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Steinkauz in Gefahr: „Ein guter Anfang – aber nicht genug“

Steinkauz in Gefahr: „Ein guter Anfang – aber nicht genug“

Steinkauz in Gefahr: „Ein guter Anfang – aber nicht genug“

Malte Cilsik
Nordschleswig/Apenrade
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Neben dem Steinkauz benötigen teilweise auch die anderen sechs Eulenarten in Dänemark unseren Schutz. Foto: Klaus Dichmann

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Für den Steinkauz könnte es in Dänemark bereits zu spät sein – umso wichtiger sind die eine Million Kronen vom Umweltministerium für ihren Schutz. Doch gibt es auch noch sechs andere Eulenarten im Lande, mahnt ein Ornithologe: Alle können etwas zu ihrem Schutz beitragen.

Die Situation für den dänischen Steinkauz ist kritisch. Nur noch elf bekannte Brutpaare des Steinkauzes gibt es– alle in Nordjütland. Aus Nordschleswig ist die kleinste in Dänemark nistende Eulenart bereits vor gut zehn Jahren verschwunden.

„Die Steinkäuze finden während ihrer Brutzeit im Mai und Juni nicht mehr genug Nahrung. Auf den Monokulturen der Landwirte leben zu wenig Insekten“, benennt Klaus Dichmann die Hauptursache für das Verschwinden der Steinkäuze.

Eulenschutz seit 1996

Er selbst war jahrelang Vorsitzender der Eulenabteilung des dänischen Vogelschutzvereins „Dansk Ornitologisk Forening" und leitete bereits 1996 sein erstes Eulenschutzprojekt.

Damals lag der Fokus auf der Schleiereule. Diese Art ist besonders empfindlich gegenüber kalten Temperaturen, da sie über keine Fettreserven verfügt. Sie nistet aus diesem Grund auch ausschließlich an geschützten Orten wie in Scheunen oder Kirchtürmen.

Doch diese sind durch moderne Baumaßnahmen immer seltener zugänglich. Mitte der 1990er Jahre gab es in Dänemark nur noch 30 bekannte Brutpaare. Dichmann installierte landesweit Nisthilfen und trug dazu bei, dass sich der Bestand bis 2009 auf 492 bekannte Paare erholte. Nach einem besonders harten Winter 2009, in welchem rund 90 Prozent der Schleiereulen verstarben, beläuft sich der aktuelle Bestand auf 250 Paare.

Mittlerweile ist Klaus Dichmann einer der gefragtesten Eulenexperten Dänemarks. Begonnen hat er seine Laufbahn mit einem Schutzprojekt für Schleiereulen (Mitte). Außerdem zu sehen sind ein Uhu und ein Steinkauz. Foto: Malte Cilsik

Alle Arten sind wichtig

Mittlerweile hat Dichmann Projekte für alle sieben in Dänemark vorkommenden Eulenarten geleitet. Er findet den aktuellen Fokus auf den Steinkauz richtig, merkt allerdings an, dass eine Million Kronen wohl nicht reichen werden. Zu aufwändig sind die notwendigen Maßnahmen, bestehend aus Grünlandarealen mit flacher Grasnarbe, sogenannten Futterstreifen mit aufgewühlter Erde und mardersicheren Brutkästen.

Zudem gibt es noch weitere Eulenarten in Dänemark, die teilweise auch vor wachsenden Problemen stehen. Neben dem Steinkauz und der Schleiereule gibt es in Dänemark noch den Raufußkauz, die Sumpfohreule, den Uhu, den Waldkauz und die Waldohreule.

Während es den waldbewohnenden Arten wie dem Waldkauz und der Waldohreule gut geht – in den dänischen Wäldern ist nach wie vor ausreichend Lebensraum und Nahrung vorhanden – bedroht der invasive Marderhund den auch am Boden nistenden Uhu. Zudem gibt es in Dänemark kaum noch Raufußkäuze, da diese nur in verlassenen Baumhöhlen des Schwarzspechts nisten. Und dieser ist in Dänemark ebenfalls selten geworden.

Auch die anderen Eulenarten in Dänemark verdienen unsere Aufmerksamkeit.

Klaus Dichmann, Ornithologe

Darum betont Dichmann, dass auch der Schutz der anderen Eulenarten wichtig ist. Sie spielen eine wichtige Rolle im Ökosystem und regulieren zum Beispiel die nicht nur in der Landwirtschaft gefürchteten Schadnager.

Alle können helfen

Auf seiner Webseite www.tytoalba.dk bietet er Informationen zu den einzelnen Eulenarten und ihren landesweiten Vorkommen. Auch thematisiert er dort ihren Schutz, zum Beispiel indem er Bauanleitungen für Nistkästen liefert.

Auf seiner Webseite bietet Klaus Dichmann viele Informationen zu den dänischen Eulenarten und ihrem Schutz. Noch mehr Details liefert er in seinem Buch Lydløse Jæger (Lautlose Jäger). Foto: Malte Cilsik

„Jede Eulenart hat ihre eigenen Ansprüche. Es gibt nicht den universellen Eulenkasten“, betont er. Wer also einen schnellen Bruterfolg erzielen möchte, sollte sich vorher genau über die Eulenvorkommen in der jeweiligen Region und ihre Ansprüche informieren.

Im eigenen Garten bieten Kästen für Waldkäuze die besten Chancen. In Scheunen oder Lagerhallen können Eulenliebhaber auch mit Schleiereulen, Uhus oder dem Steinkauz Erfolg haben.

Ein Nistkasten für Waldkäuze bietet im eigenen Garten die besten Chancen auf einen Bruterfolg. Auf seiner Webseite www.tytoalba.dk gibt Klaus Dichmann auch Tipps für das Material und den besten Standort. Auch für die anderen dänischen Eulenarten bietet er Bauanleitungen. Foto: Klaus Dichmann

Noch mehr Informationen bietet Dichmann in seinem Buch Lydløse Jæger (Lautlose Jäger). Das Buch und seine Webseite sind nur auf Dänisch verfügbar. Auf Deutsch beantwortet Dichmann Nachfragen unter seiner E-Mail-Adresse dichmann@tytoalba.dk oder unter +45 2086 9052.

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Cornelius von Tiedemann
Cornelius von Tiedemann Stellv. Chefredakteur
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