Kabinett umgebaut

Neu-Minister Jesper Petersen will Akzente setzen

Neu-Minister Jesper Petersen will Akzente setzen

Neu-Minister Jesper Petersen will Akzente setzen

Kopenhagen
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Regierungschef Mette Frederiksen (Bildmitte) trat mit dem neuen Ausbildungs- und Forschungsminister Jesper Petersen und der neuen Kultur- und Kirchenministerin Ane Halsbö-Jøregensen nach der Audienz bei Königing Margrethe vor die Presse. Foto: Mads Claus Rasmussen / Ritzau Scanpix

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Der in Hammeleff bei Hadersleben aufgewachsene Nordschleswiger hat bisher bereits bei wöchentlichen Treffen mit Staatsministerin Mette Frederiksen den Kurs der Regierung mit abgesteckt. Der 39-Jährige gehört dem Folketing bereits seit 2007 ohne Unterbrechungen an.

Der am Montag zum Minister für Unterricht und Forschung ernannte Politiker Jesper Petersen (Sozialdemokraten) hat bei seiner Präsentation durch Staatsministerin Mette Frederiksen (Sozialdemokraten) zwar Vorgängerin Ane Halsboe-Jørgensen (Sozialdemokraten) ausdrücklich gelobt. Der bisherige Chef der sozialdemokratischen Folketingsfraktion hat aber zugleich erkennen lassen, dass er neue Akzente setzen wolle.

Einsatz für Wohlfahrtsberufe

„Es ist für uns als Gesellschaft entscheidend, dass wir über gut ausgebildete, tüchtige Menschen verfügen, die Jobs in der privaten Wirtschaft erfüllen können. Aber ebenso müssen sie wichtige Funktionen übernehmen, die als Aufgaben für uns alle in unserer Wohlfahrtgesellschaft gelöst werden müssen“, sagte Petersen gegenüber „Danmarks Radio“. Und er fügte hinzu: „Es geht dabei um die Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern oder pädagogisches Personal und Pflegekräfte.“ Damit spielte er auf den starken Rückgang bei der Zahl von Bewerbungen an den Ausbildungsstätten für Berufe im Sozial- und Bildungsbereich an. Ane Halsboe-Jørgensen hatte vor der parlamentarischen Sommerpause Pläne präsentiert, Ausbildungsangebote und Studienplätze in ländlichere Regionen und Provinzstädte auszulagern, nachdem seit Jahrzehnten vor allem akademische Studienplätze immer mehr zentralisiert worden waren.

Jesper Petersen diskutierte im Januar 2020 während der Neujahrstagung des Bundes Deutscher Nordschleswiger in der Akademie Sankelmark. Foto: Volker heesch

Aufgewachsen in Hammeleff (Hammelev) bei Hadersleben (Haderslev) begann 39-jährige Jesper Petersen in jungen Jahren seine politische Karriere in der Sozialistischen Volkspartei (SF).

Nachwuchstalent bei SF

Er war dort zeitweise Vorsitzender der SF-Jugendorganisation und Vizeparteichef. Sein Studium in Staatswissenschaft an der Universität Kopenhagen schloss er mit dem Bachelor-Titel. Bereits 2007 wurde er erstmals ins Folketing gewählt. Berufliche Erfahrungen hat er als Lehrer in Schulen der Kommune Woyens (Vojens) und im Center für Jugendforschung gesammelt. Seit 2019 ist er Mitglied im Vorstand der dänischen Nationalbank. Als Finanzexperte hatte sich Jesper Petersen bereits in der SF-Fraktion profiliert.

2013 Wechsel zu Sozialdemokraten

Nachdem er bei der Bildung der Koalitionsregierung von Sozialdemokraten, Radikalen und SF unter Leitung Helle Thorning Schmidts Fraktionssprecher der SF-Fraktion geworden war, kehrte er 2013 seiner Partei zusammen mit weiteren SF-Spitzenpersonen den Rücken und wechselte zu den Sozialdemokraten, als die eigene Basis gegen die Regierungspolitik aufbegehrte. Rasch gewann er auch in seiner neuen politischen Heimat Einfluss, unter anderem als finanzpolitischer Sprecher, und er trat bei Bildung der sozialdemokratischen Regierung unter Leitung Mette Frederiksens an die Spitze der größten Folketingsfraktion, als deren Fraktionssprecher.

Wohnort heute Kopenhagen

Er lebt mit seiner Lebensgefährtin und zwei Söhnen in einer Genossenschaftswohnung im Kopenhagener Stadtteil Vesterbro. Bei einem Vortrag während der Neujahrstagung des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN) in der Akademie Sankelmark hatte Jesper Petersen im Januar 2020 Einblick in die Arbeitsweise und Ausrichtung der Regierung Frederiksen gegeben. Er hatte in Sankelmark, wenige Wochen vor Beginn der Corona-Krise eine Reformpolitik angekündigt, nachdem in Jahren zuvor vor allem die Dänische Volkspartei Neuerungen blockiert hatte.

Verteidigt die Linie Mette Frederiksens

Er verteidigte die Linie der Sozialdemokraten, den Zustrom von Ausländern zu begrenzen, um eine Integration zu gewährleisten. Er unterstrich aber auch den Anspruch, an einer menschlichen Ausländerpolitik festzuhalten. Die dänischen Grenzkontrollen verteidigte er, sie funktionierten ohne größer Belästigungen. Während der Grenzschließungen im Zuge der Corona-Krise hatte sich Petersen mehrfach zugunsten der Grenzlandbewohner und Grenzpendler erfolgreich für Sonderregelungen eingesetzt.

Jesper Petersen unterstrich in seinem fachlich fundierten Vortrag in Sankelmark 2020, dass es in der aktuellen Legislaturperiode in Dänemark keinen Spielraum für Steuersenkungen gebe. Foto: Volker Heesch

Im engeren Kreis um Staatsministerin

Seine Amtsvorgängerin im Ausbildungs- und Forschungsministerium, Ane Halboe-Jørgensen, gilt wie Petersen als Politikerin im engeren Kreis um Mette Frederiksen. Sie soll nach Einschätzungen politischer Beobachter das bisher schwache kulturpolitische Profil der Regierung schärfen. Vor allem eine neue politische Vereinbarung in der Medienpolitik zählt zu ihren kommenden Aufgaben. Ane Halsboe-Jørgensen und Jesper Petersen haben nach einer Audienz bei Königin Margrethe ihre Amtsgeschäfte aufgenommen. Auf eine Übergabe der Aufgaben unter Teilnahme der Medien wurde am Montag angesichts der dramatischen Vorgänge in Afghanistan und der laufenden Evakuierung dänischer Staatsbürger aus der Krisenregion verzichtet.

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