Heimatkunde

Kreis Tondern 1920 geteilt: Niebülls Glück

Kreis Tondern 1920 geteilt: Niebülls Glück

Kreis Tondern 1920 geteilt: Niebülls Glück

Volker Heesch
Volker Heesch Hauptredaktion
Niebüll
Zuletzt aktualisiert um:
Die Friedrich-Paulsen-Schule liegt umgeben von einem schönen Park im Herzen von Niebüll. Foto: Volker Heesch

Die Heimatkundliche Arbeitsgemeinschaft für Nordschleswig begab sich auf eine Tagesfahrt. Thema des Ausflugs: Die Grenzziehung 1920 und die Entwicklung Niebülls vom Dorf zur Teilnachfolgerin Tonderns.

Die Volksabstimmung in nördlichen und mittleren Teil des einstigen Herzogtums Schleswig im Jahre 1920 mit Entscheidung Nordschleswigs für eine Zugehörigkeit Nordschleswigs zu Dänemark und das Votum in der südlichen Abstimmungszone für einen Verbleib bei Preußen bzw. dem Deutschen Reich zog im damaligen Kreis Tondern eine besonders einschneidende Wirkung nach sich. Das erfuhren die rund 40 Mitglieder der Heimatkundlichen Arbeitsgemeinschaft für Nordschleswig (HAG) bei ihrer Tagesfahrt kürzlich nach Niebüll.

Das Dorf Niebüll, das 1920 nur 2.000 Einwohner zählte, wurde nach der Teilung des Kreises Tondern in einen dänischen Nordteil und den deutschen Kreis Südtondern zum Sitz der zuvor in der städtischen „Westküsten-Metropole“ Tondern beheimateten Behörden und Bildungsstätten. Die im nördlichen wie südlichen Bereich des Kreises Tondern lange bedauerte neue Grenzziehung durch einen historisch zusammengehörigen, aber sprachlich und volkstumsmäßig vielfältigen Landstrich hat sich für Niebüll als Glücksfall erwiesen. Die Stadt mit inzwischen über 10.000 Einwohnern präsentiert sich trotz Verlustes des Kreissitzes an Husum als wirtschaftlich blühender Ort mit engen Verbindungen zu den nordfriesischen Inseln.

Mit der 1. Vorsitzenden des Vereins für Niebüller Geschichte, Beate Jandt, und den früheren Schulleitern Wolfgang Jandt und Wolfgang Raloff, die sich ebenfalls der Stadtgeschichte verschrieben haben, standen den HAG-Besuchern sehr kompetente Führer an Schauplätzen der Entwicklung im Anschluss an die Volksabstimmung 1920 zur Verfügung.

144 neue Häuser auf der grünen Wiese

Beate Jandt, die viele Jahre Bürgervorsteherin in Niebüll gewesen ist, führte die Besucher zunächst in den Ortsbereich, in dem „auf der grünen Wiese“ ab 1921 bis 1930 144 neue Häuser gebaut wurden, um zahlreiche Mitarbeiter des Kreises und Lehrkräfte unterbringen zu können, die nach der Übernahme Tonderns ins Königreich Dänemark im Juni 1920 ihre bisherigen Wirkungsstätten verlassen mussten. „70 der Häuser sind unter Denkmalschutz gestellt worden“, so Beate Jandt, die über die schwierigen Begleitumstände in Niebüll zu Beginn der 1920er Jahre berichtete, an die die teilweise sehr einfache Bauweise der neuen Beamtenhäuser erinnert. Wurden sie doch in Zeiten mit Not, Inflation und ohne Stromversorgung errichtet.

Dass dennoch auch architektonisch anspruchsvolle Bauten entstanden, wurde beim Besuch im Gymnasium Friedrich-Paulsen-Schule deutlich, durch das neben Wolfgang Raloff, Oberstudiendirektor a. D., auch der heutige Schulleiter Eckhard Kruse und sein Kollege Peter Christiansen führten.

In der Stadt lernte die HAG-Gruppe verschiedene Schauplätze der Geschichte Südtonderns nach der Abschneidung vom alten Zentralort Tondern kennen: Schröders Hotel, in dem der erste neue Kreistag des Kreises Südtonderns getagt hat, heute Stadtbücherei, die ehemalige Wilhelmschule, in die das aus Tondern „ausgelagerte“ deutsche Lehrerseminar 1920 umzog, das einstige Zentralhotel, das Landratsamt wurde und heute das Naturkundemuseum beherbergt. Auch das neue Niebüller Rathaus wurde aufgesucht, es ist 1986 in Betrieb genommen worden.

Mehr lesen