Thema der Woche: Familie

„Unser Leben ist genau so, wie wir es uns wünschen“

„Unser Leben ist genau so, wie wir es uns wünschen“

„Unser Leben ist genau so, wie wir es uns wünschen“

Annika Zepke
Annika Zepke Journalistin
Hadersleben/Haderslev
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Seit 33 Jahren glücklich verheiratet: Jan und Lene Sternkopf Foto: Annika Zepke

Kinder sind etwas Wunderbares, finden Jan und Lene Sternkopf. Eigene Kinder haben die beiden dennoch nicht und sind rundum glücklich mit ihrer Entscheidung, wie sie im Gespräch mit dem „Nordschleswiger“ erzählen.

Seit 33 Jahren sind Lene und Jan Sternkopf glücklich verheiratet. Er ist in der deutschen Minderheit in Hadersleben aufgewachsen, sie stammt ursprünglich von der Insel Fünen. Zusammen mit der französischen Bulldogge, die auf den Namen „Frodo“ hört, wohnt das Ehepaar in einem ruhig gelegenen Haus am Stadtrand von Hadersleben. Kinder haben sie keine – und das ist gut so, sind sich die beiden einig.

Brennendes Bedürfnis nach eigenen Kindern blieb aus

„Wir haben uns erst mit 27 Jahren kennengelernt, und dann waren wir mit unseren Ausbildungen und Berufen beschäftigt“, erzählt Lene Sternkopf. Anfänglich sei sie noch ihrer Ausbildung in Aarhus nachgegangen, später hatte sie ihren eigenen Laden, während Jan Sternkopf nach dem Lehramtsstudium einige Jahre als Lehrer arbeitete, bevor er beruflich umsattelte und beim „Nordschleswiger“ seine Karriere als Journalist begann. „Und dann waren wir plötzlich 40“, meint Lene Sternkopf lachend, „die Zeit ist einfach so verflogen.“

Jan und Lene Sternkopf sind glücklich mit ihrem Leben ohne eigene Kinder. Foto: Annika Zepke

Die Frage, ob sie eigene Kinder haben wollen oder nicht, hätten sie eigentlich nie richtig diskutiert, so Lene Sternkopf. „Wir haben einfach nicht dieses brennende Bedürfnis verspürt“, sind sich die beiden einig. Stattdessen hat das Paar viele Reisen unternommen und längere Aufenthalte in Schottland und Kanada verbracht.

Nichts bereut

Bereut haben sie nie, dass sie keine eigenen Kinder bekommen haben, wie Lene und Jan Sternkopf im Interview betonen. „Vielleicht liegt das auch daran, dass wir immer viel von Kindern umgeben waren und sind“, so Jan Sternkopf, der dank seiner Schwestern gleich mehrfacher Onkel ist. Seine Frau Lene genießt ihre Rolle als Tante ebenfalls und ist als ausgebildete Lehrerin und IT-Mitarbeiterin an der Haderslebener Realskole auch beruflich viel von Kindern umgeben.

Insbesondere als wir noch in dem Alter waren, wo Kinderkriegen ein Thema ist, mussten wir uns häufig dafür rechtfertigen.

Lene Sternkopf

Darüber hinaus sind die beiden nicht nur Taufpaten, sondern seit gut zehn Jahren über den Verein „Børns Voksenvenner“ auch sogenannte „Ersatz-Großeltern“ für Familien, in denen die eigenen Großeltern beispielsweise schon verstorben sind. „Es ist also nicht so, dass wir keine Kinder mögen“, sagt Jan Sternkopf. In ihrem Haus haben die beiden sogar ein Schrankfach voller Spielsachen, damit die Kleinen etwas zum Spielen haben, wenn sie zu Besuch kommen.

Die beiden sind glücklich mit ihrem Leben ohne eigene Kinder und genießen die Freiheit, das zu tun, wonach ihnen der Sinn steht. „Unser Leben ist genau so, wie wir es uns wünschen“, meint die 66-Jährige. Für ihr Umfeld sei es jedoch nicht immer leicht gewesen, ihre Entscheidung zu verstehen. „Besonders meine Mutter hat sich mit dem Gedanken schwergetan“, sagt Jan Sternkopf.

Sie lieben Kinder und haben dennoch keine eigenen. Das zu verstehen fällt Außenstehenden manchmal schwer, sagen Lene und Jan Sternkopf. Foto: Annika Zepke

Rechtfertigung gegenüber anderen

Überhaupt seien das Schwierigste an ihrem Leben ohne eigene Kinder die Kommentare von außen, fügt seine Frau hinzu: „Insbesondere als wir noch in dem Alter waren, wo Kinderkriegen ein Thema ist, mussten wir uns häufig dafür rechtfertigen.“ Doch auch heute wird das Ehepaar nach eigenen Kindern gefragt. „Wenn wir dann sagen, dass wir keine Kinder haben, folgt meist die ungläubige Frage ‚auch nicht aus einer früheren Beziehung?‘“, so der 66-Jährige, der seit Kurzem im Vorruhestand ist.

In Gesprächen mit anderen Männern sei zudem oftmals die Frage aufgekommen, ob er nicht in der Lage sei, Kinder zu zeugen, erzählt Jan Sternkopf. Auch als DINKs gelabelt zu werden, was für „dual income, no kids“ steht und so viel bedeutet wie „doppeltes Einkommen, keine Kinder“, sei etwas, mit dem sich die beiden auseinandersetzen mussten. „Per Definition stimmt das ja auch“, meint Jan Sternkopf. „Dennoch hat die Bezeichnung häufig einen vorwurfsvollen Unterton, weil es impliziert, dass wir uns ausschließlich auf unsere Karriere konzentrieren“, ergänzt seine Frau Lene, „dem ist aber nicht so. Bei uns hat einfach nur keine innere Uhr getickt.“

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