Kultur

Grenzüberschreitende Unterstützung für die Kutschensammlung

Grenzüberschreitende Unterstützung für die Kutschensammlung

Grenzüberschreitende Unterstützung für die Kutschensammlung

Karin Friedrichsen
Karin Friedrichsen Journalistin
Hadersleben/Haderslev
Zuletzt aktualisiert um:
Aksel Clausen (l.) und Johannes Mailandt begutachten ein Ausstellungsobjekt. Foto: Karin Riggelsen

Die Kutschensammlung ist eine der Einrichtungen, die dem kommunalen Sparzwang zum Opfer fallen könnte. Die elf Freiwilligen, die in der Werkstatt arbeiten, bezeichen eine mögliche Schließung als unheilvolle Entwicklung. Die Kooperationspartner in Deutschland reagieren mit Bestürzung.

Die Kutschensammlung in Regie der Kommune Hadersleben und „Historie Haderslev“ ist eine von fünf Kulturinstitutionen, die von einer möglichen Schließung betroffen sein könnte durch den Sparzwang bei den kommunalen Haushaltsverhandlungen.

In einem von der bürgerlichen Mehrheitsgruppe des Stadtrates vorgelegten Handlungskatalog ist die Sammlung als mögliches Sparobjekt aufgelistet. Bei der öffentlichen Anhörung, die am 14. August zu Ende ging, regt sich der Widerstand aus der Bevölkerung. Eine mögliche Schließung der Kutschensammlung stößt nicht nur auf Protest bei Bürgern in Hadersleben. In Deutschland stehen unter anderem Kooperationspartner der „Fahrergemeinschaft Schleswig-Holstein/Hamburg Region Nord“ und „Danevirke Museum“ der Sammlung bei in der schwierigen Situation.

Die Freunde in Deutschland springen in die Bresche

„Ich habe von den Gedanken, das Kutschenmuseum im Ort zu schließen, gehört und bin bestürzt, dass solch ein kulturstarkes Museum eventuell geschlossen werden könnte. Wo es doch noch so viel mehr ausgebaut und erweitert werden müsste, integriert in das Gesamtbild der Kommune“, schreibt Miriam Mauroschat, Regionalbeauftragte der „Fahrergemeinschaft Schleswig-Holstein/Hamburg Region Nord", und Betreiberin der „Fahrerfreunde-NF“, in ihrer Anhörungsantwort an die Kommune Hadersleben. Die Süderlügumerin bezeichnet die Sammlung und das dazugehörige Wissen als sehr wichtiges Kulturkapital, das ihrer Ansicht nach nicht verloren gehen darf. „Im Jahr der Kultur darf ein solch einschneidendes Kulturgut nicht verschwinden“, warnt Miriam Mauroschat, die grenzüberschreitend mit der Sammlung zusammenarbeitet.

Hans-Jürgen Staack, 2. Vorsitzender der „Fahrergemeinschaft Schleswig-Holstein/Hamburg", erklärt, dass Gespann-Fahrer aus dem nördlichen Deutschland eine eventuelle Schließung sehr bedauern würden. „Die Gestaltung des Museums mit den Themen aus diversen Epochen hat es uns Besuchern angetan. Die Vielfalt der ausgestellten Wagen für die diversen Nutzungen können ein gutes Bild über die vergangene Zeit mit Pferdegespannen vermitteln“, heißt es unter anderem in der Anhörungsantwort von Hans-Jürgen Staack.

„Einmalige Vermittlungsstelle“

Nis Hardt, Leiter des „Danevirke Museum“ bei Schleswig, bezeichnet die Sammlung und deren Werkstatt als eine „einmalige Vermittlungsstelle in der deutsch-dänischen Museumslandschaft“. Hardt macht außerdem darauf aufmerksam, dass die Sammlung die einzige öffentlich zugängliche Ausstellung mit Pferdekutschen ist in Nord- und Südschleswig. Einmalig sei auch die arbeitende Werkstatt.

Die Freiwilligen arbeiten jeden Mittwoch in der Werkstatt. Foto: Karin Riggelsen

Damoklesschwert schwebte bereits vor zwei Jahren über der Sammlung

Es ist nicht das erste Mal, dass die Kutschensammlung von Schließung bedroht ist. Bei der Wiederherstellung der Sammlung unter dem kommunalen Dach von „Historie Haderslev“ im Juli 2017 schienen die etwa 180 Objekte der Sammlung gerettet zu sein.

