Naturphänomen

Bienenschwarm auf Abwegen

Bienenschwarm auf Abwegen

Bienenschwarm auf Abwegen

Hadersleben/Ösby
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Überraschungsgäste zu Pfingsten: ein Bienenschwarm auf Abwegen Foto: Erika Hallmann

Erika Hallmann hatte ein Erlebnis der seltenen Art: Auf einem Spaziergang entdeckte sie in einer Thuja einen Bienenschwarm auf Abwegen. Die Drohnen und Arbeiterinnen hatten unter einer neuen Königin von zu Hause Reißaus genommen, als es in ihrer Nisthöhle zu eng wurde.

Erika Hallmann aus Hadersleben mochte ihren Ohren nicht trauen. Gerade hatte sie es sich zu Pfingsten in ihrem Garten gemütlich gemacht, da vernahm sie ein seltsames Geräusch: „Es war ein intensiv schwirrender, sirrender Laut, den ich in einiger Entfernung hörte. Was war das? Ein besonderes Gefährt oder eine Drohne?“
Damit lag die Haderslebenerin gar nicht weit daneben, wenngleich es sich anders verhielt, als zunächst gedacht.
„Kurz darauf brach ich zu meinem Spaziergang auf – und entdeckte etwa 150 Meter von unserem Garten entfernt die Ursache des seltsamen Geräusches“, erzählt sie.

Der Schwarm hatte sich in einer Thuja niedergelassen. Foto: Erika Hallmann

Bienen auf Stippvisite

Dort hatte sich in einer Thuja ein riesiger Bienenschwarm in etwa zwei Metern Höhe häuslich niedergelassen und versuchte, zur Ruhe zu kommen und eine neue Bleibe zu finden.

Die Gartennachbarn hatten sich vorsichtshalber ins Haus zurückgezogen, während Erika Hallmann den Imker Carsten Dyhre Hansen aus Ösby kontaktierte. Dieser hatte alles stehen- und liegengelassen und war unverzüglich nach Hadersleben ausgerückt. Will man einen Schwarm einfangen, gilt es, keine Zeit zu verlieren.

Carsten Dyhre Hansen, sicher in einen Stichanzug gewandet, fing die Tiere vorsichtig ein. Foto: Erika Hallmann

Freude über Familienzuwachs

„In einen Imkeranzug gekleidet, schnitt er einen Zweig nach dem anderen ab und schüttelte nach und nach vorsichtig die Bienentraube in den Kasten“, berichtet Erika Hallmann. Die umherfliegenden und -krabbelnden Tiere würden später auch noch ihrer Königin folgen, so der Bienenfachmann.

Hansen freut sich riesig über den Familienzuwachs: „Zurzeit habe ich 52 Bienenfamilien“, sagt er und fügt scherzend hinzu: „Der Neuzugang muss jetzt erst einmal in Corona-Quarantäne.“

Vorsichtig schüttelte der Imker die Bienentraube in einen Kasten. Foto: Erika Hallmann

Kein Platz in der Höhle

Die Tiere sind vermutlich Teil eines Schwarms, der sich mit einer neuen Königin aus dem Staub gemacht hatte, als es zu eng im Bienenstock geworden ist.

„In diesem Jahr kam das Frühjahr recht spät und mit wechselhaften Temperaturen“, erläutert Dyhre Hansen. „Ist es warm, sind Bienen sehr emsig, und irgendwann ist kein Platz mehr für alle im Bienenstock. Dann kann es unter einer neuen Königin zu einer Teilung des Volkes kommen.“

Hansen bedankte sich bei Erika Hallmann – natürlich mit einem Glas Honig aus eigener Produktion.

Imker Dyhre Hansen beim Einfangen der Bienen Foto: Erika Hallmann
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