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Allen Umständen zum Trotz: Fit & erfolgreich

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Hadersleben/Haderslev
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Am 10. Juni feiert Johannes Jensen seinen 90. Geburtstag. Foto: Privatfoto

Johannes Jensen: Dieser Name verpflichtet, auch ohne Vilhelm. Am 10. Juni wird der gebürtige Brøndlunder Johannes „Johs“ Jensen 90 Jahre. Dass er – wie sein berühmter Namensvetter und Nobelpreisträger – einst Buchautor werden würde, in hohem Alter noch dazu, war ihm nicht in die Wiege gelegt worden. Im Gegenteil.

Vor 90 Jahren erblickte Johannes Jensen in Brøndlund zwischen Gramm/Gram und Gabel/Gabøl das Licht der Welt. Die eigenen Eltern betrachteten ihr Kind als unwertes Leben – „eine Schande für die ganze Familie“. Vom eigenen Vater bekam er von Kindesbeinen an zu wissen: „Dich hätte man gleich bei der Geburt ersticken müssen!“ – Harsche Worte und Prügel waren die einzigen treuen Weggefährten des jungen Johs in einer tristen Kindheit.

Eine Schande für die ganze Familie

Sein Makel: eine Lippen-Kiefer-Gaumensegel-Spalte, landläufig Hasenscharte genannt. Es ist eine Fehlbildung, die Jensen auf Schritt und Tritt begleitet hat. Auf dem Lande galt er als minderbemittelt – nicht nur in der eigenen Familie, sondern im ganzen Dorf.

Gemobbt von Groß und Klein, geprügelt vom Vater: Die ersten Lebensjahre des jungen Johs standen unter keinem guten Stern.

In Seenot auf der „Jungfernfahrt“

Nach seiner Konfirmation verdingte er sich als Knecht. Bei der ersten Gelegenheit kehrte er dem Landleben den Rücken und heuerte in Kopenhagen auf einem Segelschiff an. Auf seiner „Jungfernfahrt“ geriet das Schiff des jungen Mannes in Seenot. Auch davon ließ er sich nicht unterkriegen. Viele Jahre lang war Jensen auf den Meeren der Welt zu Hause.

Nervensache

Seinen Traum von einer Ausbildung zum Navigator aber musste er begraben, denn seine Eltern hatten ihm ein schweres Erbe vermacht: Die Nerven lagen blank. Die Ärzte verordneten Nervenmedizin, die zu einer verhängnisvollen Abhängigkeit führte – und dazu, dass Johs schließlich den Beruf des Matrosen an den Nagel hängen musste.

Neuer Job, neues Glück

Fürder suchte Johannes Jensen sein Glück an Land. In einem Kopenhagener Autogeschäft fand er Arbeit. Doch bei den Kollegen dort hatte er keinen guten Stand: Selbst einem Verdurstenden in der Wüste könne er keinen Liter Wasser andrehen, hieß es.

Johs suchte und fand sein Glück in einem anderen Autohaus, wo man dem jungen Mann eine Chance gab. Die Rechnung ging auf. Wenige Jahre später stand Johannes Jensen an der Spitze eines der ersten und größten Toyota-Autohäuser Dänemarks.

Steinige Pfade

Vor elf Jahren gründete er einen eigenen Verlag und veröffentlichte seine Erinnerungen „Ad brydsomme veje“, die als Buch, Hörbuch und als E-Buch erschienen sind.

Das Werk schildert die entbehrungsreiche Kindheit von Johannes Jensen, aber auch den späteren Erfolg sowie seine Jahre mit Christa, seiner großen Liebe. Als sie vor einigen Jahren verstarb, war das Paar 42 Jahre lang gemeinsam durch dick und dünn gegangen.
Heute lebt der Jubilar in Vallensbæk Stationstorv bei Kopenhagen und radelt tagtäglich neun Kilometer, um sich fit zu halten.

Am 10. Juni feiert Johannes Jensen, der Mann, dessen Leben kein Versicherungsvertreter absichern wollte, seinen 90. Geburtstag.

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