„Wir bedauern die Situation sehr und sind traurig, dass die Gefahr besteht, dass die Ausstellungsobjekte in alle Winde zerstreut werden könnten. Dadurch könnte wertvolles geschichtliches Wissen über Kutschen und das Handwerk drumherum verloren gehen“, sagt Henrik Bjerregaard, Vorsitzender von „Vognsamlingens Værkstedsklub“. Dem Klub gehören elf pensionierte Handwerker an, die unter der Leitung von Daniela Andersen für die Sammlung tätig sind. Die Ehrenamtler haben ausgerechnet, dass sie im Jahresdurchschnitt etwa 3.240 Stunden in der Werkstatt verbringen.

Die Männer gehen aber nicht auf die Barrikaden, weil sie um ihr Hobby fürchten. „Wir sind nicht besorgt, weil wir bei der Schließung der Sammlung unser Ehrenamt verlieren würden. Uns geht es um den Erhalt des Kulturgutes“, unterstreicht Bjarne Boddum. Der Süderwilstruper ist mit seinen 81 Jahren Alterspräsident der freiwilligen Werkstattmitarbeiter, die alle handwerklich geschickt sind. Jüngstes Mitglied ist der 67-jährige Aksel Clausen.

Stadtratspolitiker zeigen Interesse

Seit der Veröffentlichung des Sparkatalogs besuchten etliche Stadtratspolitiker die Einrichtung. Die Freunde sind erstaunt darüber, wie wenig bekannt die Sammlung in der breiten Öffentlichkeit ist, obwohl sie seit 2002 in der ehemaligen Kleiderfabrik von Schaumann angesiedelt ist. Es war Buchhändler Johannes Nielsen, der 1952 den Grundstein legte. 40 Wagen sind Eigentum des Vorbesitzers „Museum Sønderjylland“. Die Kommune verpflichtete sich zum Erhalt der musealen Objekte. Die restlichen etwa 140 Wagen befinden sich in kommunalem Besitz. Diese Wagen könnten „prinzipiell irgendwann und irgendwo entsorgt werden“, fürchtet Bjerregaard.

Schleswigsche Partei bringt sich ein

Carsten Leth Schmidt, Stadtratsmitglied der Schleswigschen Partei (SP) mit Sitz im Kulturausschuss, bekundete nach einem Besuch der Sammlung im Juni, dass die SP eine eventuelle Schließung nicht mittragen könne. Die Einrichtung sei, so Leth Schmidt, eine einzigartige Kombination von Geschichtsgut und arbeitender Werkstatt, und sie habe das Potenzial dafür, weiterentwickelt zu werden. Der SP-Politiker regte an, dass die Fortexistenz der Sammlung mithilfe von Mitteln aus dem Staatshaushalt gesichert werde, da die Sammlung und die arbeitende Werkstatt von nationaler Bedeutung sind.

Schnelle Entscheidung erwünscht

„Wir hoffen auf eine baldige Entscheidung“, so Bjerregaard, für den die Wartezeit schwer zu überbrücken ist. Sollte sich die Mehrheit des Stadtrates für die Streichung der Sammlung entscheiden, könnte diese frühestens zum Ende des Jahres 2020 geschlossen werden, haben die Freiwilligen erfahren.

Die Kutschensammlung wähnt sich als Nordeuropas größte Sammlung von Pferdefuhrwerken und Schlitten, die auch über ein umfassendes Archiv verfügt. Die Kutschen und das Fachwissen der ehrenamtlichen Handwerker um die Erhaltung und den Bau von Rekonstruktionen wird von Experten als wichtiges Kulturgut bezeichnet. In der Werkstatt lernen Kinder und Jugendliche, wie vor langer Zeit Pferdewagen gebaut wurden und erfahren, welche Handwerker damit beschäftigt waren. Die Kutschensammlung arbeitet unter anderem mit Museen im In- und Ausland zusammen und stellt ihre Wagen für Fernsehaufzeichnungen und Tourismus-Events zur Verfügung. Es war der Haderslebener Buchhändler Johannes Nielsen, der in den 1950er Jahren die Initiative zur Gründung des Museums nahm.

Die Mitglieder von „Vognsamlingens Værkstedsklub": Aksel Clausen, Bjarne Boddum, Johannes Mailandt, Knud Isaksen, Gunnar Hansen, Hans Holm, Henrik Bjerregaard, Kjeld Nissen, Søren Sørensen und Carl Aage Olsen (v. l.). Lorens Andresen war bei dem Fototermin nicht anwesend. Foto: Karin Riggelsen
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