Jubiläum

100 Jahre HIF und die deutsche Minderheit

100 Jahre HIF und die deutsche Minderheit

100 Jahre HIF und die deutsche Minderheit

Hadersleben/Haderslev
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Der Vorstand vom HIF: Iben Kehlet, Heidi Colstrup, Kim Petersen und Martin Hansen Foto: Ute Levisen

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Am 20. August wird es 100 Jahre her sein, dass der Haderslebener Sportverein HIF das Licht der Welt erblickte. Der Club und seine Mitglieder feiern dieses Jubiläum mit einem Fest und dem traditionellen Lauf durch den Vesterskov. Zugleich blickt HIF zurück auf eine Nachkriegsgeschichte, in der nicht immer eitel Sonnenschein herrschte.

Das Wetter ist prachtvoll an diesem Dienstagabend. Der Vorstand von „Haderslev Idræts Forening”, kurz HIF, hat die Presse auf den Außenanlagen am Stadium von Hadersleben zur Audienz eingeladen. In diesem Sommer haben die Mitglieder doppelten Grund zum Feiern: Am 20. August begeht der HIF sein 100-jähriges Bestehen. Die sportliche Krönung wird der traditionelle Lauf durch den Vesterskoven, „Vesterskovløbet“, sein.

Eigentlich findet dieser Lauf durch den idyllisch gelegenen Wald alle Jahre wieder zu Christi Himmelfahrt statt: „Wegen der Coronapandemie haben wir ihn auf den August verschoben“, sagt Iben Kehlet. Sie gehört zu dem fünfköpfigen Organisationsteam, das die Feierlichkeiten und den Lauf organisiert. Da fällt einiges Arbeit an.

Martin Hansen hat das neue Logo des Sportvereins entworfen. Foto: Martin Hansen

Neues Logo

Und ein neues Logo musste her: Zum 100. Geburtstag entwarf Martin Hansen, Mitglied der Arbeitsgruppe – und zu deren Glück ausgebildeter Grafiker – ein neues Markenzeichen: in schlankem, zeitgemäßem Design. Es ist das fünfte Logo in der Geschichte des Sportvereins der Domstadt.

Dessen Jubiläum ist zugleich Anlass, einen Blick zurückzuwerfen – auf die Jubiläumszeitschriften von 1922 bis 1997, beispielsweise. Die Dokumente offenbaren eine bemerkenswerte Entwicklung.

Der HIF kann sich über ein besonderes Geburtstagsgeschenk freuen: Der Kultur- und Freizeitausschuss spendierte dem Verein zum Jubiläum eine Renovierung der Leichtathletikanlage am Stadion. Foto: Ute Levisen

So herrschte in der Nachkriegszeit nicht immer eitel Sonnenschein. Noch drei Jahre nach dem Ende der Besatzung durch Hitler-Deutschland diskutierten die Vorstände der Sportvereine von Hadersleben, unter ihnen der HIF, ob man Angehörige der deutschen Volksgruppe überhaupt in ihre Reihen aufnehmen sollte.

An dieser Frage schieden sich die Geister der damaligen Entscheidungsträger, wie ein Blick in das umfassende Vereinsarchiv offenbart. Mit knapper Mehrheit votierten die Mitglieder 1948 dafür, auch deutsche Nordschleswiger in ihre Reihen aufzunehmen – allerdings nicht bedingungslos. So sollte eine Mitgliedschaft der Betreffenden in deutschen Organisationen zum Ausschluss aus dem HIF führen können.

Erstbegehung der Sportanlage: 1,4 Millionen Kronen hat deren Renovierung gekostet. Foto: Ute Levisen

„Wieder die Dummen“

Bemerkenswert waren damals die Argumente der Gegner einer Aufnahme: Angesichts der Erfahrung aus der Zeit der deutschen Besatzung äußerten sie die Befürchtung, dass sich die Volksgruppe, sollte sich ihr die Gelegenheit bieten, erneut gegen die Mehrheitsbevölkerung wenden könnte: „Und dann sind wir wieder die Dummen“, stellte ein gewisser Lehrer Riis fest. Ein Bürger namens Thøger Thomsen wird mit Verweis auf den Haderslebener Turnerbund für folgende Worte zitiert: „Wir laufen Gefahr, eine ganze Abteilung Turnerbund zu bekommen.“

Zweite Chance für die Minderheit

Die Fürsprecher einer zweiten Chance für die Minderheit indes argumentierten damit, dass es eine einmalige Chance sei, Volksgruppendeutsche zu „bekehren“. P. Hjorth: „Wir dürfen sie nicht in das andere Lager jagen.“

Das alles war einmal. Aus den einstigen Gegnern sind inzwischen Partner und Freunde geworden. Heute zählen selbstredend Angehörige der deutschen Minderheit in Hadersleben sowie Schülerinnen und Schüler der Deutschen Schule Hadersleben (DSH) zu den Mitgliedern des HIF, wie der Vorstand betont.

Erneut in sportlicher Höchstform

Optimistisch stimmt auch der Blick auf die sportliche Entwicklung des Vereins in den vergangenen Jahrzehnten: „Vor 25 Jahren mischte der HIF an der Spitze mit“, erzählt Heidi Colstrup, im HIF-Vorstand zuständig für die Sparte Athletik. Es folgte eine Zeit der sportlichen Flaute. Ursachen dafür gebe es viele, ergänzt Kim Petersen, Vorsitzender des HIF: „Es fehlte der Fokus auf der Talentförderung – und letztlich haperte es auch an Sponsoren.“

Der Vorstand ist am Start. Zurzeit hat das Organisationsteam alle Hände voll mit den Vorbereitungen der Feierlichkeiten und des Laufs am 20. August zu tun. Foto: Ute Levisen

Sponsoren gesucht

Apropos: Sponsoren! „Von ihnen hätten wir gern mehr“, räumt Heidi Colstrup ein. Denn die Vereinsarbeit lebt nicht vom Ehrenamt allein.

Ihre 17-jährige Tochter gehört zu jenen HIF-Mitgliedern, denen es zu verdanken ist, dass der HIF inzwischen auch sportlich wieder auf der Höhe – und auf der dänischen Landkarte der Leichtathletik zu finden ist: Camilla Colstrup wird als Team der U-18-Nationalmannschaft Anfang Juli an der Europameisterschaft im Speerwurf in Jerusalem teilnehmen. Dankbar ist der Verein für die Unterstützung durch Haderslev Talentråd, der die Teilnahme des jungen Leichtathletik-Talents fördert.

Wieder in Höchstform

Auch bei den nordischen Meisterschaften war der HIF vertreten – und die Senioren des Vereins können ebenfalls mit den jungen Athletinnen und Athleten Schritt halten: So hatte Rene Steenbjerg Olsen (57) sowohl an der Weltmeisterschaft als auch an der Europameisterschaft im Duathlon teilgenommen. Er gewann in seiner Altersklasse 55-60 und ist frischgebackener Europa- und Weltmeister im Duathlon.

Vor Kurzem imponierte unter anderem Milan Axelgaard, mit 17 Lenzen der jüngste Teilnehmer, über 800 Meter bei der dänischen Meisterschaft in Aalborg, auch wenn er eine Platzierung nur knapp verfehlte.

Für den Vereinsvorstand sind die Leistungen seiner Mitglieder somit ein Grund mehr, mit Optimismus auf die nächsten 100 Jahre zu blicken.

Zu den Feierlichkeiten am 20. August wird es einen Empfang im Sportcenter HIC geben. Foto: Ute Levisen
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