Ehrung in Kiel

Aussöhnung zwischen den Kirchen: Günther Barten erhält das Bundesverdienstkreuz

Sara Wasmund
Sara Wasmund Hauptredaktion
Ladelund
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Der Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, Daniel Günther (CDU), überreicht Pastor Günther Barten das Bundesverdienstkreuz am Bande. Foto: Frank Peter

Seit Jahrzehnten macht er sich für die Annäherung der Kirchengemeinden in Deutschland und Dänemark stark. Am Dienstag bekam Pastor Günther Barten von der Nordschleswigschen Gemeinde dafür das Bundesverdienstkreuz vom schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Daniel Günther überreicht.

„Schon wieder zu schnell gefahren“, dachte Pastor Günther Barten, als er Anfang Februar einen offiziellen Brief aus Kiel in der Post entdeckte. Doch statt eines Strafzettels teilte die Staatskanzlei dem Pastor der Nordschleswigschen Gemeinde i. R., Günther Barten, mit, dass der Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ihm das Verdienstkreuz am Bande verliehen hat.

Am Dienstag konnte Günther Barten die Auszeichnung persönlich in Empfang nehmen. In der Kieler Landesbibliothek wurde sie ihm von Ministerpräsident Daniel Günther überreicht. Für den 73-jährigen Barten steht fest: „Ich fahre nicht für mich alleine nach Kiel, die Ehrung gilt dem Team und damit schließe ich alle vier Kirchtümer ein.“

Es sind eben dieser Gemeinschaftssinn und der gelebte Zusammenhalt, der Günther Barten als Träger des Verdienstkreuzes am Bande auszeichnet.

In der Kieler Landesbibliothek nahm Günther Barten die Auszeichnung entgegen. Foto: Frank Peter

Jahrzehnte für Annäherung gearbeitet

Seit Jahrzehnten macht er sich für die Annäherung zwischen der dänischen Volkskirche, der Nordschleswigschen Gemeinde (NG) sowie den vier deutschen Stadtgemeinden in Nordschleswig, der Nordkirche und der Dänischen Kirche in Südschleswig (DKS) stark.

Deutsch-dänische Gottesdienste und Freundeskreise. Der deutsch-dänische Konvent. Gemeinsame Konzerte unter den Kirchen. Zweisprachige Gemeindeabende in den Pastoraten. All das ist heute gelebte Realität. Doch Günther Barten hat Zeit seines Schaffens dazu beigetragen, dass es so gekommen ist. Hat zu runden Tischen mit Kirchenvertretern aus beiden Ländern eingeladen und nicht zuletzt den Prozess zur Übergabe der Heiliggeistkirche in Flensburg an die dänische Kirche in Südschleswig mitbegleitet.

Ein Wendepunkt, ein Schlüsselmoment, der 1997 den Weg zu einem neuen, freundschaftlichen Verhältnis zwischen Mitgliedern und Leitern aller vier Kirchen bereitete. Barten trug aktiv dazu bei.

Eigentlich im Ruhestand

Eigentlich ist der 73-Jährige seit Jahren im Ruhestand. Eigentlich bedeutet bei Barten: „2017 hatte ich 72 Gottesdienste und Amtshandlungen, Hochzeiten und Beerdigungen“, sagt er. Zwei Drittel davon in Nordschleswig, ein Drittel im Kirchenkreis Nordfriesland. Ein Pastor für das Grenzland, im doppelten Sinn.

Begleitet von seiner Frau Marion Miltzow, den drei Kindern, Senior Matthias Alpen von der NG sowie Propst Viggo Jacobsen von der DKS nahm Günther Barten als unermüdlicher Vertreter der Annäherung das Verdienstkreuz am Bande in Kiel entgegen.

Prediger auch außerhalb der Kirchenmauern: Pastor Barten bei einer Andacht am Deich der Westküste. Foto: Archiv

Wertschätzung vom Kollegen

„Man weiß, was man alles an ihm hat“: Matthias Alpen, hat die Auszeichnung von Günther Barten nicht nur mitinitiiert, sondern auch begeistert zur Kenntnis genommen.

„Wir und ich freuen uns riesig für Günther, dass er diese Ehrung bekommt. Er hat sie unseres Erachtens sehr verdient, weil er sich in ganz verschiedenen Bereichen ehrenamtlich engagiert hatte und hat, und zwar in kirchlichen, aber ebenso in nichtkirchlichen, für die Minderheit, wie auch im Grenzland.“

Vor Kurzem sei er von einer Frau angesprochen worden, die sich gut an Günthers erste Predigt als junger Pastor in Bülderup erinnern konnte. Eine schwierige Aufgabe, weil er wohl am 9. April als deutscher Pastor den Gottesdienst im Pflegeheim hatte. Die Leiterin des Tageszentrums von damals könne sich gut daran erinnern, wie gut er schon damals Friedensarbeit machte.

„Günther betont, dass er Zeit seines Berufslebens immer wieder gerne von dem gelungenen Minderheitenmodell erzählt, an verschiedenen Orten, zu verschiedenen Gelegenheiten. Er war zum Beispiel mit Konfirmanden in Afrika. Auch da eine Gelegenheit, von dem Miteinander im Grenzland zu erzählen“, so der Senior der NG.

Pastor Barten in seinem Arbeitszimmer. Der 73-Jährige ist auch nach seinem Eintritt in den Ruhestand aktiver Teil der Kirchengemeinden, er predigt, traut und beerdigt. Allein in 2017 waren es 72 Amtshandlungen. Foto: Archiv

Der Pastor im Unruhestand

Barten, sagt Alpen, sehe in seinem Engagement einen kirchlichen Beitrag zu den Bonn-Kopenhagener-Erklärungen. Und auch rein praktisch, zu Hause in Nordschleswig, schätze man Günther Barten, den Pastor im Unruhestand, ungemein.

Menschenkenner und Grenzlandvermittler

„Die ganze Nordschleswigschen Gemeinde ist ihm sehr dankbar, weil er seit seiner Pensionierung im Grunde die zehnte (inoffizielle) deutsche Pfarrstelle in Nordschleswig innehat. Er kennt die Menschen und ihre Geschichten hier. Man kann sich auf seine Arbeit 100-prozentig verlassen. Er war ja mal Soldat, und da klappt alles wie am Schnürchen. Es bringt Spaß, sich mit ihm auszutauschen, weil er immer direkt und ehrlich die Dinge beurteilt. Er ist klar und gradlinig. Weil er einen Standpunkt hat und viel von der Minderheit kennt, ist das Gespräch mit ihm immer spannend“, so Alpen.

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