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Bauen an der Förde im Fokus

Bauen an der Förde im Fokus

Bauen an der Förde im Fokus

Starup
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Blick auf die Haderslebener Förde bei Starup. Dort plant ein Investor die Erschließung von zwölf Baugrundstücken. Foto: Ute Levisen

In der kommenden Woche behandelt der Technische Ausschuss das Bauvorhaben eines privaten Investors an der Förde in Starup. Im Vorfeld haben Anwohner am Freitag zu einer Ortsbegehung durch eines der wertvollsten Naturgebiete der Kommune Hadersleben eingeladen.

Das Projekt eines privaten Investors, an der Haderslebener Förde zu bauen – in unmittelbarer Nachbarschaft zu einem der wertvollsten Naturgebiete – hat für Unmut und Schlagzeilen gesorgt. In der kommenden Woche behandelt der Technische Ausschuss das Projekt erneut. Die politische Unterstützung dafür gerät zusehends ins Wanken.

Politische Unterstützung gerät ins Wanken

Zum Ende einer überaus warmen Woche hatten Anwohner der Förde in Starup am Freitag Vertreter aus Politik und Medien zu einer Ortsbegehung an der Förde eingeladen. Ziel war es, einen Eindruck von den natürlichen Verhältnissen vor Ort zu vermitteln.

Niels-Gunnar Jensen (rechts) zeigt Kommunalpolitiker Kjeld Thrane das Gebiet, das als eines der wertvollsten Orchideen- und Feuchtwiesenhabitate der Kommune Hadersleben gilt. Foto: Ute Levisen

Niels-Gunnar Jensen und Dorte Holm Hansen wohnen an der Förde. Ihre Grundstücke befinden sich in unmittelbarer Nachbarschaft zu jenen ca. 18.000 Quadratmetern, auf denen ein Investor zwölf Häuser bauen möchte – ausgerechnet dort, wo sich Fledermaus und Laubfrosch gute Nacht sagen.

Lediglich 30 Meter von der Grundstücksgrenze haben Biologen im Vorsommer wilde Orchideen entdeckt, die unter Naturschutz stehen. Darüber hinaus gibt es dort Laubfrösche, Fledermäuse und Seeadler.

Die Haderslebener Förde ist seit Jahren die Heimat von Seeadlern. Manchmal sehe man die Adler mehrmals am Tag, wie Niels-Gunnar Jensen zu berichten weiß. Foto: Ute Levisen/Modellfoto

Wie lange noch?

Diese bange Frage stellen sich Anwohner seit dem Bekanntwerden der umstrittenen Pläne. Was einige Politiker als Chance betrachten, finanzstarke Einwohner in die Kommune zu locken, ist für andere ein Unding.

„Wird hier gebaut, entzieht man Tieren und Pflanzen in einem unserer wertvollsten Habitate den Lebensraum“, argumentiert Niels-Gunnar Jensen.

Niels-Gunnar Jensen gehören 5,4 Hektar Landwirtschaftsfläche an der Förde, deren Naturpflege sich der ehemalige Fischer auf die Fahnen geschrieben hat. Foto: Ute Levisen

„Es muss ordentlich zugehen“

Kommunalpolitiker Kjeld Thrane von den Konservativen hatte sich der inoffiziellen „Führung“ angeschlossen.

„Ich habe nichts gegen Entwicklung – im Gegenteil“, betont er. „Aber es muss dabei ordentlich zugehen.“

Genau daran hegen inzwischen immer mehr befragte Politiker des Kommunalparlaments Zweifel – nicht zuletzt, weil sie von der zuständigen Kommunalverwaltung lange Zeit darüber im Ungewissen gelassen worden waren, dass es sich bei dem potenziellen Baugrundstück in Starup um ein ehemaliges Naturschutzgebiet handelt.

Dessen Status hatte die Verwaltung, wie berichtet, unlängst aufgehoben. Das angrenzende Gebiet unterliegt indes immer noch dem Naturschutz. Nun machen Orchideen und Laubfrösche nicht vor Grundstücksgrenzen halt.

Diese Baumgruppe auf Jensens Grundstück ist ca. 80 Jahre alt. Angelegt wurde sie, um Kühen Schatten zu spenden. Diese Funktion hat sie bis heute. Foto: Ute Levisen

Natürliche Schätze bewahren

„Wir müssen unsere natürlichen Schätze bewahren“, fordert daher Niels-Gunnar Jensen. Dem ehemaligen Fischer gehören 5,4 Hektar Land an der Förde, deren Pflege er sich auf die Fahnen geschrieben hat.

Vor Jahren hatte es Pläne für einen Wanderweg entlang der Förde gegeben. Seither ist nichts geschehen. Seit dem neuen Kurs der Regierung, wertvolle Natur, unter anderem auf landwirtschaftlichen Nutzflächen, unter erhöhten Schutz zu stellen, schöpft er neue Hoffnung, dass der Zug für die Natur in Dänemark im Allgemeinen und für Starup im Besonderen noch nicht abgefahren ist.

Dorte Holm Hansen im Gespräch mit den beiden Politikern Kjeld Thrane und Klaus Juhl von der Konservativen Volkspartei. Juhl hat ebenfalls ein Anwesen in Starup. Foto: Ute Levisen

Fördermöglichkeiten ausschöpfen

Er schlägt vor, Fördermöglichkeiten für landwirtschaftliche Nutzflächen mit wertvoller Natur wie in Starup für das Gemeinwohl auszuschöpfen – statt unkritisch finanziellen Interessen privater Investoren zu folgen. Für Starup würde dies bedeuten, dass man die Pläne für einen Wanderweg am Wasser wieder aus der Schublade holt – und die Pläne für zwölf Baugrundstücke zu den Akten legt.

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