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Die Minderheit im Fernsehen: NDR-Film zeigt Alltag und Geschichte

Die Minderheit im Fernsehen: NDR-Film zeigt Alltag und Geschichte

Minderheit im Fernsehen: NDR zeigt Alltag und Geschichte

Flensburg
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Das unsichare Band
Szene aus „Das unsichtbare Band – Grenzgeschichten von Dänen und Deutschen“ Foto: NDR Fernsehen

Was steckt hinter dem Jubiläumsjahr 2020 – und wie leben Menschen im deutsch-dänischen Grenzland 100 Jahre nach der Grenzziehung? Eine aufwendig produzierte Fernsehdokumentation geht diesen Fragen nach – und lässt dabei auch einige deutsche Nordschleswiger zu Wort kommen.

„Dieser Film zeigt, dass eine Grenze gerne auch wieder unsichtbar werden darf“, sagt Flensburgs Oberbürgermeisterin Simone Lange (SPD) über den NDR-Film „Das unsichtbare Band – Grenzgeschichten von Dänen und Deutschen“.

Am Dienstag haben sie und zahlreiche andere geladene Gäste den Film von Wilfried Hauke im Flensburger UCI-Kino im Rahmen einer „Preview“ auf großer Leinwand sehen können. Am Freitag wird er dann im NDR-Fernsehen und in der ARD-Mediathek für alle zu sehen sein.

Hauke und sein Filmteam haben anlässlich von 100 Jahren Grenzziehung zwischen Nord- und Ostsee den Versuch unternommen, in lebendigen Bildern zu schildern, wie sich das Leben von Deutschen, Dänen und Friesen in Mehr- und Minderheiten entlang des „Bandes“ der Grenze heute gestaltet – und wie es überhaupt zu dieser Grenze gekommen ist, die den Alltag in unserer Region mitbestimmt.

Kleinschmidt: Film kann Augen öffnen

Laut Stephan Kleinschmidt, einem der Protagonisten des Films, ist Hauke dieses ambitionierte Vorhaben überzeugend geglückt. „Ich glaube, dass dieser Film Augen öffnen kann“, sagt er nach der Vorführung. Der Film erkläre, warum die Dinge im Grenzland sind, wie sie sind, meint Kleinschmidt, der Vorzüge und Herausforderungen der Grenzregion aus eigenem Erleben kennt wie kaum ein Zweiter.

Als Teil der deutschen Minderheit in Dänemark ist er Vizebürgermeister in Sonderburg auf der dänischen Seite – und gleichzeitig als Stadtrat im Flensburger Rathaus auf deutscher Seite beschäftigt.

Das unsichtbare Band
Szene aus „Das unsichtbare Band“ Foto: NDR Fernsehen

Das Filmteam hat ihn und eine Handvoll anderer Grenzlandbewohner beiderseits der Grenze in ihrem Alltag begleitet. Erzählt werden unter anderem Geschichten vom welterfahrenen Fischer aus Hoyer, vom deutsch-dänischen Pastorenpaar, von den Studenten, die ein Festival an der Grenze auf die Beine stellen und vom pensionierten Grenzbeamten, der einen alten Schlagbaum hegt und pflegt.

Erzählt wird aber auch die konfliktbeladene Geschichte im ehemaligen Herzogtum Schleswig, teils mithilfe von historischen Filmaufnahmen. Begleitet hat diese Arbeit der Leiter des Archivs und der historischen Forschungsstelle der deutschen Minderheit in Nordschleswig, Frank Lubowitz.

Es sei nicht immer leicht gewesen, die komplizierten Zusammenhänge in so knappe Sätze zu packen, dass sie einerseits historisch einwandfrei, aber andererseits auch der durchaus unterhaltsamen Ansprache des Films gerecht werden, sagt er – und ist deshalb besonders froh über das Ergebnis.

Szene aus „Das unsichtbare Band“: Plakate in Flensburg im Jahre 1920 Foto: NDR Fernsehen

Komplexe Geschichte anschaulich erzählt

Schwierig war es für viele der Protagonisten des Filmes auch, den umstrittenen Wildschweinzaun, der nun entlang des einst „unsichtbaren Bandes“ verläuft, mit dem in Einklang zu bringen, was sie als ihre dänisch-deutsche Heimatregion begreifen.

Auf dieses kritische Grenzthema geht der Film ein – andere, wie die mehrsprachigen Ortsschilder oder administratorische und sonstige Hindernisse im grenzüberschreitenden Zusammenleben lässt er aus.

Schließlich haben Hauke und sein Team nur eine Stunde lang Zeit, um eine komplexe Geschichte zu erzählen, die Zuschauer am Leben einiger Grenzlandbewohner teilhaben zu lassen und zugleich ein Bild der Landschaft zu zeichnen, in der sich das alles abspielt.

Hansen: Perspektive auch für andere Minderheiten

„Ich hoffe, dass es möglich sein wird, diesen Film in vielen anderen Minderheiten in Europa zu zeigen“, sagt schließlich in einer Talkrunde nach der Vorführung ein weiterer der Protagonisten, der langjährige ehemalige Hauptvorsitzende der deutschen Minderheit in Nordschleswig, Hans Heinrich Hansen. „Dadurch, dass auch erzählt wird, wie es damals war, gibt der Film eine Perspektive auch für andere Minderheiten“, sagt er.

Filmautor Wilfried Hauke wünscht sich derweil, ganz wie Simone Lange, dass die Grenze tatsächlich wieder zu dem „unsichtbaren Band“ werden kann, das seinem Film den Namen gab. „Ich finde es aus der Zeit gefallen, dass ich an der A7 in Ellund diese Grenzsperren sehe. Wir brauchen so etwas nicht zwischen Deutschland und Dänemark“, sagt er.

„Das unsichtbare Band – Grenzgeschichten von Dänen und Deutschen“ ist am Freitag, 13. März, ab 20.15 Uhr im NDR Fernsehen zu sehen – und bereits ab 12 Uhr online in der Mediathek der ARD.

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