Besatzungszeit

9. April in Worten und Bildern an fünf Orten

9. April in Worten und Bildern an fünf Orten

9. April in Worten und Bildern an fünf Orten

Hadersleben/Haderslev
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Erik Christensen, der heute in Woyens (Vojens) lebt, ist einer der letzten Augenzeugen der Gefechte beim Einmarsch deutscher Truppen. Selbst entging er nur knapp einer tödlichen Kugel. Foto: Ute Levisen

81 Jahre ist es her, dass Hadersleben Kriegsschauplatz war. Mitarbeiter des Historischen Archivs und der Kaserne haben eine „Straßenausstellung“ erarbeitet, die an den Einmarsch der Wehrmacht erinnert. Erik Christensen ist einer der letzten Augenzeugen von damals – und er erinnert sich nur zu gut an jenen Tag, der auch sein Leben verändern sollte.

Den 9. April vor 81 Jahren – Erik Christensen wird ihn wohl nie vergessen. Der heute 93-Jährige ist einer der letzten Augenzeugen. Gerade einmal zwölf Lenze zählte er, als Hitlers Truppen in die Domstadt einmarschierten. Hadersleben ergab sich nicht kampflos in sein Schicksal. Es kam zu erbitterten Straßengefechten in der Domstadt.

Die Ereignisse vom 9. April in Hadersleben sind in dem gleichnamigen Film dargestellt worden. Foto: Ute Levisen

Neue Wege des Erinnerns in der Pandemie

Daran erinnert eine gemeinsame Ausstellung des Historischen Archivs der Kommune Hadersleben und der Kaserne, wenn sich der 9. April und damit die Besetzung Dänemarks zum 81. Mal jährt.

An fünf Orten in der Domstadt, zwei am Gammelting sowie am Torvet, Mühlenplatz und an der Süderbrücke, sind die Museumsständer bis zum 22. April zu sehen. Foto: Ute Levisen

„Wegen der Corona-Pandemie haben wir uns etwas Neues einfallen lassen müssen“, erläutert Morten Hedegaard Breum, Presseoffizier des Schleswigschen Infanterieregiments. So kam es, dass die Kasernenmitarbeiter gemeinsam mit dem Leiter des Historischen Archivs, Bent Vedsted Rønne, eine Ausstellung erarbeiteten, die in Wort und Bild die dramatischen Ereignisse von einst Revue passieren lässt.

Pesseoffizier Morten Breum und Archivleiter Bent Vedsted Rønne haben die Ausstellung gemeinsam erarbeitet. Foto: Ute Levisen

Fünf Brennpunkte – fünf Museumsständer

An den fünf Orten, an denen es damals zu Gefechten kam zwischen deutschen und dänischen Soldaten des 2. Regiments, dem heutigen Schleswigschen Infanterieregiment, stehen noch bis zum 22. April fünf Informationsständer. Bilder aus dem Archiv, aber auch Fotoleihgaben aus Privatbesitz umrahmen die Texte, die die Ereignisse vom 9. April schildern.

Gruppenbild mit Dame: Daniela Andersen, Werkstattkoordinatorin der Schleswigschen Kutschensammlung, hat die Ständer angefertigt. Foto: Ute Levisen

Geschichte in Handarbeit

Für den richtigen Stand des historischen Rückblicks zeichnen Daniela Andersen und ihre Kollegen von der Schleswigschen Kutschensammlung verantwortlich: Dort wurden die Ständer von Hand gefertigt. Den Druck der Texte und Fotos übernahm die Firma von Ove Kirketerp von „Tekst & Design“ in Hadersleben (rechts im Bild).

Bent Vedsted Rønne im Gespräch mit Erik Christensen Foto: Ute Levisen

Einer der letzten Augenzeugen

Erik Christensen ist einer der letzten noch lebenden Augenzeugen. Der damals gerade zwölf Jahre alte Christensen entging selbst nur haarscharf einer deutschen Kugel: „So dicht flog das Geschoss an mir vorbei“, erinnert er sich, hebt seinen Arm und weist auf seine Achselhöhle.

Er erinnert sich noch sehr gut an jenen Tag, als der Einmarsch deutscher Truppen in die Domstadt auch seinen Alltag schlagartig änderte.

Zwei Ständer am Gammelting bzw. an der Norderstraße erzählen vom Einmarsch der Wehrmacht vor nunmehr 81 Jahren. Foto: Ute Levisen

Schluss mit „Moin“

„Mein Vater hatte einen Kaufmannsladen an der Süderbrücke, dort, wo heute die Kneipe Stoppestedet liegt“, erzählt er. Zur Kundschaft zählten damals viele Angehörige der deutschen Volksgruppe, von denen nicht wenige die Besatzer heilend und jubelnd empfangen hatten.

„Von einem Tag auf den anderen war Schluss. Volksgruppendeutsche waren in dem Laden nicht länger erwünscht“, erzählt Christensen: Da kannte der Vater kein Pardon. Auch die ortstypische – und als typisch deutsch geltende – Begrüßung „Moin“ verschwand aus dem Wortschatz der Christensens – und nicht nur in ihrer Familie. Erst in den 50er Jahren erlebte das lockere Moin eine Renaissance.

Freundschaft in den dunklen Jahren

Einige Freunde des damals Zwölfjährigen stammten aus deutsch-nordschleswigschen Familien. Die Bande zu ihnen habe er nie gekappt: „Viele der deutschgesinnten Familien waren Hitler-Anhänger, aber längst nicht alle“, sagt Christensen rückblickend.

In Hadersleben wird alljährlich am 4. Mai im Rahmen des Lichtfestes an der Kaserne das Ende der dunklen Jahre der Besatzungszeit markiert. Foto: Ute Levisen

Zwei Todesopfer aus der Volksgruppe

Der gebürtige Haderslebener erinnert sich lebhaft an die Gefechte in der Domstadt, die für zwei Handwerker, die zufällig auf dem Christiansfelder Weg unweit der Kaserne in die Schusslinie geraten waren, tödlich ausgingen: „Zwei Angehörige der Volksgruppe wurden von den Maschinengewehrsalven deutscher Soldaten getroffen“, so Christensen: „Einen Anhänger deutscher Besatzungspolitik und einen Sozialdemokraten.“

Als Gymnasiast schloss sich Christensen wenige Jahre später dem Widerstand gegen die deutschen Besatzer an und verteilte unter anderem Flugblätter.

Freude über begrabenes Kriegsbeil

„Diese Zeit liegt glücklicherweise hinter uns. Heute freue ich mich darüber, wie gut das deutsch-dänische Zusammenleben hier bei uns im Grenzland ist. Das ist schon irgendwie fantastisch.“

Kranzniederlegungen am 9. April

Am 9. April gedenken Repräsentanten des Schleswigschen Infanterieregiments und Bürgermeister H. P. Geil (Venstre) in einer aufgrund der Corona-Situation nicht öffentlichen Feierstunde mit einer Kranzniederlegung an der Kasernenmauer sowie an der Herzog-Hans-Kirche der Opfer von vor 81 Jahren.

Die freundschaftlichen Bande zu den Kameraden aus der Volksgruppe hat Erik Christensen nie gekappt. Foto: Ute Levisen
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