wasseraufbereitungsanlagen in der Kommune sollen in Woyens und Hadersleben zentralisiert werden, das gesammelte Abwasser würde über lange Leitungen in die Ostsee geleitet.

Gegen diese Pläne formiert sich ein massiver Protest. Nicht nur die Sozialdemokraten rufen Bürger und Organisationen dazu auf, sich in der laufenden Anhörungsphase mit kritischen Eingaben zu Wort zu melden, um sicherzugehen, dass das Wasser der Bucht nicht beispielsweise mit Kolibakterien verschmutzt wird. Auch eine Bürgergruppe rüstet sich, die den Plänen der Kommune vor allem eins vorwirft: Sie sind veraltet und weit weg von modernen und nachhaltigen Wasseraufbereitungsanlagen.

Carsten Leth Schmidt über die "veraltete und teure Methode" empört

„Diese Pläne sind eine Katastrophe“, sagt Carsten Leth Schmidt vom Kommunikationsteam der Bürgergruppe. „Die Dezentralisierung des kommunalen Abwassers ist eine veraltete und teure Methode. Es gibt längst nachhaltigere und moderne Aufbereitungsanlagen. Doch die Kommune Hadersleben will sich an Pläne halten, die Anfang der 2000er entstanden sind. Was seitdem technisch alles möglich geworden ist, wird nicht mehr berücksichtigt. Wir halten es für unverantwortlich, beispielsweise aus Woyens das Abwasser durch halb Nordschleswig zu pumpen, was alleine schon eine Vergeudung von Energie ist, anstatt das Abwasser nachhaltig zu nutzen.“

Seine Bürgergruppe verweist in diesem Zusammenhang auf eine Anlage bei Aarhus, wo das Abwasser dezentral in der Natur ausgebracht wird und Energie produziert. „Das ist günstiger für den Bürger und nachhaltig für die Umwelt. In Hadersleben will man stattdessen zentralisieren und ein Dinosaurier-Strategie umsetzen, die mit modernen Standards nichts zu tun hat“, sagt Carsten Leth Schmidt.

Bürgermeister H. P. Geil (V) will zunächst einmal ein Thementreffen mit dem Abwasserbetreiber Provas abwarten, das man im Vorfeld der Stadtratssitzung am Dienstag anberaumt hat.
„Der Stadtrat wird sich umfassend informieren lassen, wir werden uns zwei Stunden Zeit nehmen, um uns über das Projekt schlau zu machen. In dieser Frage gibt es derzeit viele Mythen und Gerüchte und wir wollen sichergehen, dass wir die Entscheidung am Ende auf fachlich korrekten Informationen bauen und dass alle Umweltauflagen erfüllt werden“, so der Bürgermeister.

Sozialdemokraten: "Zweifel müssen der Umwelt zugute kommen."

Bürgermeisterkandidat und Sozialdemokrat Henrik Rønnow sagt: „Wir müssen uns sicher sein, die richtige Entscheidung zu treffen. Ansonsten werden wir uns nicht daran beteiligen, den Verbrauchern eine Rechnung in Höhe von 266 Millionen Kronen zu präsentieren. Wir müssen auf die Umwelt aufpassen. Sollte es Zweifel an dem Abwasserprojekt geben, dann müssen die Zweifel am Ende der Umwelt zugute kommen.“

Die Bürgergruppe will die Politiker auf mögliche dezentrale Lösungen aufmerksam machen. „Wenn wir Nordschleswig als einen Landesteil der nachhaltigen Technologien und innovativ Politik vermarkten wollen, was ja immer gesagt wird, dürfen wir uns jetzt in der Haderslebener Kommune nicht so ein uraltes und umweltunfreundliches Abwassersystem aufbürden. Noch haben wir die Möglichkeit, etwas dagegen zu tun“, sagt Carsten Leth Schmidt. „Ansonsten vergräbt die Kommune demnächst knapp eine halbe Milliarde Krone für eine Technologie von gestern und die Abwasserrechnung von Provas wird die Bürger der Kommune im Vergleich mit anderen Kommunen teurer zu stehen kommen.“swa

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