Thema der Woche: Made in Nordschleswig

Exportschlager: Kuh-Komfort

Exportschlager: Kuh-Komfort

Exportschlager: Kuh-Komfort

Annika Zepke
Annika Zepke Journalistin
Hadersleben/Haderslev
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Kuh-Komfort made in Nordschleswig: Das Unternehmen Cow-Welfare steht für flexible Stalleinrichtungen, die an das natürliche Verhalten von Milchkühen angepasst sind. Foto: Pressefoto

Milch von glücklichen Kühen wird überall nachgefragt. Kein Wunder, dass das Haderslebener Unternehmen „Cow-Welfare“ von Tommy Wollesen mit seinen flexiblen Stalleinrichtungen für Milchkühe weltweit Erfolge feiert.

In einem unscheinbaren Gebäude am Langkær im Industriegebiet südlich von Hadersleben hat „Cow-Welfare A/S“ seinen Firmensitz. Das Unternehmen von Inhaber Tommy Wollesen revolutioniert seit einigen Jahren die Milchviehhaltung mit einem besonderen Exportschlager: Kuh-Komfort – genauer gesagt, innovativen Stalleinrichtungen, die auf die natürlichen Bedürfnisse der Tiere abgestimmt sind.

Das Kuhwohl im Fokus

„Das klingt für Umweltschützer vielleicht merkwürdig, dass wir ausgerechnet im Stall das Wohlbefinden der Tiere verbessern wollen, aber dort können wir tatsächlich mehr für die Milchkühe tun als auf der Weide“, erklärt Tommy Wollesen. Im Freien seien die Vierbeiner häufig ebenfalls erschwerten Bedingungen wie Hitze oder sumpfigen Böden ausgeliefert, im Stall hingegen könne konkret etwas für das Kuhwohl getan werden, so der Inhaber von „Cow-Welfare A/S“.

In seinem Büro am Langkær plant Firmeninhaber Tommy Wollesen in enger Zusammenarbeit mit den Landwirten den Umbau ihrer Stalleinrichtung. Sein bislang größtes Projekt war ein Stall für 18.000 Kühe in den USA. Foto: Annika Zepke

Angefangen hatte alles im Jahr 2003 in einem Vier-Quadratmeter-Büro im Haus der Wollesens. „Ich war damals uneinig mit meinem früheren Chef. Er war der Meinung, dass ein hoher Milchertrag vor allem von gutem Futter abhängig ist. Ich habe das anders gesehen. Den Kühen muss es gutgehen, sie müssen entspannen können und dürfen keinen Stress oder gar Schmerzen haben“, erklärt der ausgebildete Schmied, der den Umgang von klein auf gelernt hat. Bereits im zarten Alter von vier Jahren wurde ihm von seinem Großvater gezeigt, wie Kühe gemolken werden.

Innovation mit natürlichen Wurzeln

„Ich habe das Verhalten der Rinder im Stall und in der Natur ausgiebig studiert, miteinander verglichen und anschließend Produkte entwickelt, die den Milchkühen ermöglichen, sich im Stall freier und natürlich bewegen zu können“, sagt Wollesen. Das Resultat sind flexible Boxen, nach oben offene Fressgitter sowie Schlauchbelüftungssysteme und schräge Matratzen, die den Milchkühen eine bequeme Liegeposition ermöglichen. Kurzum – Kuh-Komfort der Extraklasse.

Dank der beweglichen und nach oben offenen Fressgitter können die Rinder beim Fressen zwischendurch ohne Probleme die Köpfe heben. Das entspricht auch dem natürlichen Fressverhalten der Tiere, erklärt Wollesen. In traditionellen Ställen werde dies häufig durch Eisenstangen verhindert und die Nahrungsaufnahme dadurch unnötig in die Länge gezogen. Foto: Pressefoto

Hinter den Produkten, für die das Unternehmen weltweit in 40 Ländern das Patent hat, steckt eine simple Rechnung, wie der Inhaber und Firmengründer erklärt: „Kühe haben drei primäre Bedürfnisse: Fressen, Trinken und Ausruhen. Je entspannter die Kuh ist, desto mehr Milch gibt sie. Wir versuchen deshalb, jeglichen Stress aus dem Stall zu verbannen.“

