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Perfektionismuskultur: „Nordschleswig ist da nicht anders“

Perfektionismuskultur: „Nordschleswig ist da nicht anders“

Perfektionismuskultur: „Nordschleswig ist da nicht anders“

Kim Malin Bethke, Gwyn Nissen
Nordschleswig/Sønderjylland
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Familienberaterin Karin Müller erlebt auch in Nordschleswig Jugendliche, die nach dem Perfekten streben. Das stresst. Foto: Karin Riggelsen

Familienberaterin Karin Müller vom Sozialdienst Nordschleswig kann die Ergebnisse aus der Stress-Studie von Børns Vilkår und Tryg wiedererkennen.

Das Streben nach dem Perfekten stresst viele Jugendliche. Das zeigt eine Studie der Kinderschutzorganisation Børns Vilkår und dem Versicherungsunternehmen Tryg. Auch unter Jugendlichen und Kindern in Nordschleswig ist das nicht anders, weiß die erfahrene Familienberaterin des Sozialdienstes Nordschleswig, Karin Müller.

„Der Druck ist da. Das habe ich auch in den Einzelfällen, die ich erlebt habe, mitbekommen“, sagt Karin Müller. Vor allem in den sozialen Medien wird ein Idealbild vorgemacht, das sehr sehr schwer erreichbar ist.“

Durch die verschönerten und manipulierten Fotos in den sozialen Netzwerken würden die Jugendlichen kaum mehr wissen, wie ein normaler Körper aussehe, meint sie.

Hinzu käme, laut Müller, dass Kinder und Jugendliche sich heute in einer Welt voller Möglichkeiten bewegen, anders als die Jugend früherer Generationen.

Eine verwirrende Welt

„Damit müssen die Kinder erst einmal zurechtkommen, und wir als Erwachsene und Eltern müssen anerkennen, wie sie sich in dieser Welt verirren können“, sagt die Familienberaterin aus der deutschen Minderheit in Nordschleswig.

Sie rät Eltern und Erwachsene dazu, sich mit den Kindern und deren Welt zu beschäftigen.

„Es geht darum, dass wir Situationen schaffen, in denen wir miteinander reden: Wo bist du gerade in deinem Leben? Wie geht es dir? Welchen Leuten folgst du auf Youtube? Wofür stehen die? Wir müssen neugierig sein und wir dürfen nicht vergessen, dass sie noch Kinder sind – auch wenn sie jugendliche Teenager sind“, meint Karin Müller.

Internet ist wie der Straßenverkehr

Dabei geht es nicht darum, die Kinder zurechtzuweisen, aber mit ihnen über ihre Entscheidungen zu reden.

„Es ist wie im Straßenverkehr, die Kinder müssen erst die Regeln lernen, wie man sich benimmt und wo man selber den Strich zieht. Zum Leben mit diesen Medien gehört auch, dass man sich kritisch zu den Inhalten verhält“, sagt Müller.

Schnell erwachsen werden

„Ich erlebe, dass der Druck unter anderem dadurch entsteht, dass sie schnell Erwachsen werden und das auch von sich selbst verlangen. Um das zu durchschauen und zu meistern, brauchen Kinder immer noch die Hilfe und das Interesse der Erwachsenen“, meint die Sozialdienst-Mitarbeiterin.

Jeder Instagram-Account möchte die beste Seite zeigen, da entsteht natürlich der Druck ebenfalls die beste Seite zu zeigen

Hans Fedder Kley

Geschichte statt Likes

Die 17-jährige Christina Jessen aus Hadersleben/Haderslev kann dieses Problem gut nachvollziehen, ist selbst aber nicht so sehr betroffen.

„Ich mache alles so gut wie ich kann und besser geht es dann eben nicht“, sagt sie und nimmt damit Bezug auf ihre Schulnoten.

Insgesamt spricht die 17-Jährige sehr reflektiert über ihre Internetpräsenz:

„Wenn ich mich mit meinen Freunden vergleiche, dann merke ich, dass ich die sozialen Medien nicht so hoch priorisiere. Wenn ich ein Bild poste, dann geht es mir eher um die Geschichte und nicht um die Likes.“

Sie hat auch noch nie ein Bild gelöscht, weil es zu wenig Likes hatte, sondern höchstens, weil sie damit nicht mehr zufrieden war.

Die beste Seite zeigen

Auch der 18-jährige Hans Fedder Kley aus Sommerstedt/Sommersted ist nicht so sehr im Internetgeschehen involviert.

„Jeder Instagram-Account möchte die beste Seite zeigen, da entsteht natürlich der Druck ebenfalls die beste Seite zu zeigen“, ist er sich sicher.

Auf Instagram hat er zwar keine Beiträge online, aber auf Facebook ist er aktiv. Auch zu dem Thema, ob die Meinung von außen über die sozialen Medien wichtig ist, vertritt er einen klaren Standpunkt.

„Ich hole mir Meinungen lieber in meinem sozialen Umfeld ein und nicht auf den sozialen Medien.“

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