Naturschutz

Baupläne an der Förde: Natur-Rat pocht auf Aufschub

Baupläne an der Förde: Natur-Rat pocht auf Aufschub

Baupläne an der Förde: Natur-Rat pocht auf Aufschub

Starup
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Klaus Juhl gehört das Anwesen auf der anderen Seite des Aarøsund Landevej. Er weiß aus eigener Erfahrung, wie schwierig es ist, in Fördenähe zu bauen. Foto: Ute Levisen

Mit Blick auf das Bauvorhaben eines Investors an der Förde in Starup meldet sich der Natur-Rat der Kommune zu Wort: Er möchte gehört werden – und zwar bevor die Politiker das Projekt erneut politisch behandeln.

In Starup sorgen Pläne eines privaten Investors am Aarøsund Landevej 231 für Unmut. Dieser möchte an der Förde zwölf Baugrundstücke mit Fördeblick erschließen. Der Knackpunkt: Bei besagtem Gebiet, Kataster 39, handelt es sich um eines der wertvollsten Orchideen- und Feuchtwiesen-Habitate der Domstadtkommune.

Kein Wort über weitere wertvolle Arten

Zu diesem Schluss kommt ein von der Kommune beauftragter Gutachter, HabitatVision, dessen Aufgabe es war, den Bestand an wilden Orchideen zu dokumentieren (wir berichteten). Lediglich 30 Meter von jenen 1,7 Hektar entfernt, auf denen gebaut werden soll, haben die Biologen des Beratungsunternehmens Kuckucksblumen entdeckt – Tausende an der Zahl. Sie entdeckten noch mehr: weitere schützenswerte Arten aus der Lebensgemeinschaft dieser wilden Orchideen. Welche, davon verrät die Zählung allerdings nichts.

Hinter dieser Hecke verbirgt sich im Sommerhalbjahr die Förde. Klaus Juhl ärgert sich über diese Vernachlässigung. Foto: Ute Levisen

Natur-Rat schaltet sich ein

Bereits vor der Orchideen-Zählung ist die Entscheidung darüber, ob die Planung mit Blick auf das Bauvorhaben weiterläuft, auf Betreiben von Søren Rishøj Jakobsen (Sozialdemokratie), Mitglieds des Technischen Ausschusses, auf den August verschoben worden.
Seither ist viel Wasser in die Förde geflossen. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Orchideen-Zählung hat Jakobsen, zugleich Vorsitzender des Natur-Rates der Kommune, bei Bürgermeister H. P. Geil (Venstre) um weiteren Aufschub in dieser Sache gebeten:

„Der Rat hat sich während der Corona-Zeit nicht treffen können“, sagt Jakobsen und betont, dass das Gremium vor einer politischen Stellungnahme unbedingt gehört werden wolle.
Dann müsse sich der Natur-Rat beeilen, lautet der Bescheid vom Bürgermeister: Noch bis August könne sich der Rat einbringen.

Søren Rishøj Jakobsen, Mitglied des Technischen Ausschusses und Vorsitzender des Natur-Rates der Kommune, hat um Aufschub gebeten, um die umfangreiche Aktenlage zu studieren. Foto: Ute Levisen

Unselige Präzedenz

Unterdessen wächst in Starup der Unmut: Zum einen, so der Tenor von Einwohnern, gebe es dort genug Baugrundstücke: Es sei nicht nötig, eine Naturperle der Kommune „zuzupflastern“. Andere befürchten, dass die Pläne, sollten sie – ungeachtet der strengen Auflagen des Naturschutzgesetzes – jemals umgesetzt werden, einen unseligen Präzedenzfall schaffen.


Diese Sorge ist keineswegs unbegründet. Nach dem September-Gutachten, in dem HabitatVision den natürlichen Zustand der knapp 40 Hektar umfassenden Feuchtwiese an der Förde als gering kategorisiert hatte, gibt es Bestrebungen anderer Grundbesitzer, den Natur-Status weiterer Fördeflächen, Kataster 303, einer Revision zu unterziehen.

In dieser Frage hat die Kommune soeben eine bemerkenswerte Entscheidung gefällt: Dieser Bereich ist auch künftig vom Naturschutzgesetz § 3 umfasst – und dies obwohl HabitatVision zu dem Schluss kommt, dass dessen natürlicher Zustand, nicht zuletzt aufgrund von Eutrophierung (durch Menschen beeinflusste Bodenqualität, z. B. durch Düngung, Anm.d.Red.) vergleichsweise gering ist. Die kommunale Entscheidung gilt für zunächst drei Jahre. Auch vor zehn Jahren hatte die Kommune einen Antrag des Grundbesitzers abschlägig beschieden.

Bauen an der Förde – ganz schwierig

In Tat ist es in der Vergangenheit überaus schwierig gewesen, an der Förde zu bauen – und wenn, dann nur dort, wo alte Anwesen abgerissen worden waren.
Klaus Juhl kann ein Lied davon singen. Er wohnte viele Jahre lang auf der anderen Seite vom Aarøsund Landevej 231. Auch Juhl hatte einen Investor, der bauen wollte – allerdings auf der anderen Seite der Landstraße in Verlängerung des väterlichen Anwesens.

„Unser Bauvorhaben hätte niemanden gestört“, sagt er. Doch die Kommunalverwaltung sei damals unterbesetzt gewesen, der Sachbearbeitungsprozess hätte sich entsprechend in die Länge gezogen – bis 2021.

„So lange konnte mein Investor nicht warten“, sagt Juhl. Er hat das Projekt inzwischen zu den Akten gelegt und sein Anwesen in Starup vermietet. Dennoch kann Juhl, Vorsitzender der Konservativen Volkspartei in Hadersleben, nicht verstehen, dass die Kommune seinen finanzkräftigen Investor auf diese Weise verprellt habe, zumal es nicht um ein Naturschutzgebiet gehe.

Klaus Juhl hat seine Pläne zu den Akten gelegt. Foto: Ute Levisen

Klaus Juhl ist in Starup aufgewachsen – mit Fördeblick – zumindest hatte er beste Aussicht auf die Förde: „Bis der Besitzer des Grundstücks auf der anderen Seite die Hecke ins Kraut schießen ließ. Jetzt ist von der Förde von hier aus nicht mehr viel zu sehen“, bedauert Juhl. Zu diesem Schluss kommt auch die Kommunalverwaltung in ihren Anmerkungen im Rahmen der ersten Ideen-Anhörung, die Anfang Mai endete.

Kampf um wertvolle Natur

Juhl befürchtet, dass die Causa Aarøsund Landevej weitere Interessenten dazu bewegen könnte, alte Baupläne aus der Schublade zu holen und ihr Glück erneut zu versuchen. Bange Ahnungen, die er unter anderem mit dem Staruper Niels-Gunnar Jensen teilt. Dieser arbeitet gegenwärtig daran, Naturschutzorganisationen zu mobilisieren, sollte die Politik kein Einsehen haben. Auch hat Jensen die Kommune soeben zu einer neuerlichen Besichtigung eben jener 1,7 Hektar potenzieller Baufläche aufgefordert, deren Zustand bei der Blumenzählung – aus welchen Gründen auch immer – nicht intensiv begutachtet worden war.

Der Großteil der Fläche in Fördenähe bei Starup ist vom Naturschutz umfasst. Foto: Ute Levisen
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Gwyn Nissen
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