Königshaus

Eine ungewöhnliche Reise zum königlichen Abendessen

Eine ungewöhnliche Reise zum königlichen Abendessen

Eine ungewöhnliche Reise zum königlichen Abendessen

Hadersleben/Haderslev
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Simone Vesterlyng war zu Tränen gerührt. Foto: Haderslev Kommune

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Simone Vesterlyng hatte Tränen der Freude in den Augen, als der Haderslebener Bürgermeister ihr persönlich den roten Teppich ausrollte – und die freudige Botschaft überbrachte: Die 18-Jährige ist auserkoren worden, mit Prinz Christian zu tafeln und überglücklich: „Menschen wie ich sind normalerweise nicht die erste Wahl.“

Der Bürgermeister der Kommune Hadersleben, Mads Skau (Venstre), hatte es sich nicht nehmen lassen, die freudige Nachricht höchstselbst zu überbringen. Er überraschte Simone Vesterlyng an ihrem Arbeitsplatz in Hadersleben, am „Sunset Boulevard“, mit dem roten Teppich. Die 18-Jährige gehört wie Marcus Eskelund Jensen zu den beiden Auserwählten aus der Domstadtkommune, die mit Prinz Christian Geburtstag feiern dürfen.

Eine Riesenüberraschung

„Das ist mega!“, freut sich die junge Frau.

Nur ihre Familie war in die Überraschung eingeweiht worden. Das hat einen Grund.

„Ich habe eigentlich keine Freunde“, bekennt die junge Frau, die in ihrem kurzen Leben viel Gegenwind erfahren musste. Seit Anfang des Jahres hat sie schriftlich, warum sie anders ist als andere Menschen: „Ich habe ADHD – und seitdem weiß ich, was mit mir nicht stimmt.“
 

Bürgermeister Mads Skau hatte es sich nicht nehmen lassen, die Auserwählte persönlich zu überraschen. Foto: Haderslev Kommune

Schnelle Diagnose – eigene Strategien

Im Unterschied zu vielen anderen jungen Menschen hat sie schnell Hilfe durch die Psychiatrie erfahren. Das habe ihr geholfen, ihren Alltag zu bewältigen und ihre ganz eigene Strategie zu entwickeln, um ihre Herausforderungen zu bewältigen.

Energisch ist sie nicht nur im Berufsalltag. Ebenso zielbewusst nimmt sie ihre Probleme in die eigene Hand. Und sie zog von zu Hause aus, verließ das sichere Heim mit fürsorglichen Eltern.

„Ein eigenes Zuhause zu haben und sich um den eigenen Haushalt kümmern zu müssen, hat mir sehr dabei geholfen, selbstständig zu werden. Ich erledige die Dinge in meinem eigenen Tempo, sodass ich mehr Energie habe, mit anderen Menschen zusammen zu sein“, sagt sie.
 

Ungewöhnlicher Einstieg ins Berufsleben – mit 16

Heute, mit gerade einmal 18 Lenzen, leitet Simone Vesterlyng den alltäglichen Betrieb im Restaurant „Sunset Boulevard“. Für sie ein Traumjob, sagt die junge Frau.

Oft aber trifft sie auf Unverständnis: „Ohne Ausbildung könne man nichts werden, wird mir immer wieder gesagt.“

Dass dies nicht stimmt, dafür ist die junge Haderslebenerin der beste Beweis. Mit 16 Jahren verließ sie die Realschule der Domstadt, um in Vollzeit in dem Restaurant zu arbeiten.

Bei ihrer Arbeit erfährt sie Anerkennung und Respekt.

Simone Vesterlyng fühlt sich wohl an ihrem Arbeitsplatz. Ihr Plan ist es, sich dort hochzuarbeiten, wohl wissend, dass sie um Aus- und Weiterbildung auf Dauer nicht herumkommen wird. Foto: Haderslev Kommune

Königshaus: „Es sind auch nur Menschen“

Simone Vesterlyng war zu Tränen gerührt, als der Bürgermeister persönlich ihr die Einladung zur Prinzentafel am 15. Oktober überbrachte: „Normalerweise sind Menschen wie ich nicht die erste Wahl“, sagt sie. Sie spricht aus bitterer Erfahrung.

Schon deshalb habe sie nicht damit gerechnet, ausgewählt zu werden: „Es ist ein merkwürdiges Gefühl, aber ich glaube daran, dass man, selbst wenn man in Gesellschaft der königlichen Familie ist, stets daran denken sollte, dass sie auch nur Menschen sind. Für mich geht es darum, den Prinzen zu feiern – und einen schönen Abend zu verbringen.“
 

Die junge Frau stammt aus einem fürsorglichen Elternhaus und hat vier Geschwister. Freunde im eigentlichen Sinne hat die 18-Jährige nicht. Dafür verbringt sie viel Zeit mit ihrer Familie. Foto: Haderslev Kommune

Alltag mit ADHD

ADHD steht für Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung. Es handelt sich um eine neurologische Entwicklungsstörung, die oft in der Kindheit diagnostiziert wird und häufig bis ins Erwachsenenalter anhält. Kinder mit ADHD haben Probleme, sich zu konzentrieren, impulsive Verhaltensweisen zu kontrollieren oder sind oftmals übermäßig aktiv.

Bei circa 15 Prozent der Kinder in Dänemark, die zwischen 1995 und 2016 geboren wurden, ist vor dem 18. Lebensjahr eine psychische Störung diagnostiziert worden. (Quelle: Sciencenews.dk)

 

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