Entspannte Kühe als Schlüssel zum Erfolg

Das Verhalten der Vierbeiner sei in diesem Zusammenhang ähnlich wie das der Menschen. „Wenn es uns nicht gutgeht, weil wir gestresst sind oder Schmerzen haben, dann haben wir auch keinen Appetit“, erläutert der gebürtige Rothenkruger. Viele der traditionellen, aus Eisenstangen bestehenden Stalleinrichtungen würden jedoch dafür sorgen, dass es bei der Fütterung zu Rangeleien kommt, die Rinder sich an den Fressgittern Verletzungen zuziehen oder der natürliche Bewegungsablauf der Tiere eingeschränkt ist.

Die Liegeboxenbügel aus Kunststoff sind stabil genug, um dem Gewicht der Kühe standzuhalten, aber flexibel genug, um Druckstellen und Verletztungen zu vermeiden. Tommy Wollesen zeigt, wie das Prinzip funktioniert. Foto: Annika Zepke

In enger Kooperation mit Tierärzten und Experten des Zentrums für Tierhaltung und Technik an der Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau Sachsen-Anhalt hat Tommy Wollesen daher eine flexible Stalleinrichtung entwickelt, die den Kühen mehr Bewegungsfreiraum beim Fressen lässt.

Längeres Liegen lohnt sich

Damit Kühe bei der Milchproduktion zur „Höchstform“ auflaufen, müssen sie allerdings nicht nur viel und frei fressen können, sondern auch möglichst lange liegen. Auch hier ist die Gleichung laut Wollesen denkbar einfach: „Je schneller die Kuh frisst, umso länger kann sie liegen und sich entspannen. Dank unserer flexiblen Fressgitter und Boxen konnten wir die Liegezeit der Kühe nachgewiesenermaßen um eine Stunde erhöhen. Für den Landwirt bedeutet das wiederum mindestens vier Liter Milch mehr pro Kuh.“

Die grüne Farbe der Kunststoffstangen hat einen hohen Wiedererkennungswert und ist Teil des Produktpatents. Foto: Pressefoto

Ganz günstig sei die Anschaffung einer solchen Komfort-Stallausstattung zwar nicht, doch die Investition mache sich bezahlt, meint der Geschäftsmann: „In der Regel haben die Landwirte ihre Ausgaben innerhalb von drei bis sechs Monaten wieder reingeholt. Deshalb sind wir weltweit so beliebt“, sagt Wollesen.

Kleines Unternehmen, großer Erfolg

Über ein Händlernetzwerk liefert das Unternehmen von Tommy Wollesen inzwischen in 36 verschiedene Länder. Am stärksten nachgefragt sind die flexiblen Stalleinrichtungen mit der unverkennbaren grünen Farbe neben Deutschland in den USA, Kanada und Südafrika. In Letzterem sind seit 2013 alle Stallneubauten mit den Produkten des Haderslebener Unternehmens ausgestattet worden, verrät Wollesen nicht ganz ohne Stolz. Doch auch in Russland, Thailand und Australien ist der nordschleswigsche Kuh-Komfort beliebt.

Die Produkte von „Cow-Welfare A/S“ sind vielfach ausgezeichnet worden. Besonders stolz ist Inhaber und Firmengründer Tommy Wollesen auf die Auszeichnung durch Nordeuropas größte Landwirtschaftsmesse sowie das Prädikat „Neuheit des Jahres 2013“ des deutschen Landwirtschaftsverlags. Foto: Annika Zepke

Es seien nicht nur das Kuhwohl und die Gewinnoptimierung, die die Cow-Welfare-Produkte für Landwirte attraktiv machen und dem Unternehmen zu einem jährlichen Wachstum von 10 bis 15 Prozent verhelfen: „Der Klimaaspekt spielt natürlich auch eine wichtige Rolle“, weiß der 59-jährige Firmeninhaber, „mit entspannten und ‚produktiveren‘ Kühen können die Landwirte ihren Viehbestand um etwa 10 Prozent verringern und trotzdem dieselben Milcherträge erzielen. Das spart CO2.“

Firmengründer und Inhaber Tommy Wollesen zusammen mit dem neuen Direktor von „Cow-Welfare A/S“, Jens Christian Hertel Foto: Annika Zepke
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Leitartikel

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
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