Minderheiten

Unbekannte zerstören Gedenkstätte für Sinti und Roma an der Flensburger Waldorfschule

Unbekannte zerstören Gedenkstätte für Sinti und Roma in Flensburg

Gedenkstätte für Sinti und Roma in Flensburg zerstört

shz.de/Sebastian Iwersen
Flensburg/Flensborg
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Denkmal Sinti und Roma Flensburg
Die über 100 Kilogramm schwere Säule wurde aus dem Boden gerissen und weggetragen. Foto: Sebastian Iwersen/shz.de

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Eine brachiale Sachbeschädigung sorgt für Entsetzen: In der Nacht zum Mittwoch haben unbekannte Täter einen Teil der erst kürzlich errichteten Gedenkstätte für deportierte und ermordete Sinti und Roma zerstört.

Auf den Tag genau acht Monate nach ihrer feierlichen Einweihung ist in der Nacht zum Mittwoch die Gedenkstelle für Sinti und Roma, die sich auf dem Gelände der Waldorfschule an der Valentiner Allee in Flensburg befindet, zerstört worden. Bislang unbekannte Täter rissen eine mehr als 100 Kilogramm schwere Säule aus ihrer Verankerung im Boden. Anschließend wurde die Säule hinter die Turnhalle getragen und dort abgelegt.

Polizei prüft politische Motivation der Tat

„Wir haben dazu eine Anzeige aufgenommen und ermitteln wegen gemeinschädlicher Sachbeschädigung“, bestätigt Polizeisprecher Arne Hennig den Vorfall, der sich zwischen Dienstagabend gegen 20 Uhr und Mittwochmorgen gegen 8 Uhr ereignet haben soll. Ein Zeuge entdeckte die Tat und fand kurz darauf auch die herausgerissene Gedenksäule hinter dem Gebäude, abgelegt auf einem Stein direkt an dem Sandweg, der um das Gebäude führt.

Waldorfschule an der Kreuzung Steinfelder Weg / Valentiner Allee
Der Tatort befindet sich vor der Turnhalle der Waldorfschule an der Kreuzung Steinfelder Weg / Valentiner Allee. Foto: Sebastian Iwersen/shz.de

Ob hinter der Tat eine politische Motivation steht, ist nach Polizeiangaben indes unklar. „Konkrete Hinweise darauf gibt es nicht“, so Hennig. „Aber natürlich prüfen wir das vor dem Hintergrund des beschädigten Objektes.“

Auch Oberbürgermeister Fabian Geyer ist entsetzt: „Die Beschädigung des Mahnmals für die Flensburger Sinti und Roma, die Opfer des Naziterrors wurden, verurteile ich auf das Schärfste. Ich hoffe sehr, dass die Täter schnell ermittelt werden können. So mit dem Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus umzugehen, ist nur verwerflich. Mich schmerzt besonders, dass hier eine großartige Initiative für ein Denkmal, die aus dem Kreis von Schülerinnen und Schülern hervorging, jetzt so rücksichtslos mit Füßen getreten wird“, so Geyer.

Gedenkstätte war im September eingeweiht worden

Bei der geschändeten Gedenkstelle handelt es sich um die vierte offizielle Gedenkstätte im Land, die im vergangenen Jahr am 29. September feierlich eingeweiht worden war. Sie befindet sich mutmaßlich an der Stelle, wo sich vor und während des Zweiten Weltkrieges die damals abwertend sogenannten „Zigeunerbaracken“ befunden haben sollen, in denen Sinti und Roma unter einfachsten Verhältnissen getrennt von der übrigen Bevölkerung untergebracht waren. Mindestens 44 Sinti und Roma wurden im Mai 1940 von dort aus in Konzentrationslager deportiert.

Der SSW-Landesvorsitzende und Flensburger Landtagsabgeordnete Christian Dirschauer zeigte sich ebenfalls entsetzt und teilte mit: „Als Minderheitenpartei setzen wir uns tagtäglich für ein friedliches Miteinander von Minderheiten und Mehrheit ein. Das gelingt in Schleswig-Holstein insgesamt vorbildlich. Ereignisse wie dieses in Flensburg sind deshalb so abscheulich, weil sie nicht nur ein so wichtiges Denkmal an sich zerstören, sondern genau dieses gute Miteinander verletzen.“

Die Flensburger Polizei sucht Zeuginnen und Zeugen der Sachbeschädigung. Wer entsprechende Hinweise geben kann, wird gebeten, sich unter Telefon (0049) (0)461-484-0 mit den Ermittelnden in Verbindung zu setzen.

 

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Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
„Zusammenhalt: Es geht noch viel mehr in Nordschleswig“